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Rose Wilder Lane – Die Freiheit finden

Beitrag von eigentümlich frei*, 22. Juni 2016

Albanologinnen und Albanologen kennen sie. Die anderen nicht. Dabei war Rose Wilder Lane (1886-1968) für den US-amerikanischen Liberalismus mindestens so wichtig wie Ayn Rand. Denn Wilder Lane kannte die Sowjetunion. Und sie kannte Europa. Und beides gefiel ihr nicht. Das ist vielleicht übertrieben. In Europa lernte sie einen Flecken kennen, der sie überzeugte. Nordalbanien. Sie besuchte die Region nämlich in den 20er Jahren und lernte die Gesellschaft in den Bergen schätzen. Die dortigen Stämme wehrten sich mit allen Mitteln gegen den aufblühenden Zentralstaat. Die Bergstämme kämpften auch gegen andere erfundene Königreiche wie Montenegro und Jugoslawien an. Sie wollten in Ruhe gelassen werden. Das war auch Wilder Lanes Philosophie. „Menschen sollen sich befreien.“

Befreiung der Frau

Gary Stanley BeckerFreilich liebte Wilder Lane viele Aspekte der albanischen Stammesgesellschaft nicht. Doch sie liebte auch viele Aspekte ihrer heimischen Vereinigten Staaten von Amerika nicht. Sie war eine glühende Verfechterin der Gleichberechtigung aller Menschen. Kein Wunder; die Scheidung von ihrem Ehemann erfolgte, weil sie eine viel erfolgreichere Journalistin war als er.
Aber gerade weil sie kompromisslos für Gleichberechtigung eintrat, lehnte sie Feminismus und dergleichen ab. Die politische Auseinandersetzung in den USA der 30er Jahre war nämlich: Sollen spezielle Förderprogramme für Frauen und Schwarze initiiert werden? Sollen diese zwei Gruppen besondere Geldleistungen des Staates erhalten? Roosevelts New Deal hat gerade das gebracht. Wilder Lane war dagegen.
Sie meinte nämlich, es sei keine echte Befreiung, wenn man vom Staat abhängig gemacht würde. „Der Sozialstaat ist viel unterdrückender als der schlimmste Sklavenhalter: Er nimmt einem auch die Würde weg.“ Solange man Menschen in abstrakten Klassen wie weiß, schwarz, Mann, Frau, reich, arm, Masse und so weiter kategorisiert, sind sie nicht frei.

Befreiung der Menschen

Dieser Punkt gilt ganz generell. Sobald sich Menschen vom Staat das Leben vorschreiben lassen, sind sie nicht mehr frei. Wenn man aber zum Bettler gemacht wird, verliert man seine Würde. Mehr noch, man gefährdet alle anderen auch. „Subventionen und Sozialhilfe sind riesige Pyramidenschemen, die den politischen Erfolg eines Menschen auf Kosten der künftigen Generationen sichern.“ Auch hier wird die Kritik am New Deal deutlich.
Ihre Sozialversicherungskarte schickte Wilder Lane zurück. Den Bons für rationierte Lebensmittel – das war in den USA während des Zweiten Weltkriegs und danach normal – verweigerte sie die Annahme. Um die Gründe dieses Ungehorsams zu überprüfen, schickte das FBI sogar einen Polizistin zu Wilder Lane ins Haus. Sie soll den Beamten gefragt haben: „Sind Sie von der Gestapo?“
Für Wilder Lane war es klar: Jede und jeder muss das Leben selbst in die Hand nehmen. Sie trat beispielsweise einer Genossenschaft bei. Die vom Staat rationierten Lebensmittel hatte diese freiwillige Vereinigung im Überfluss. Obschon Wilder Lane eine beliebte – und auch reiche – Romanautorin war, fing sie an, weniger zu arbeiten. Sie wollte nämlich nicht mehr so viel verdienen, um auch weniger Einkommenssteuer zu bezahlen. Sie wollte nämlich nicht für den kriegstreibenden Sozialstaat aufkommen.

Befreiung des Geistes

Die gelernte Telegrafikerin, spätere Journalistin, gefeierte Romanautorin reiste ihr Leben lang. Sie zog durch die USA und wohnte in verschiedenen Staaten. Sie besuchte Europa. Sie diente sogar in der Sowjetunion für das Rote Kreuz. Auch wenn sie immer freiheitlich inspiriert war, wurde sie erst in den 1920ern zur überzeugten Liberalen. Im Jahr 1943 publizierte sie ihr philosophisches Buch „The Discovery of Freedom“. Im gleichen Jahr erschienen Ayn Rands „The Fountainhead“ und Isabel Patersons „The God of the Machine“. Für viele US-amerikanische Liberale – Libertäre, wie sie sich nennen – markiert deswegen das Jahr 1943 die Geburt ihrer Bewegung.
Doch Wilder Lane war alles andere als eine Bücher schreibende, Gemüse pflückende Intellektuelle. Nach dem Zweiten Weltkrieg widmete sie sich ganz der liberalen Bewegung in den USA. Ihre Devise war: „Die USA dürfen nicht sozialistisch werden.“ Sie reiste, hielt Vorträge, baute Personen und Parteien auf. Sie ließ keine Ruhe. Denn von den albanischen Stämmen hatte sie gelernt: Wenn man etwas will, muss man dafür kämpfen; und wenn man es nicht will, auch.

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*: eigentümlich frei (ef) ist eine seit 1998 erscheinende politische Monatsschrift mit zehn Ausgaben pro Jahr.[1] Ihre Positionen bezeichnet Herausgeber und Chefredakteur André F. Lichtschlag als individualistisch, kapitalistisch und libertär. Politikwissenschaftler sehen in der Zeitschrift weltanschauliche und personelle Überschneidungen mit der Neuen Rechten.