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1949 – 2019: Siebzig Jahre „Soziale Marktwirtschaft“

von Hubert Milz

Vorbemerkungen | Zum 70. Jubiläum der ‘sozialen Marktwirtschaft werden wahrscheinlich viele Publikationen dem so genannten deutschen Wirtschaftswunder gewidmet sein, wobei Alfred Müller-Armack (1901-1978) eine wichtige Rolle einnehmen wird.
Obschon das wirtschaftspolitische Konzept der sozialen Marktwirtschaft von Ludwig Erhard energisch und mit grossem Erfolg umgesetzt wurde, gilt Müller-Armack nicht nur als Erfinder des politisch zündenden und wirkungsvollen Slogan ‘soziale Marktwrtschaft’, sondern somit auch als einer der Väter des so genannten deutschen Wirtschaftswunders.
Auch wenn es im Folgenden kaum gelingen wird, der Person Müller-Armacks gerecht zu werden, soll hier doch versucht werden diese wirtschafts- und gesellschaftspolitisch wichtige Persönlichkeit der deutschen Nachkriegsjahre kritisch zu sehen.

Müller-Armack und der „starke Staat“

Studiert hatte Müller-Armack „wirtschaftliche Staatswissenschaften“, dieser Studiengang umfasste neben der Volkswirtschaftslehre auch Staats- und Verwaltungslehre, Öffentliches Recht, Privatrecht, Wirtschaftsgeschichte und mehr – und wurde damals im Deutschen Reich dominant beherrscht von den Vertretern der „jüngeren Historischen Schule der Nationalökonomie“. Grob gesprochen lässt sich festhalten, dass diese Schule der „ökonomischen Theorie“ weitgehend ablehnend gegenüber stand, sie wollte Wirtschaft und Gesellschaft anhand historisch erarbeiteter Entwicklungsgesetze sozusagen vermessen (1), daneben sind wesentliche Schwerpunkte der Schule in den Feldern „gesellschaftliche Institutionen“ und „Sozialpolitik“ („Kathedersozialisten“) zu verorten. In der Regel waren die Vertreter der „jüngeren Historischen Schule der Nationalökonomie“ auch stark etatistisch geprägt; sie glaubten an den „starken Staat“.

Müller-Armack ist meiner Meinung nach stark durch diese „jüngere Historische Schule der Nationalökonomie“ geprägt, was den Glauben an den „starken Staaten“ und die Sozialpolitik betrifft, diesen Glauben hat er auch nach 1945 in modifizierter Form beibehalten.

Müller-Armack war ein Anhänger des Korporatismus (2), vielleicht nicht ganz so, wie dieser im Italien Mussolinis umgesetzt wurde, jedoch sind Müller-Armacks damalige Sympathien für die korporatistische Wirtschaftspolitik nicht zu übersehen (3). Großindustrie, Kartelle und staatlich gelenkte Wirtschaft, mit diesen Stichworten kann man Müller-Armacks Sympathien und wirtschaftspolitische Positionen der späten 1920er und frühen 1930er Jahren umschreiben und plakativ zusammenfassen.

Müller-Armack wird – dies ist meine Sicht der Dinge – zu Beginn der „braunen Revolution“ der Ansicht gewesen sein, dass seine Ansichten zum wirtschaftspolitischen Korporatismus mit der „NSDAP“ umsetzbar und zu machen sind, so dass Wirtschaft und Gesellschaft im Vergleich zur „Weimarer Republik“ stabiler und auch relativ frei sein sollten. Dies war ein Irrtum, den Müller-Armack schnell einsah, so dass er sich ins Passive zurückzog, er publizierte bis 1945, wenn überhaupt, dann sozusagen neutral.

Korporatismus oder sozialistische Wirtschaftspolitik?

Die „Nazis“ betrieben hingegen eine sozialistische Wirtschaftspolitik, eine Kommandowirtschaft war dies – und kein Korporatismus. Dies wurde z. B. vom sozialistischen Ehepaar Alva Myrdal und Gunnar Myrdal, beide sind Nobelpreisträger, anerkannt. Das Ehepaar bereiste Mitte der 1930er Jahre das „braune Deutschland“, danach fabulierten die Myrdals geradezu schwärmerisch vom sozialistischen Fortschritt im „braunen Deutschland“. Nach dem II. Weltkrieg wurden Teile der schwedischen Verfassung von 1809 geändert. Die Initiative hierfür lag bei den sozialistisch-marxistischen Sozialdemokraten Schwedens; auch z. B. für die fast wörtlich übernommenen Passagen eines Ernst Rudolf Huber (4), der als einer der „Kronjuristen“ der „NSDAP“ gilt. Auch diese kleine – weitgehend unbekannte Anekdote – zeigt, dass die sozialistischen Spielarten – egal, ob rot, rosa-rot, grün, braun oder welche Farbe auch immer – aus gleichen Wurzeln sprießen.
Auch der „Vorwärts“, der von den emigrierten deutschen Sozialdemokraten zunächst in Prag und später in Paris herausgegeben wurde, sprach von den ab 1936 aufgelegten Vierjahrespläne der „braunen Sozialisten“ lobend im Sinne des sozialistischen Fortschritts (5).

Solche Anekdoten, die heutzutage nicht gerne gehört werden und unter das Schweigegebot der „political correctness“ fallen, zeigen deutlich, dass Joseph Goebbels nicht ohne Grund 1930 im „Angriff“ schrieb, dass die „NSDAP“ die äußerste linke Speerspitze der sozialistischen Revolution ist.

Sollte nun jemand einwenden, dass die „braunen Sozialisten“ die Wirtschaftsbetriebe nicht verstaatlicht haben und dass doch Verstaatlichung der Wirtschaft das Kennzeichen jedweder Form von Sozialismus zu sein hat, dem sei entgegnet: Karl Marx hat nicht von Verstaatlichung gesprochen, sondern von Vergesellschaftlichung, von Sozialisierung; der Staat sollte gemäß Marx im Sozialismus absterben. Demzufolge waren die „braunen Sozialisten“ in Fragen der „Sozialisierung der Wirtschaft“ näher an Marx als es der „real existierende Sozialismus“ von Lenin, Stalin etc. oder die Pläne der marxistischen Sozialdemokratie waren. „GröFaZ“ soll diesbezüglich sogar gesagt haben, dass er die Wirtschaft nicht zu sozialisieren brauche, sondern es genüge vollauf, wenn er die Menschen sozialisiere.

Alfred Müller-Armack und Ludwig Erhard

Schon in den vertraulichen Zirkeln, die es während der zwölf Jahre der „braunen Sozialisten“ gab, lernte Müller-Armack Ludwig Erhard kennen. Müller-Armack, Erhard und andere6 arbeiteten in diesen Zirkel an Konzepten für die Nachkriegsordnung. Mitunter geschah dies auch ganz offiziell, z. B. in der „Arbeitsgemeinschaft Erwin von Beckerath“. Dies war eine mehr oder weniger private Runde, die unter dem Schutz der „Akademie für Deutsches Recht, Abteilung Volkswirtschaftslehre“ ganz normal als offizielle Forschungsgruppe bis zur Auflösung der Abteilung 1943 tätig war. Danach arbeitete die Gruppe inoffiziell weiter. In dieser Gruppe wurden schon vor 1943 Positionen erarbeitet, die in die deutsche Nachkriegsordnung einflossen.

Ludwig Erhard und Alfred-Müller-Armack 1973. Photo: Ludwig-Erhard-Stiftung

Wer sich ein wenig mit den Positionen Erhards und Müller-Armacks befasst, dem sollten die grundlegenden Unterschiede zwischen Erhard und Müller-Armack in die Augen springen.

Für Ludwig Erhard ist die Marktwirtschaft sozial an sich! Ein vernünftiger, einfacher rechtlicher Handlungsrahmen genüge, um die Institution des Marktes zum Vorteil aller wirken zu lassen – eben zum „Wohlstand für alle“. Oder anders ausgedrückt (Erich Weede), „Der Markt kann selbst Egoisten und Neider zwingen, sich so zu verhalten, als ob sie am Wohlergehen ihrer Mitmenschen interessiert sind. Die Politik kann das nicht.“

Müller-Armack war völlig anderer Meinung. Er meinte, dass die Marktwirtschaft sozial gerecht feingesteuert werden müsse, man könne diese sich nicht selbst überlassen7. Besonders beim alten Müller-Armack wird der interventionistische Korporatismus wieder deutlich, richtiggehend prägend, z. B. lobte Müller-Armack 1978 – also kurz vor seinem Tod – die Interventionen des Staates „Generationenvertrag mit dynamischer Rentenformel; Betriebsverfassungsgesetz; die (so genannte) Spar- und Vermögenspolitik“ vollumfänglich und diese Dinge befand Müller-Armack als sehr gut in den Händen der Regierung – Müller-Armack wollte dies alles als soziales Ordnungsinstrument des Staates in den Händen der Regierung gebündelt wissen.

Bei solchen Ausführungen sollte nach meinem Empfinden ein tatsächlicher „Ordoliberaler“ (8) widersprechen; denn z. B.
=> beim sog. Generationenvertrag war schon während der Vorbereitung klar, dass dieser scheitern wird. Adenauer 1955 soll an seine Mitarbeiter, welche die Blaupause von Prof. Schreiber zum Rentenreformgesetz gestalteten, die Frage gerichtet haben: „Meine Herren, was ist, wenn der Erhard, der Schäffer, der Röpke und deren Freunde richtig liegen und das Ding geht schief, was dann?“ Die Antwort soll gewesen sein: „Herr Bundeskanzler, wenn das Ding schief geht, dann sind Sie schon lange nicht mehr und wir auch nicht!“ Also, den tatsächlichen „Ordoliberalen“ war schon 1955 klar, dass der sog. „Generationenvertrag“ schief gehen wird;
=> ebenso klar war echten „Ordoliberalen“, dass die „Vermögensbildungsgesetze“ kaum Vermögen in Arbeitnehmerhand bilden werden
=> und dass das Betriebsverfassungsgesetz langfristig, wegen etlicher falscher Anreize des Gesetzes, kontraproduktiv sein wird.

Müller-Armack war eben kein echter „Ordoliberaler“, sondern war meines Erachtens nur ziemlich flexibel. Seinen Korporatismus reicherte er nach 1945 mit liberalen Anteilen an, vertrat jedoch als Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium weiterhin – wiederum mein persönlicher Eindruck – eine Art von weichem, mildem Korporatismus und damit letztlich doch die Interessen der Großindustrie.

Müller-Armack war meinem Eindruck nach eher eine Art von Bremser bei der Entflechtung der Kartelle, der Syndikate und der vermachteten Strukturen in der Wirtschaft – in der wirtschaftlichen Prozesspolitik stand Müller-Armack den alten „Granden“ näher als den „Ordoliberalen“ und übte sich prozesspolitisch in den Dingen, die Friedrich August von Hayek mit vollem Recht „Anmaßung von Wissen“ nannte. Dies ist auch schon leicht aus den oben genannten drei Punkten abzuleiten. Diese Art von „sozialer Feinsteuerung“ lässt sich grob gesprochen viel leichter bewerkstelligen mit
=> den Konzernlenkern der Großbetriebe, die keine Unternehmer, sondern nur Betriebsverwalter sind. Die Franzosen haben meiner Meinung mit „société anonyme“ die bessere Bezeichnung für Aktiengesellschaften; die „Führer“ dieser anonymen Großbetriebe sind politisch einfacher auf Linie zu bringen als die Eigentums-Unternehmer;
=> den straff organisierten Verbänden von Industrie und Handel, die starken Einfluss auf ihre Mitglieder ausüben und deren Verbandsfunktionäre meistens auch politisch gut verbandelt sind;
=> flankierend hinzu kommen dann noch die Industrie- und Handelskammern, ergänzt um die Handwerkskammern, deren Funktionäre auch regelmäßig gute Drähte zur Politik pflegen;
=> und unabdingbar sind natürlich Gewerkschaften mit Gewerkschaftsbossen, welche die eigenen Interessen verfolgen, aber clever genug sind dies den Gewerkschaftsmitgliedern als Gewerkschaftsinteresse einzuimpfen, somit die Mitglieder fest im Griff haben und natürlich die politischen Spielchen mitspielen.

Mittels einer derartigen Gemengelage kann das Spiel der so genannten „sozialen Feinsteuerung der Marktwirtschaft“ im Sinne von Müller-Armack gespielt werden. Doch dies hat kaum noch etwas mit Marktwirtschaft zu tun; dies ist eine extrem verkrüppelte Marktwirtschaft, die zwar effizienter ist als die Planwirtschaft, jedoch nur deshalb, weil den Menschen – zumindest über eine lange Zeitspanne hinweg – vorgegaukelt wird, dass dies „Soziale Marktwirtschaft“ ist. Und wenn das Ding dann schiefgeht, dann ist dies natürlich der „ungebändigte Kapitalismus“ schuld, der die guten Ansätze der „Sozialen Marktwirtschaftler“ unterlaufen hat. Selbstredend sind natürlich keinesfalls die wirkliche Täter die Schuldigen. Diese wirklichen Täter sind zu finden in einer furchterregenden Symbiose aus ähnlichen Kreaturen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die zusammengeführt, zusammengehalten, organisiert und gehandhabt durch Regierungspolitik zum Schaden der allgemeinen und individuellen Wohlfahrt agieren.

Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard und Franz Böhm trieben hingegen – mit Blick auf funktionierenden Wettbewerb – die Entflechtung und Auflösung der aus Kaiserreich und Weimarer Zeit überkommenen alten, vermachteten Strukturen voran.

Der grundlegende Unterschied in den Konzepten ist schon in der Schreibweise zu erkennen. Anhänger des wirtschaftspolitischen Konzepts von Ludwig Erhard schreiben „soziale Marktwirtschaft“; die Anhänger des Konzepts von Müller-Armack schreiben hingegen „Soziale Marktwirtschaft“. Noch heute lässt sich an der unterschiedlichen Schreibweise erkennen, wer „Marktwirtschafter“ und wer mehr oder weniger ein „Interventionist“ und/oder „Korporatist“ ist. Herbert Giersch z. B. konnte „soziale Marktwirtschaft“ gerade noch hinnehmen, bei einer Realisierung des Konzepts „Sozialer Marktwirtschaft“ des Müller-Armacks hingegen befürchtete Giersch die Zerstörung der Wirtschaft und damit auch der Gesellschaft (9); denn auch der Korporatismus in der Art und Weise der „Sozialen Marktwirtschaft“ Müller-Armacks führt längerfristig zu einer Spielart von Sozialismus oder Kollektivismus, da Regierungen in solchen korporatistischen Systemen ihre Ansprüche immer weiter ausdehnen werden.

Die Folgen sind leicht abzuleiten: Eigentums- und Verfügungsrechte werden stetig immer weiter ausgehöhlt, so dass diese Rechte zu leeren, formalen Hülsen verkommen. Der eigentliche Chef der Verfügungsrechte ist dann die Regierung, diese führt dann die „Regie“ über das Eigentum, das nur formal noch irgendwelchen Privatpersonen gehört. Letztlich gilt dies auch für den Korporatismus des Müller-Armacks, der – zwar auf die sanfte Art und Weise der Tarnkappe „Soziale Marktwirtschaft“ – zum Sozialismus und damit zu „Armut, Not und Elend für ALLE“ führen wird, ausgenommen sind natürlich die politischen Führungskader.

Damit ist nicht gesagt, dass das korporatistische Konzept des autoritären Liberalismus nach Müller-Armack nicht kurzfristig erfolgreich sein kann. Doch durch die Anreize, die gesetzt werden, ist eben das Potential absolut gegeben, dass dieses Konzept scheitern lässt – mag der eine oder andere auch der Meinung sein, dass ein solches Konzept noch immer eine gute „zweitbeste Lösung“ ist. Wird hingegen ein liberaler Korporatismus im Sinne von „Freiheit“ eingesetzt, dann heißt das Ziel weniger Staat. Ein Konzept des liberalen Korporatismus, welches ein erster Schritt sein sollte, um den Weg zu beschreiten aus dem derzeitigen Maximalstaat wieder einen Minimalstaat zu machen (10). Mit dem Konzept von Müller-Armack ist dies jedoch nicht möglich; Müller-Armacks Konzept führt zu immer mehr und immer mehr Staat.



(1) Dies wollen die heutigen, den Ton angebenden, modernen Mainstream-Ökonomen („Ökonomokraten“) auch, und zwar wollen diese „Ökonomokraten“ nicht nur die Welt vermessen, sondern auf der Grundlage statistischer Datenberge mittels ökonometrischer Modelle mit der Vergangenheit – also der Geschichte – sogar die Zukunft vorhersagen. Darf man diese „Ökonomokraten“ folglich als die legitimen Erben der „jüngeren Historischen Schule der Nationalökonomie“ bezeichnen?

(2) Korporatisten sind der Meinung, dass der Staat und die Interessengruppen der Wirtschaftsgesellschaft aufeinander angewiesen sind. Deswegen befürworten Korporatisten einen Deal (wie z. B. Roosevelts „New Deal“) zwischen Staat und jenen Interessengruppen, die durch Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften repräsentiert werden. Daraus folgt, dass Korporatisten nicht nur manchmal, sondern sehr häufig weitgehende staatliche Interventionen ins Marktgeschehen befürworten.

(3) Seine 1933 veröffentlichte Schrift „Staatsidee und Wirtschaftsordnung im Neuen Reich“ zeigt dies deutlich und illustriert meine These.

(4) Die Quellen dazu sind zu finden in Josef Schüßlburner: Roter, brauner und grüner Sozialismus. Grevenbroich 2008.

(5) Auch hier: Die Quelle sind zu finden in Josef Schüßlburner: Roter, brauner und grüner Sozialismus. Grevenbroich 2008.

(6) So z. B. Günter Schmölders, der als Professor für Finanzwissenschaft in Köln ein Kollege von Müller-Armack war. Schmölders Nachkriegsarbeiten hatten wesentlichen Einfluss auf die Steuerpolitik, sein Buch „Gutes und schlechtes Geld“ kann ich als Einführung in das „Rätsel Geld“ empfehlen. Nach eigenen Angaben stand Schmölders während seiner Breslauer Zeit dem „Kreisauer Kreis“ nahe; Götz Aly („Hitlers Volksstaat“) und Hauke Janssen („Nationalökonomie und Nationalsozialismus“) belegen durch entsprechende Quellen des Bundesarchivs in Koblenz, dass Schmölders wissenschaftlicher Schulungsleiter der SS war, außerdem sind einige Schriftsätze Schmölders aus der braunen Zeit nicht gerade „freiheitlich“ zu nennen. Auch an der Person Schmölders ist also leicht zu erkennen, wie differenziert mit der Wertung der Personen umzugehen ist, die nicht von Anfang an im Widerstand gegen „GröFaZ“ standen oder emigrierten.

(7) Dieter Haselbach („Autoritärer Liberalismus und Soziale Marktwirtschaft“) bezeichnet das Konzept Müller-Armacks als „autoritären Liberalismus“; ein Ausdruck, der sicher nicht als falsch verworfen werden kann. Haselbach ist promovierter und habilitierter Soziologe und meiner Meinung nach politisch „links“ zu verorten.

(8) Die „soziale Marktwirtschaft“ im Sinne des Konzeptes von Franz Böhm, Ludwig Erhard, Wilhelm Röpke oder Alexander Rüstow wich in wesentlichen, wichtigen Punkten vom Konzept „Soziale Marktwirtschaft“ des Alfred Müller-Armacks stark ab. Übrigens, nahezu 100% der Politiker, die heutzutage von „sozialer Marktwirtschaft“ und „Ordoliberalismus“ in Abgrenzung zum bösen „Neoliberalismus“ reden, zeigen schon durch diese Wortwahl ihre völlige Ahnungslosigkeit. Die deutschen „Ordoliberalen“ der Nachkriegszeit betrachteten sich als Vertreter und Fechter des „Neoliberalismus“. Den Begriff Neoliberalismus schöpfte Alexander Rüstow 1938 in Paris beim „Colloque Walter Lippmann“. Das weltweit letzte verbliebene Häuflein „Freiheitlicher“ einigte sich damals auf das Label „Neoliberalismus“. Daraus folgt, die ursprünglichen deutschen „Ordoliberalen“ sind die deutschen Vertreter des „Neoliberalismus“, die man wegen ihres Jahrbuchs „Ordo“ als „Ordoliberale“ bezeichnete – ein Begriff der von Wilhelm Röpke und Alexander Rüstow – nach meinem Kenntnisstand – nicht übernommen wurde, beide bezeichneten sich selbst als „Neoliberale“ oder auch „Neuliberale“.

(9) Aus dem Gedächtnis zitiert; ich hatte dies als Student im Rahmen einer Literaturrecherche in einer Zeitschrift „Sozial- und Wirtschaftsgeschichte“ des Franz Steiner Verlags gelesen.

(10) Vgl. Robert Nef: Ein guter Deal zwischen Staat und Wirtschaft?; in: NZZ, 27.01.2009, https://www.nzz.ch/ein_guter_deal_zwischen_staat_und_wirtschaft-1.1793922 und derselbe mit seinem Vortrag beim Roland-Baader-Treffen-2017: https://www.youtube.com/watch?v=bAEdg6_iSVo, ab Zeitpunkt 2:03:05.

In der Schuldenfalle

Billiges Geld hat neue Schulden erzeugt. Die Lage ist bedenklich. Es ist Zeit zur Umkehr. Ein Kommentar von Michael von und zu Liechtenstein, erschienen am 24. Januar in “Finanz und Wirtschaft”, Vaduz (FL)

Noch selten war das Ungleichgewicht von Wirtschaftsleistung und Staatsdefizit so ausgeprägt wie heute. Die Eurozone zählt zu den Spitzenreitern und verstösst mehrfach gegen die im Maastricht-Vertrag festgelegten Regeln. Damit stellt sich die Frage, wie es denn nun weitergehen kann.

Zumal das Problem sich langfristig verschärft, seitdem die Politik des billigen Geldes vorherrscht: Um die Wirtschaft anzukurbeln, ist Privathaushalten der Konsum auf Pump schmackhaft gemacht worden. Unternehmen sollten über Verschuldung zu weiteren Investitionen motiviert werden – dieses Ziel wurde aber nicht erreicht.

Staaten wiederum sind ihrer Spar- und Reformpflicht entledigt worden und haben – verhaftet in der alten Denke, dass Europas Wirtschaftsentwicklung wie bis anhin «schon» günstig voranschreiten wird – stattdessen billig Geld erhalten, mit dem sie ihrer Ausgabenpolitik weiter unbeirrt nachgehen konnten.

Es ist schon richtig, dass überbordende Staatsschulden kein rein europäisches Problem sind. Auch die USA, Japan und weitere Länder sehen sich damit konfrontiert. Staatsschulden sind ein globales Phänomen und existieren seit langem. An Europa aber lässt sich die Dramatik der heutigen Situation beschreiben …

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier ->
“In der Schuldenfalle” (FuW, 24. Jan 2019)


Karl Marx and Switzerland

by Henrique Schneider*

“The key to the intricate and massive system of thought created by Karl Marx (1818-83) is at bottom simple: Karl Marx was a communist.” Rothbard (1995, 317) succinctly makes a crucial point for understanding Marx: His ideas are not primarily about economics, sociology, of philosophy – let alone about singular or aggregate law-like relationships such as wage and value, time and investment, household formation and capital accumulation. If Marx dwelt in those issues, it was only to serve his ultimate aim, the definition and institution of a new society, or, his version of communism.
Marxian Communism is not the outcome of some social mechanism. It is a goal to which all social mechanisms should be subservient. This goal equally subdues issues, theories, and frames of reference to its own implementation. While other forms of communism believed that such a system would be the eventual outcome, or, the synthesis, of human evolution, Marxian Communism was revolutionary. It is conceptualized as a synthesis, but one that has to be actively sought by revolution and enforced by the revolutionaries. Marxian Communism was about how to force and enforce the synthesis, thus, his idea of a synthesis was that human evolution as such is and shall be determined by an all-encompassing, synthetic, system.
Where did Marx learn to be a communist? While it would be wrong to claim that it was in Switzerland, it is certain that the alpine country served as an important case study for Marx. When studying Switzerland, Marx realized that a) revolutions are possible (in contrast to wars between armies); b) revolutions can take the form of a goal-oriented movement (in contrast to revolutions reacting against an undesirable state of affairs); and c) it is not the proletariat, but the lower bourgeoisie that revolts. While a) and b) were welcome indications that his own theories were right, c) was a double-edged sword. He might have wanted to co-opt the lower-bourgeoisie into a revolution against the upper bourgeoisie inspiring the proletariat to do the same. On the other hand, and as his friend Friedrich Engels was always ready to point out, the lower-bourgeoisie, even if coopted, is likely to turn into a conservative force. Hence again, the example of Switzerland.
Marx learned these facets as he studied the Swiss industrialization – in fact, the longest sentence in Das Kapital (1867) is about the Swiss watchmaking industry – and as he analyzed the Swiss “liberal” revolutions after 1813 until the formation of the Confederacy in 1848. In the Communist Manifesto (1848; with Engels), Marx admits that the proletariat is sluggish in taking political action. Taking the Swiss “liberal” movement as example, Marx thinks that the revolution begins with the activation of the lower-bourgeoisie and spreads to the proletariat. But to his eyes, and probably influenced by Engels, this dynamic is not without risk.
In the remainder of this essay, it will be discussed, what Marx learned from observing the Swiss “liberal” revolution, how he thought he could coopt the lower-bourgeoisie and why, at the end, he discarded this option for its dangers outweigh its potential rewards. While it will not be claimed that Marx realized all this because of Switzerland, it will be made clear how he employs the Swiss as a case study.

1.: Switzerland’s (Classic) Liberals

In the first half of the 19th century, many events took place in Switzerland. First, there was Napoleonic Occupancy and the Helvetic Period until after 1812. After its breakdown, there was a struggle between proponents of a “new order” and “restorative powers”. This struggle lasted from ca 1813 to 1848 and was driven principally by the “Freisinn”, the proponents of a “new order”. In 1848, the “Freisinn” succeeded in the formation of the Swiss Confederacy, but not without having risked a civil war. After 1848, the Swiss state developed and the “Freisinn” underwent a process of inner differentiation that led to the Swiss version of “direct democracy”.
From its onset, the “Freisinn” was anything but homogenous. Three main subgroups, each, in turn, composed of factions and fractions, come to mind. Some members of the “Freisinn”, especially the French-speaking part of Switzerland – who would call themselves “Les Radicaux”, wanted the instauration of a Constitutional Republic; others, especially around the centers of wealth Zurich, St. Gallen, Lucerne or Lugano advocated a decentralized system that would, cultivate democracy and republicanism but also allow for conservative values. The third group was mainly present in the lowlands between Zurich, Berne, and Basel, i.e. in (now) Cantons of Baselland, Argovia, or Solothurn. Their members wanted a minimal state and free trade according Lockean and Smith’ian doctrines (Schneider 2018).
In the eyes of Marx, this last group was the most interesting. Their leaders did not confine themselves to discussion clubs, as French-speaking “Radicaux” did; nor did they sit in Councils as the wealthy industrialists and traders of the more urban “Liberale” did. This third subgroup was mainly composed of small entrepreneurs and craftspeople – the small and medium companies of today. They went to the streets. They organized sieges against the police whom they suspected of protecting the “old order”; and they organized campaigns against the conservative regions. In the eyes of Marx, these small capitalists and craftsmen organized a goal-oriented revolution changing the way politics was done in Switzerland. At the end, they were successful. All these groups merged into the Swiss Liberal-Radical Party – “Freisinn” – movement succeeding in creating Switzerland in 1848. These more vocal Libertarians would not cease to put pressure on the newly-created state. They still demanded “direct democracy”. The possibility of the people changing the Constitution was enshrined in the Constitution of 1848, the possibility popular veto against laws came into force 1874 – only after the third sub-group threatened with armed conflict (Schneider 2018).
Without having a special interest in the alpine country, Marx followed the developments in Switzerland. By observing them, Marx learned three lessons: 1. the small bourgeoisie can truly be revolutionary. 2. This is due two factors. They have enough capital to afford action and they were educated in order to understand that their position could be improved by collective action. 3. A revolution for a cause can be as powerful as or even more powerful as a revolution against a cause.
Watching the events unfold in Switzerland and learning from it does not mean that Marx approved of them. Marx did not trust the lower-bourgeoisie, and especially Engels despised the Swiss lower-bourgeoisie.i But unlike Utopian Communists, Marx called himself a Scientific Communist; and the same applies to Engels. Instead of formulating the goal of an ideal society and letting this goal being progressively achieved through many iterations of Hegelian thesis-antithesis-synthesis, Marx was interested in finding out the mechanisms that could lead to the synthesis and forcing them to come by the means of a revolution. Switzerland’s bourgeois revolution was more than food for thought to him.
In the Communist Manifesto (1848), Marx and Engels clearly identify the revolutionary potential of the Bourgeoisie:
“The bourgeoisie, historically, has played a most revolutionary part. The bourgeoisie, wherever it has got the upper hand, has put an end to all feudal, patriarchal, idyllic relations. It has pitilessly torn asunder the motley feudal ties that bound man to his “natural superiors,” and has left no other nexus between man and woman than naked self-interest, than callous “cash payment.” It has drowned out the most heavenly ecstacies of religious fervour, of chivalrous enthusiasm, of philistine sentimentalism, in the icy water of egotistical calculation. It has resolved personal worth into exchange value, and in place of the numberless indefeasible chartered freedoms, has set up that single, unconscionable freedom—Free Trade. In one word, for exploitation, veiled by religious and political illusions, it has substituted naked, shameless, direct, brutal exploitation.”
The question is now, how to harness this power not for the bourgeois, but for the Communist revolution?

2.: Switzerland’s industrialization

For Marx and Engels, the solution was clear. They would have to persuade the lower-bourgeoisie that that it is them that have been exploited or will become exploited by the high-bourgeoisie, the capitalists. Marx and Engels would have to convince the low-bourgeoisie that it is them that inevitably will descend into to the proletariat if they don´t revolt first. However, for Marx and Engels, convincing was not a question of mere semantics or rhetoric. It was about looking for law-like developments that supported their claim. They found them. The key for bringing together the lower-bourgeoisie of their day with the proletariat of the future was the theory of alienation.
There are different types of alienation. On the one hand, there is alienation in the people from each other. This is the alienation of class. In the Marxian goal, the classless society would overcome this estrangement. On the other hand, there is alienation from the worker regarding her or his product. In the capitalist mode of production, the worker invariably loses the ability to determine life and destiny by losing the ability of being the director of her or his own action. By being deprived of ownership over the means of production, workers become means of production themselves. Thus, Marx’ solution was to socialize all means of production turning every worker in an owner and a director.
How does this relate to Switzerland? Marx – and Engels – observed the fast industrialization of the alpine republic. They also realized the intricacy of its industrial development was not perfectly framed by the capitalist-proletariat dichotomy. Instead, many early industrial tasks were performed by artisans and craftsmen. Years later, reflecting on it, Marx exposes the complicated networks of value creation between capitalists and their small and medium suppliers in what is, in fact, the longest sentence in Das Kapital (1967). It describes the Swiss watchmaking industry in Le Locle and the Jura.
“Formerly the individual work of a Nuremberg artificer, the watch has been transformed into the social product of an immense number of detail labourers, such as mainspring makers, dial makers, spiral spring makers, jewelled hole makers, ruby lever makers, hand makers, case makers, screw makers, gilders, with numerous subdivisions, such as wheel makers (brass and steel separate), pin makers, movement makers, acheveur de pignon (fixes the wheels on the axles, polishes the facets, &c.), pivot makers, planteur de finissage (puts the wheels and springs in the works), finisseur de barillet (cuts teeth in the wheels, makes the holes of the right size, &c.), escapement makers, cylinder makers for cylinder escapements, escapement wheel makers, balance wheel makers, raquette makers (apparatus for regulating the watch), the planteur d’échappement (escapement maker proper); then the repasseur de barillet (finishes the box for the spring, &c.), steel polishers, wheel polishers, screw polishers, figure painters, dial enamelers (melt the enamel on the copper), fabricant de pendants (makes the ring by which the case is hung), finisseur de charnière (puts the brass hinge in the cover, &c.), faiseur de secret (puts in the springs that open the case), graveur, ciseleur, polisseur de boîte, &c., &c., and last of all the repasseur, who fits together the whole watch and hands it over in a going state (1867, Volume 1, Page 370).”
In this example, Marx is looking at the complex and decentral nature of watchmaking. Every task is done by a specialist. Each specialist only cares about his task without even bothering to consider the final product in its totality. The only agent that understands the final product, the watch, is the capitalist entrepreneur. But as the specialist is confined to his interest in his task, his labor is not rewarded as a contribution to the whole, but only as the completion of his small task. Unlike many other places in Europe, here the specialists were not employed workers, but small and medium craftsmen and artisans- the same small and medium businesspeople that went to the street to claim their rights. Marx – and Engels – developed the theory that these SME, by allowing themselves to be caught by the capitalist logic of alienation would eventually be exploited, too. They, too, would only be receiving their wage for the task as opposed to their share on the overall product.
Realizing this, Marx – and Engels – would tie the two strings: 1. The specialist worker is not part of the proletariat; he is a lower bourgeois. 2. The specialist worker is not aware of his exploitation by the capitalist entrepreneur because the specialist doesn’t look at the whole but focusses on his task. The specialist SME is equally alienated from the product as the proletariat is. 3. As a (moderately) educated person, if the specialist worker were made to look at the whole, he would understand the exploitation and would be willing to remedy it. These lessons became part of the later version of the Communist Manifesto (1848):
“The weapons with which the bourgeoisie felled feudalism to the ground are now turned against the bourgeoisie itself. But not only has the bourgeoisie forged the weapons that bring death to itself; it has also called into existence the men who are to wield those weapons—the modern working-class—the proletarians.”
But who is the future proletariat, according to the Manifesto? No, it is not the pauper low-level workers, but the specialists and the lower-bourgeois.
“No sooner is the exploitation of the labourer by the manufacturer, …The lower strata of the Middle class—the small tradespeople, shopkeepers, and retired tradesmen generally, the handicraftsmen and peasants—all these sink gradually into the proletariat, partly because their diminutive capital does not suffice for the scale on which Modern Industry is carried on, and is swamped in the competition with the large capitalists, partly because their specialised skill is rendered worthless by new methods of production. Thus, the proletariat is recruited from all classes of the population. … The lower middle-class, the small manufacturer, the shopkeeper, the artisan, the peasant, all these fight against the bourgeoisie, to save from extinction their existence as fractions of the middle class.”
This is why the strategy of co-opting lower-bourgeois to revolutionize against the capitalist mode of production could work. They were trapped in the same alienation as the proletariat. They would become the proletariat of the future. But at the same time, they still had the resources – education and finances – as well as the experience of how to lead a revolution. However, this strategy was not without risks.

3.: Danger

Marx was primarily interested in harnessing the power of these lower-bourgeois. But he also knew that there were risks to this. Especially due to the influence of Engels -see Endnote – Marx pondered that even if they were alienated and exploited, they were still small-bourgeois. As such, they were potential exploiters, too. And especially, they worked primarily for their own benefit – benefit being the amassing of their own private property. The Communist Manifesto (1848) – in a passage initially drafted by Engels – warns:
“They (the Middle Classes) are therefore not revolutionary, but conservative. Nay, more, they are reactionary, for they try to roll back the wheel of history. If by chance they are revolutionary, they are so, only in view of their impending transfer into the proletariat, they thus defend not their present, but their future interests, they desert their own standpoint to place themselves at that of the proletariat.”
The warning was at least partially right: In Switzerland the Communists supported the Radicals, without losing sight of the fact that this party consisted of many, some of them antagonistic, elements, for example democratic Socialists, in the French sense, radical bourgeois, or even libertarian. But they were never supported back. In Marx’s theory, this was due to the fact that the bourgeoi subscribe to a logic of individualism while the communists subscribe to collectivism, first by creating class-solidarity, and then, by creating a common society without classes. The bourgeois, instead, was committed to individual wealth and quality of life. So different were these logics that Marx realized that it was futile trying to reconcile them.
In the second half of the 19th century, Switzerland developed on the basis of individual responsibility and individual autonomy. It was and became hostile to any form of collectivism (including conservative collectivism but excluding corporatism), especially towards Marxism, Socialism, and Communism. In fact, Switzerland was so hostile to Communism, that inter alia because of the Swiss example; the later Marx would even oppose taxes (Critique of the Gotha Programme, 1875):
That, in fact, by the word “state” is meant the government machine, or the state insofar as it forms a special organism separated from society through division of labor, is shown by the words “the German Workers’ party demands as the economic basis of the state: a single progressive income tax”, etc. Taxes are the economic basis of the government machinery and of nothing else. In the state of the future, existing in Switzerland, this demand has been pretty well fulfilled. Income tax presupposes various sources of income of the various social classes, and hence capitalist society. It is, therefore, nothing remarkable that the Liverpool financial reformers — bourgeois headed by Gladstone’s brother — are putting forward the same demand as the program.
Because of Switzerland’s bourgeois program, most communists turned their backs on direct-democracy. There was a lively debate inside the Second (Socialist) International on whether direct democracy is a progressive demand and therefor worth any support from the workers movement. Some Swiss delegates argued strongly in favor of direct legislation through the people, while the general line was one of a rather critical attitude. After all, Switzerland was consolidating a bourgeois state in which Marxism had no place and revolution would be anathema. Or, as one delegate astutely noted: “If the people can pass legislation, they will not revolt against the legislation they themselves can easily change (Joseph 1996, 136 ff.).”
At the end, from his point of view, Marx was right to fear the bourgeoisie as a group. At least until the end of existing socialism, the bourgeois stood united against Marxism. The Liberal-Radical Party in Switzerland, the same people Marx was trying to coopt, demonstrated their anti-communist resolution. From ca. 1880 to ca. 1910, the “Freisinn” ran campaigns with the motto: “red today – dead tomorrow”, or, much clearer in German: “Heute rot – morgen tot.“


Reference
Joseph, D. (ed.) (1996) Rechtsstaat und Klassenjustiz. Texte aus der sozialdemokratischen Neuen Zeit 1883–1914.
Marx, K. (1867) Das Kapital Band 1.
Marx, K. (1875) Critique of the Gotha Programme.
Mark, K. and Engels, F. (1848) The Communist Manifesto.
Rothbard, M. N. (1995). An Austrian Perspective on the History of Economic Thought: The Classical Economists. Elgar.
Schneider, H. (2018). Freisinn – ein libertärer Stosstrupp. Eigentümlich frei, online.


* Henrique Schneider ist Volkswirt, Ressortleiter im Schweizerischen Gewerbeverband und in der Erwachsenenbildung tätig.

Trumps verhängnisvoller Nationalismus

LI-Paper von Richard Ebeling

Die von der US-Regierung eingeschlagene Richtung verspricht dunkle Zeiten für freiheitliche Werte wie Privateigentum und den begrenzten Staat.
Kaum hatte Donald Trump seine Hände von der Bibel genommen, auf welche er den präsidialen Eid geleistet hatte, die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika zu erhalten, zu schützen und zu verteidigen, begann er auch schon damit, die Stossrichtung der US-Regierung radikal und schnell zu transformieren. Bereits hat er eine Reihe von präsidialen Verfügungen unterschrieben. Einige von ihnen, obwohl sie offensichtlich unterschiedliche intrinsische Qualitäten innehaben, sind kennzeichnend für die Prämissen und Prinzipien, die Donald Trump in einer Vielzahl seiner Entscheidungen leiten werden. Die eingeschlagene Richtung lautet: politischer und ökonomischer Nationalismus.
Viele Konservative und einige Liberale preisen die an sich gute Entscheidung Trumps, die Keystone-Pipeline voranzutreiben oder sein Versprechen, die steuerlichen und regulatorischen Belastungen für amerikanische Unternehmen zu reduzieren. Aber die Frage lautet doch: Warum wird er diese wirtschaftspolitischen Änderungen vorschlagen oder umsetzen? Ist der Grund tatsächlich, dass er glaubt, dass die Regierung die Individuen grundsätzlich frei leben lassen sollte und diese ihr persönliches Leben eigenverantwortlich gestalten sollen dürfen?
Dies ist offensichtlich nicht der Fall. Trumps Vision ist nicht jene der individuellen und wirtschaftlichen Freiheit. Es ist vielmehr das kollektivistische Ideal einer politisch bestimmten «nationalen Grösse», zu welchem alle Amerikaner beitragen sollen — wenn nicht freiwillig, dann eben durch die fiskalische und regulatorische Hand des Staates …

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Trumps verhängnisvoller Nationalismus (PDF)

Kleines Lesebuch über den Freihandel

freihandel_ebook_detmar-doering
Kleines Lesebuch über den Freihandel. Ebook von Detmar Doering.

Editor: Detmar Doering,
Vorwort: Otto Graf Lambsdorff

“Der Freihandel, eine der grössten Segnungen, die eine Regierung einem Volk erweisen kann, ist dennoch in fast jedem Lande unpopulär”. Von dem britischen Historiker Thomas Babington Macaulay stammt dieser Stoßseufzer aus dem Jahre 1824. Viele Verfechter des freien Welthandels können ihn nachempfinden. Anscheinend erhalten die Theorien, die den Freihandel stützen, so manche Wahrheit, die tief im menschlichen Geist verwurzelten Vorurteilen und Instinkten widerspricht. Viele Menschen können sich zum Beispiel anscheinend nicht vorstellen, dass ein freier und offener Welthandel den ärmsten und schwächsten Völkern dieser Welt nutzt. Dabei ist in Wirklichkeit gerade der Freihandel das beste Instrument der wirtschaftlichen Entwicklung für die Benachteiligten dieser Welt, das wir kennen. Dort, wo wirtschaftliche Unfreiheit herrscht, ist auch die Armut am größten. Die Wahrheit ist: Kaum eine ökonomische Doktrin ist so sehr durch Theorie und Praxis bestätigt worden wie die des Freihandels …

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