Angst vor der eigenen Bevölkerung

Angesichts der Coronavirus-Epidemie wollen Partei und Staat Macht zeigen

Essay von Henrique Schneider – erschienen in “eigentümlich frei” (25. Februar 2020)

Partei- und Staatsführung in China: Koloss auf tönernen Füßen. Quelle: Chris Redan / Shutterstock.com

Die Kommunistische Partei Chinas und der chinesische Staat geben sich selbstbewusst. Unter allen Umständen möchten sie es der Welt, aber auch der eigenen Bevölkerung zeigen: Alles im Griff. Der Schlüssel, um diesen Anspruch zu verstehen, ist die Angst, die Partei und Staat vor der eigenen Bevölkerung haben.

Keine Frage: Das heutige China baut auf zentraler Lenkung und Überwachung auf. Präsident Xi setzt seine Vorgaben zentralistisch durch. Wer nicht folgt, verliert den Posten. Wer den Partei- oder Staatsapparat zum eigenen Nutzen einsetzt, wird bestraft, nicht selten mit dem Tod. Vorbei sind die Zeiten, in denen Apparatschiks und Mandarine erster Klasse fliegen oder Fünf-Sterne-Hotels frequentieren konnten. Die Rolex-Uhren dürfen auch nicht mehr gezeigt werden. Die Kommunisten und ihre Beamten müssen halt kommunistisch sein.

Auch die Bevölkerung erfährt Zentralisierung und Unterordnung im Alltag. In einigen Städten werden alle 100 Meter Überwachungskameras angebracht. Das Internet mutiert mehr und mehr zur Kontrollinstanz. Mobile Kommunikationstechnik dient dem „social scoring“. Ausreisepapiere erhält nicht mehr jeder. Und ja: Städte werden in Quarantäne gesetzt, Unternehmen zur Produktionseinstellung gezwungen, Arbeitern das Zuhausebleiben befohlen – unbezahlt.

Corona und Macht

Gerade angesichts der Coronavirus-Epidemie wollen Partei und Staat Macht zeigen. Die Aktionen der zentralen Gewalt waren eindeutig und ließen nicht lange auf sich warten. In einem Land, in dem jedes Jahr mehrere Hunderttausend Personen wegen Grippe sterben, werden ganze Provinzen wegen weniger als 5.000 Corona-Toten eingezäunt und von der Außenwelt abgeschnitten. So sind die Machtverhältnisse im Reich der Mitte …

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Angst vor der eigenen Bevölkerung

Save the Date! May 29, 2020: Gottfried von Haberler Conference 2020

gottfried haberler conference 2020
“By giving the government unlimited powers, the most arbitrary rule can be made legal; and in this way a democracy may set up the most complete despotism imaginable.” – Friedrich A. von Hayek (Nobel Prize 1974)

On the Morality of the State
and the State of Political Morals


Über die Hybris der Staaten und den Zustand politischer Moral


Gottfried von Haberler Conference 2020 | The 16th International Gottfried v. Haberler Conference will take place on May 29, 2020 at University of Liechtenstein in Vaduz. Conference topic: On the Morality of the State and the State of Political Morals. The event will be organized and hosted by ECAEF – European Center of Austrian Economics Foundation. The support of the University of Liechtenstein and multiple local and international sponsors is gratefully acknowledged.

By invitation only

Admission: General CHF 150/Euro 150; Students CHF 50/Euro 50

Academic Director: Kurt R. Leube
Tel. +1 650 248 4955 and Tel. +43 676 942 8980 (krleube at gmail.com)

Administration: Rosmarie Lutziger
Tel. +423 235 1570 (Rosmarie.Lutziger at lgt.com)

Media Matters: Karin Brigl
Tel. +423 235 2344 (karin.brigl at lgt.com)

Conference Program:
09:00-09:30 Registration
09:30-09:45 Welcome and Opening by H.S.H. Prince Michael of Liechtenstein

Session I:
Behind a Democratic Veil: A new Centralism and a Downfall of Standards
09:45-10:00 Chair: Peter Fischer (CH)
10:00-10:30 “Democracy as Practiced is Flawed: The New Machiavellianism” – Pedro Schwarz (ES)
10:30-10:45 Discussion
10:45-11:15 Coffee break
11:15-11:45 “Der zunehmende Zentralismus in der Europäischen Wirtschafts- und
Gesellschaftspolitik” – Lars P. Feld (D)
11:45-12:00 Discussion

12:00-13:30 Buffet Luncheon for all participants at conference site

Session II:
On Autocratic Tendencies and the Erosion of Individual Freedom
13:30-13:45 Chair: Hardy Bouillon (D)
13:45-14:15 “Semantic Traps: Politics with Loaded Terms” – Terry L. Anderson (USA)
14:15-14:30 Discussion
14:30-15:00 “Über ein drohendes Bargeldverbot und die Folgen” – Thorsten Hens (CH)
15:00-15:15 Discussion
15:15-15:45 Coffee break

Session III:
On Power, Corruption and the End of the Rule of Law
15:45-16:00 Chair: Karl-Peter Schwarz (AT)
16:00-16:30 “The Separation of Powers as Cornerstone of Liberty under Law Chandran” – Kukathas (AU)
16:30-16:45 Discussion
16:45-17:15 “Über den Rechtspositivismus und das Ende des Rechtsstaats” – Henrique Schneider (CH)
17:15-17:45 Discussion (general)
17:45-18:00 Farewell address by H.S.H. Prince Michael of Liechtenstein

18:15-18:30 Transportation by bus to the cocktail reception at Vaduz Castle
18:30-19:45 Cocktail Reception at Vaduz Castle

Relevant literature is also offered for sale by buchausgabe.de

List of all Gottfried von Haberler Conferences since 2005

Vernon Smith Prize 2019 – The Winners

vernon smith prize 2019 winners
Vernon Smith Prize 2019:  Winner photo. Source: Liechtensteiner Volksblatt

The winner of the 12th International Vernon Smith Prize are:

1. Prize: Kristoffer Mousten Hansen (DK)

Institutionalized Tyranny: the Scourge of our times


2. Prize: Amos Zweig (CH)

On Tyranny and Liberty


3. Prize: Sam Crocker (CA)

Democracy and Freedom: The Dangers of Conflation


The prizes have been awarded on the basis of originality, grasp of subject, and the logical consistence of the argument. An international jury did judge the essays and the winners were invited to present their papers at a special event in Vaduz, the Principality of Liechtenstein on Monday, February 10, 2020.

The 2019 topic was: ‘When the People fear their Government, there is Tyranny. When the Government fears the People, there is Liberty.’

A democratic government derives its authority from the consent of the governed and is loosely defined as a set of institutions through which we adjudicate our disputes, defend our rights and protect honestly acquired property. Under the rule of liberty the government is assigned the duty of impartial umpire, and each individual gives reason, intent and moral scope to his own life. As long as a person does not violate the rights of others he is sovereign over his own affairs.

Tyranny on the contrary, is characterized as a government that is an active player in people’s affairs. From a dictatorship to the benevolent welfare state all shapes of despotism wield their political authority and legitimized power of coercion to assure certain outcomes or forms of behavior considered desirable to determine how the members of the society may live, work, and associate with each other. Thus, the challenge in a democratic society is to keep government constrained and limited so that individuals can prosper and solve problems as free, independent and responsible citizens. However, it is the character rather than the volume of government activity that is important and ought to be specified in a constitution.

The prize money given to winners:

1st Prize: €4,000  |  2nd Prize: €3,000  |  3rd Prize: €2,000


The International Vernon Smith Prize for the advancement of Austrian Economics is an annual essay competition sponsored and organized by ECAEF – European Center of Austrian Economics Foundation, Vaduz (Principality of Liechtenstein).

Die Herrschaftsordnung Ihres Vertrauens

Stärken und Schwächen von Nationalstaaten gegenüber einem supranationalen Staatenbund.

Beitrag von Ekkart Zimmermann*, erschienen im Schweizer Monat Nr. 1027, Ausgabe Dezember 2019

Derr Schweizer Philosoph und Aufklärer Johann Georg Zim­mermann meinte im 18. Jahrhundert sinngemäss, so wie der Esel seinen Stall habe, so gehe es dem Bürger mit der Nation. Nun
sind beide, Esel und Zimmermann, kluge Wesen. Doch wohin führt uns diese Klugheit?

Im 19. Jahrhundert war der nationalstaatliche Rahmen zu gross ausgelegt für die bestehenden Gemeinschaften, er musste erst aus­ gefüllt werden. Mit den Worten von Eugen Weber: “Bauern mussten erst zu Franzosen werden, durch eine national orientierte Erzie­hung ebenso wie durch Strassen­ und Eisenbahnbau”. Der Staat war der proaktive, der nach vorn gerichtete Rahmen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Nationalstaat vor allem in den letzten 50 Jahren unter Druck: durch multinationale Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen, durch internationale Bündnisse und überstaatliche Vereinigungen sowie durch den Abbau von Hemmnissen für Handel, Ideen­ und Personenverkehr. Der Natio­nalstaat hat Wettbewerber erhalten und erwies bzw. erweist sich als relativ schwach. Er wirkt nun für viele nicht mehr vorwärts­, sondern rückwärtsgewandt und ist in die Defensive geraten.

Von Heimatgefühl, der engen regionalen Bindung an Familie, Landschaft und vertraute Kultur, über Nationalbewusstsein, also das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer grösseren kulturellen und sprachlichen Gemeinschaft, bis zum Nationalstaat, also der Idee, dass kulturelle Gemeinsamkeiten und historisches Schicksal ei­ner breiten Bevölkerungsgruppe sich in einem Staat mit eigenen Institutionen, eigener Identität und Werten finden sollten, exis­tiert ein breites Kontinuum. Der Staat, auch der Nationalstaat, ist durch die Dreiheit von Territorium, Grenzen und institutionali­sierter Staatsgewalt gekennzeichnet. Minderheiten werden in ei­nem solchen Nationalstaat von der Mehrheit höchstens geduldet, sind aber selten gleichberechtigt. Staatsgebilde, Territorium und kulturell und sprachlich relativ einheitliche Bevölkerung sollen möglichst eine Einheit bilden. Häufig sind in den Nachbarländern aber Landsleute anzutreffen. Im 19. und 20. Jahrhundert war da­bei oft von Irredenta, unerlösten Gebieten, die Rede, die notfalls mit Gewalt einverleibt werden sollten …

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Die Herrschaftsordnung Ihres Vertrauens (PDF)


*Ekkart Zimmermann ist emeritierter Professor für Makrosoziologie an der Technischen Universität Dresden. Von 2011 bis 2016 war er Gastprofessor an der ETH Zürich.

The Matter with Blockchain

by Henrique Schneider

Image source: BernhardMarr.com

Summary: This paper examines the economics of blockchain and cryptocurrencies. Three questions focus on the most important aspects: 1. What is the economics behind cryptocurrencies, or, are cryptocurrencies money? 2. Which are possible value-drivers of
cryptocurrencies, or, are cryptocurrencies a bubble? 3. How does blockchain influence the structures of governance, or, is blockchain revolutionary? While cryptocurrencies can be used as money, they are not without problems. Their commitments to a limited quantity as well as the absence of quality criteria ensuring temporal liquidity pose dangers to their further development. However, according to this paper, the most important contributions of the blockchain are to provide for a means with almost unlimited spatial liquidity and an innovative system of governance.

Keywords: Blockchain, cryptocurrency, parallel currencies, governance, distributed ledger, transparency, liquidity, bubble.

The Matter with Blockchain: Cryptocurrencies and more

The matter with cryptocurrencies and blockchain is convoluted: There are discussions about the technology, its programing code, its use and usefulness. There are controversies about whether cryptocurrencies are money, about their supply, transactions, and costs. There are disputes about their use, volatility, legality, links to the illegal world, and impact on the stability of financial systems. There is even debate about their energyconsumption. Settling all these issues is an impossible task. But it is useful to develop a framework of orientation from a non-partisan perspective. Non-partisan means that cryptocurrencies at large, and more generally, the blockchain technology, deserve an analysis that goes beyond hailing it as the all-innovative disruptor …

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The Matter with Blockchain: Cryptocurrencies and more