Friedrich A. von Hayek (1899-1992)

 

Zur 127. Wiederkehr seines Geburtstages am 8. Mai

 

“Before we explain why people commit mistakes, we must first explain why they should ever be right.”

F.A. von Hayek

I

Weit mehr als die anderen sozialwissenschaftlichen Disziplinen scheint insbesondere die Nationalökonomie der periodischen Wiederholung längst widerlegter Thesen und den modischen Begriffen des jeweils herrschenden Zeitgeistes ausgesetzt zu sein. So nimmt es kaum Wunder, wenn auch das Werk eines so bedeutenden Denkers wie Friedrich A. von Hayek den geläufigen Trends entsprechend von Intellektuellen, Wissenschaftlern und Politikern abwechselnd hochgeschätzt, ignoriert oder als inopportun verworfen wurde.

Ein paar Beispiele mögen hier genügen: Als es dem jungen Hayek schon während der 1930er Jahre gelang, die einzige geld- und konjunkturtheoretische Alternative zu den politisch zündenden, langfristig jedoch fatalen Lehren Lord Keynes’ zu formulieren, wurde sein Ansatz rasch als unsozial abgelehnt und blieb auch an Universitäten und in populären Textbüchern vielerorts sogar bis heute unberücksichtigt. Rund 15 Jahre später, als Hayek mit seinem wohl bekanntesten Buch Der Weg zur Knechtschaft (1944) die Unvereinbarkeit von Sozialismus, Demokratie und individueller Freiheit nachwies, wurde er zum erklärten Feindbild der Linken. Dieser Bestseller der frühen Nachkriegsjahre wurde als ein Werk pervertierter Logik verunglimpft. Nach weiteren 15 Jahren wurde auch sein grosses Werk Die Verfassung der Freiheit (1960), das zu einem Klassiker der gesamten sozialwissenschaftlichen Literatur wurde, als einer jener “längst ausgestorbenen Dinosaurier, die offenbar immun gegen die natürliche Selektion nicht zu unterdruecken sind” geächtet und mancherorts sogar aus den Bibliotheken verbannt. Und doch wurde er 15 Jahre später im November 1974, allerdings wohl der politischen Symmetrie und politically correct (PC) wegen, gemeinsam mit dem Sozialisten Gunnar Myrdal (1898-1987) des Nobel-Preises für würdig empfunden.

Wer sich so lange, so konsequent und unbeirrt dem Aberglauben in der Nationalökonomie und der Sozialphilosophie widersetzt hat wie F. A. von Hayek, konnte es wohl kaum vermeiden, dass sein Werk zeitlebens abwechselnd hochgeschätzt, ignoriert oder als inopportun verworfen wurde.

II

Hayek wurde am May 8, 1899 im Wien des Fin-de-Siecle in eine über Generationen akademische Familie geboren, und mühte sich mit wechselhaftem Erfolg durch einige Gymnasien. Um die Peinlichkeit eines Schulversagens zu vermeiden meldete er sich im März 1917 freiwillig zur kuk Armee. Geschwächt durch Malaria und desillusioniert schlug er sich nach dem Waffenstillstand im November 1918 von der norditalienschen Piave-Front durch die zusammenkrachenden Kronländer der Monarchie ins hungernde Wien durch. Nach eilig bestandener “Kriegsmatura” konnte Hayek das juridische Studium beginnen und noch bei Friedrich v. Wieser hören. Nicht nur dort, sondern insbesondere im Mises Privat-Seminar, aus dem die 4. Generation der österreichischen Schule hervorging, fand sein naiver Flirt mit den sozialistischen Ideen der ‘Fabians’ ein rasches Ende. Weit mehr als die Hälfte dieser 4. Generation wurde zu international führenden Wissenschaftlern, allerdings erst nachdem sie Österreich verlassen hatten.

Gemeinsam mit seinem Mentor Ludwig von Mises (1881-1973) gründete er 1927 das “Österreichische Institut für Konjunkturforschung” in Wien und publizierte dort sein erstes Buch Geldtheorie und Konjunkturtheorie (1929) das mit seinem zweiten, Preise und Produktion (1931) bald einen noch heute gültigen theoretischen Standard setzte. Hier widersprach Hayek der gängigen Theorie, nach der Prosperität mit einer Ausdehnung der Bankreserven, der Bankkredite und privater Investitionen, jedoch ohne Anstieg des allgemeinen Preisniveaus erreicht werden. dass wirtschaftliche Prosperität unabhängig vom allgemeinen Preisniveau nur durch Erhöhung der Bankreserven, der Bankkredite und privater Investitionen bewirkt werden kann. Nach Hayek wird jede Kapitalknappheit zur unmittelbaren Ursache einer Krise, wobei Überinvestition nicht nur zur Kapitalverknappung und zum Rückgang der Investitionstätigkeit führen muss sondern auch zum partiellen Verlust des Realkapitals, das wegen der überhöhten Investititonsrate ja bereits produziert wurde. Die amerikanische Krise von 1929 bestätigte seine Analyse in dramatischer Weise.

III

Als er 1931 an die London School of Economics berufen wurde, geriet er dort sofort in einen akademischen Mehrfrontenkampf wir Lord Keynes (1883-1946) und dessen politisch zündende Lehren. Weil sich mit dessen Unterinvestitions- und Unterkonsumtionstheorien wahlstrategische Staatseingriffe in den Markt rechtfertigen liessen, wurde Hayek’s Überinvestititons- und Überkonsumptionstheorie durch die politischen Umstände schnell verdrängt, und Keynes’ verführerische Doktrin überlebte.

Bereits während der 1930er Jahre brachte Hayek den Sozialismus mit seinen Essays ‘Sozialistische Wirtschaftsrechnung I-III’ ins Wanken und hob ihn mit seinem Buch Der Weg zur Knechtschaft (1944), einem Bestseller der Nachkriegsjahre endgültig aus den Angeln. Hayek vertiefte hier nicht nur die Unmöglichkeit sozialistischer Wirtschaftsrechnung und Gesellschaftsplanung, er warnte bereits vor den totalitären Tendenzen des Wohlfahrtsstaates.

1945 erschien sein einflussreichstes und meist zitiertes Essay ‘The Use of Knowledge in Society’ (1945). Seine Einsicht, nach der die spontanen Handlungen immer unvollkommen informierter und unabhängiger Menschen zu Ergebnissen führen die Zentralbehörden nur dann möglich wären, wenn sie über das gesamte Wissen dieser Individuen verfügen könnte, ist fundamental. Die Ordnung, die durch die individuelle Reaktion auf Ereignisse und Umstände entsteht, die der Einzelne in ihrer Gesamtheit weder begreifen noch planen kann, ist daher nicht das Ergebnis eines Entwurfes, sondern das Resultat spontaner Handlungen freier Menschen.

1950 übersiedelte er an die University of Chicago und traf dort auf eine kongeniale Gruppe um Mitlon Friedman (1912-2006), George Stigler (1911-1991), Aaron Director (1901-2004) oder Gary Becker (1930-2014). Dort enstanden neben seinem wohl schwierigsten, zum Verständnis der spontanen Ordnung jedoch wichtigsten Buch The Sensory Order (1952) und vieler anderer Arbeiten, sein magnum opus The Constitution of Liberty (1961). Während sich die meisten modernen Sozialphilosophen in utopischen Konstruktionen idealer Ordnungen verlieren, sucht von Hayek für das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen und Lebensplänen Regeln zu finden, die es den Einzelnen im Rahmen allgemein bekannter Gesetze erlauben, individuelle Ziele zu erreichen. Mit seiner Theorie der spontanen Ordnung erklärt er wie jeder einzelne Marktteilnehmer innerhalb dieser Regeln seine spezifische Situation und seine Fähigkeiten spontan immer so ordnet, wie es ihm, ohne jemals das Ganze erfassen zu können, am vorteilhaftesten erscheint. Nur das Entdeckungsverfahren des ungehinderten Wettbewerbs lässt ständig neues Wissen entstehen.

IV

Inzwischen 63 jährig, kehrte er nach Europa zurück and folgte einem Ruf an die Universität Freiburg/Br.. Dort entsyand ein weitere Klassiker, Law, Legislation, and Liberty (1973/1976/1979). In dieser Trilogie fasst Hayek die rechtsphilosophischen, ethischen und politischen Grundlagen einer freien Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zusammen und verdeutlicht seine wichtige Unterscheidung zwischen Organisationen, die durch gemeinsame Zwecke definiert sind und spontan entstehenden gesellschaftlichen Ordnungen. Der fatale Irrtum, aus dem liberalen Grundprinzip alle nach den gleichen Regeln zu behandeln, die Forderung ableiten zu wollen, der Staat müsse Einzelne verschieden behandeln um sie in die gleiche materielle Lage zu versetzen, muss nach Hayek zur Zerstörung aller Moral und Ethik einer freien Gesellschaft führen.

1969 ging er an die Universität Salzburg und arbeitete trotz seines labilen Gesundheitszustandes und seiner intellektuellen Isolation weiter an einer Reihe wichtiger Arbeiten. Dort entstand sein revolutionäres Essay Die Entnationalisierung des Geldes (1977), das weltweit eine Flut interessanter theoretischer Arbeiten initiierte. Hayek, dessen Werk noch im Sommer 1974 offiziell als “theoretisch überholt und politisch irrelevant” abgekanzelt wurde, sah sich 3 Monate später als erster und bisher einziger Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Über Nacht zum zweiten mal weltberühmt, wurde er nun plötzlich von Intellektuellen, aber auch Kollegen und Politkern hofiert, mit allerlei Orden geschmückt, mit Ehrendoktoraten überhäuft und mancherorts wurde er sogar zum Mitglied wissenschaftlicher Akademien gekürt.

1977 verliess er Salzburg um in Freiburg/Br. an seinem letzten Buch The Fatal Conceit (1989) zu arbeiten. Allerdings konnte er dessen Publikation kaum mehr aktiv beeinflussen. The Fatal Conceit wurde daher bedauerlicherweise nicht immer sehr verständnisvoll und seiner Absicht und Diktion entsprechend editiert, sodass es weder als Höhepunkt seines Schaffens noch als sein wichtigstes Buch gelten kann.

Hayek’s nahezu 80 Bücher und Bröschüren (inclusive der Übersetzungen in die wichtigsten Weltsprachen) und seine weit über 250 wissenschaftlichen Aufsätze entstanden aus der umfassenden Sicht einander bedingender Disziplinen. Die innere Kohärenz und systematische Entwicklung seines Ansatzes, seine umfassende Bildung und ehrliche Wissenschaftlichkeit sind schlechterdings unerreicht. Als Gelehrter, als Mensch und als väterlicher Freund kam er dem Ideal des gentleman gewiss so nahe, als es Menschlichkeit erlaubt. Hayek starb 1992 in Freiburg/Br. Zu seinem Begräbnis in Wien erschienen weniger als 25 Personen.

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