Wer hat Angst vor Donald Trump?

DONALD TRUMPS PROGRAMM IST VIELVERSPRECHENDER ALS MAN IHM ZUGESTEHT

Kommentar von Prinz Michael von und zu Liechtenstein*

Mit dem Sieg von Donald Trump ist der Welt für einen Moment die Luft weggeblieben. Die Wenigsten haben damit gerechnet und sind erschrocken ob der Tatsache. In den Wochen vor dem achten November setzte fast alles und jeder auf den Sieg von Hillary Clinton. Insbesondere an den Finanzmärkten hielt man das Szenario Trump weitgehend für unrealistisch. Die Mehrheit glaubte den Wahlprognosen und ging davon aus, dass ein Sieg Trumps üble Folgen für die Finanzmärkte haben würde. Eine Begründung, weshalb ein Sieg Trumps denn so schädlich für die Finanzmärkte wäre, wurde in den wenigsten Fällen geliefert.

Interessanterweise hat das Wahlergebnis die Finanzmärkte dann auch tatsächlich fallen lassen, allerdings extrem kurzfristig und innerhalb eines Tages, als bekannt wurde, dass mit Donald Trump das „Unfassbare“ ins Weisse Haus einziehen wird. Die Finanzmärkte haben sich noch am selben Tag wieder erholt. Die ganzen Mutmassungen vor der Wahl haben sich also nicht bewahrheitet.

Der US-Wahlkampf wurde äusserst emotional geführt und die „Angst vor Trump“ war eines der Kernargumente in der Clinton Kampagne. Betrachtet man die jetzige Situation jedoch nüchtern, so zeigt sich, dass diese Angst nur bedingt begründet ist. Trump scheint seinen umstrittenen verbalen Stil mit dem Umstand, dass er der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sein wird, zunächst relativiert zu haben. Seine provokativen Kampfansagen, wie beispielsweise eine Mauer gegen Mexiko zu bauen oder ein Einreiseverbot für Muslime zu verhängen, hat er nach seiner Wahl bereits relativiert.

Donald Trump scheint berechenbarer zu sein, als viele dachten. Auch gilt es zu berücksichtigen, dass der US-Kongress ein klares Korrektiv zum Präsidenten darstellt. Zwar werden das Repräsentantenhaus und der Senat von den Republikanern beherrscht, das bedeutet aber nicht, dass damit auch alle Ideen des zukünftigen Präsidenten umgesetzt werden. Positiv daran ist, dass durch die republikanische Mehrheit in beiden Häusern die alten Prinzipien der Grand Old Party wieder stärker in den Vordergrund rücken werden, was eine liberale Wirtschaftspolitik bedeutet und eine Aussenpolitik, die auf die Pflege von Verbündeten setzt.

Aus einer geopolitischen, unternehmerischen und auch liberalen Perspektive ist das Programm Trumps aussichtsreicher, als ihm bislang zugestanden wird. Trump will Steuern senken, Infrastrukturprojekte vorantreiben und das verwachsene Regulierungsdickicht durchdringen. Auch in der Aussenpolitik will er wesentlich stärker auf die amerikanischen Verbündeten setzen.

Von Europa fordert Trump, in der Verteidigungspolitik selbstständiger zu werden. Für Europa könnte dies die Chance sein, um unabhängiger zu werden und weltpolitisch wahrnehmbarer auftreten zu können. Und um eine eigene Politik sowohl gegenüber Russland als auch südlich und östlich des Mittelmeers zu bestimmen. Denn die USA waren im Rahmen der NATO bisher zwar stark daran interessiert, dass Europa das Verteidigungsbudget erhöhte, aber an einer gemeinsamen europäischen Verteidigung waren sie weniger interessiert.

Wenn nun Europa durch militärische Zusammenarbeit in Verteidigungsfragen auf Augenhöhe mit den USA reden kann, könnte dies die nordatlantisch enge Bindung von Europa und den USA im positiven Sinne stärken. Zugegeben, das Ganze wird Europa herausfordern, aber manchmal braucht es Forderungen, um Aktionen auszulösen. Diskussionen sind bereits im Gange.

Für die US-Aussenpolitik wäre es zudem zuträglich, eine realistische Aussenpolitik zu führen, die weniger auf „Werte“ basierte Einmischung und mehr auf Realpolitik fokussiert ist. Das Verhältnis zwischen den USA und Russland hat sich in den letzten zehn Jahren stark verschlechtert. Eine US-Aussenpolitik, die nun weniger auf eine Einmischung in die inneren Verhältnisse Russlands ausgerichtet wäre, könnte das Verhältnis zwischen den USA und Russland zumindest sachlicher machen. Russland verfolgt eine rein interessensbasierte Aussen- und Sicherheitspolitik. Dieser sollte mit einer rein interessensbasierten Politik begegnet werden. Im Weiteren fordert Trump Japan und Südkorea dazu auf, ihre Verteidigung weiterzuentwickeln. Dies würde beiden Nationen erlauben, gegenüber China selbstbewusster aufzutreten und ihre Interessen zu wahren.

Auch gibt Trump vor, das amerikanische Regulierungsdickicht durchleuchten zu wollen. Nach einer Zeitphase, in der das Regulierungsdickicht vor sich hin wuchern und Programme zur Kontrolle über die Bürger wie Pilze aus dem Boden schiessen konnten, könnte dies eine Phase zurück zur Normalität einläuten. Und sich auch positiv auf die globalen Rahmenbedingungen auswirken. Auch ist Trumps Ansinnen, verstärkt in Infrastrukturprojekte zu investieren, positiv zu werten. Denn der Nachholbedarf in Infrastrukturbereichen wie Eisenbahn, Verkehrssysteme, Elektrizitätsversorgung, etc. ist zweifelsfrei gross in den USA und solche Investitionen würden wesentlich nachhaltiger zum Wirtschaftswachstum beitragen als billiges Geld.

Trump ist anders und wird den Politikstil mitunter verändern. Er hält nicht viel von „political correctness“. Im Umkehrschluss müsste dies dazu führen, dass Dialoge offener geführt werden können und nicht von Tabus eingeschränkt werden. Trump könnte dazu führen, dass eingetretene politische Pfade verlassen werden und sich Neues entwickelt. Lassen wir uns überraschen und stehen wir den Neuerungen einmal offen gegenüber.


*Prince Michael von und zu Liechtenstein ist Präsident des Stiftungsrates der European Center of Austrian Economics Foundation Vaduz, Gründer und Vorsitzender der Geopolitical Intelligence Services AG Vaduz (www.gisreportsonline.com) und Chairman von Industrie- und Finanzkontor Ets. Vaduz (www.iuf.li).

Rueff Conference Monaco

Réunion de haut niveau des membres du CEPROM | Le Centre d’Études prospectives pour Monaco (CEPROM) a organisé au Musée océanographique une conférence consacrée à la banqueroute de l’État providence à travers le monde. L’événement a été ouvert par S.A.S le Prince Albert II, créateur du CEPROM, et S.A.S. le Prince Michael de Liechtenstein, Président du Centre européen de la Fondation de l’économie autrichienne.

http://www.monacochannel.mc/content/search?subtreeArray=10499&SearchText=Rueff+conference&SearchButton=Recherche

Americans vote for change and for stability

GIS statement by Prince Michael of Liechtenstein

Pence Trump Liechtenstein

The citizens of the United States have cast their votes and given their verdict after an extremely ugly campaign that took a strange turn as early as the primaries. The Democrats started almost immediately with two main candidates, which led to a less-than-impressive campaign for the nomination. The Republicans had many potential standard-bearers, but no favorite. This allowed outsider Donald Trump to win the nomination, even against the party establishment’s fierce opposition.

The electorate found little to like in either candidate – each had just two main points of attraction. For Hillary Clinton, the first was that she represented continuity of the existing political class, appealing to voters afraid of the unknown. For Mr. Trump, it was his status as the outsider, appealing to those who feel left out by system or dissatisfied with the state of politics. The second point, however, was rather negative: each was billed as the lesser of two evils. Most voters said they would cast their ballot for a candidate not because they agreed with his or her policies, but simply because the other candidate would be much worse.

The result was a campaign full of mudslinging. Ms. Clinton was portrayed as corrupt and Mr. Trump as an uncontrollable rogue. From a distance, it looked as if the U.S. was choosing between an unscrupulous insider and a riverboat gambler.

Both took populist positions, a phenomenon that democracies throughout the whole Western world are struggling with – including in the more established parties. So far, fortunately, institutions have been robust enough to hold back the worst consequences of this rise in populism.

Exaggerated reactions

In the end, the winner was Donald Trump. The Republicans retained control of the House of Representatives and the Senate. All of the pre-election prognoses proved drastically wrong.

The harsh anti-Trump reactions both within and without the U.S. are unfair, exaggerated and – especially when it comes to the financial markets – ridiculous. The prophesies of doom and gloom ignore quite a lot of fact.

Taking a dispassionate look at the situation, one sees that the difference between Mr. Trump and Ms. Clinton is mainly one of style. Ms. Clinton holds to the center-leftist line of the Democratic Party establishment, while Mr. Trump represents the voters who oppose that line. But when it came to trade, for example, both offered protectionist policies.

The strategies to prevent Mr. Trump from winning backfired. The arrogant conclusion that mainly uneducated white males would vote for him was plain wrong. Stirring up fear before a vote is usually counterproductive, as was also the case with Brexit. Allegations that Russia supported the Trump campaign by hacking into the Clinton campaign’s e-mail accounts were never proven. Obviously, these accusations did not significantly affect the vote.

Responsibility and cooperation

The result boils down to one fact: voters were turned off by the mudslinging and wanted change. They sent a strong message. However, the vote to keep Republicans majorities in both houses of Congress is a call for a certain degree of stability.

The U.S. government’s executive branch is important, but not all-powerful. It is ensconced in a robust system of governance with sophisticated checks and balances. The Republican majority in the House and Senate will follow a responsible line and are not dependent on the president.

For Donald Trump, the world will also change once he enters the Oval Office in January. The real danger is that the media and political establishments around the world, frustrated by this result, might try to marginalise the democratically elected president of the United States. The American people have made their choice, and the only way to avoid negative results is to accept their decision and find constructive ways to work with Mr. Trump. An outsider needs support to perform his duties successfully, not antagonism.

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Americans vote for change and for stability


*GIS is a global intelligence service providing independent, analytical, fact-based reports from a team of experts around the world. We also provide bespoke geopolitical consultancy services to businesses to support their international investment decisions. Our clients have access to expert insights in the fields of geopolitics, economics, defence, security and energy. Our experts provide scenarios on significant geopolitical events and trends. They use their knowledge to analyse the big picture and provide valuable recommendations of what is likely to happen next, in a way which informs long-term decision-making. Our experts play active roles in top universities, think-tanks, intelligence services, business and as government advisors. They have a unique blend of backgrounds and experience to deliver the narrative and understanding of global developments. They will help you develop a complete understanding of international affairs because they identify the key players, their motivations and what really matters in a changing world. Our experts examine the challenges and opportunities in economies old and new, identify emerging politicians and analyse and appraise new threats in a fast-changing world. They offer new ideas, fresh perspectives and rigorous study.

Call for Papers! Just 6 Days left

Vernon Smith Prize 2016 Call for Papers
Vernon Smith Prize 2016: Direct Democracy versus Representative Democracy …

Call for Papers! Just 6 Days left

The 9th International Vernon Smith Prize for the Advancement of Austrian Economics is an essay competition sponsored and organized by ECAEF European Center of Austrian Economics Foundation, Vaduz (Principality of Liechtenstein). This years’ topic:


Direct Democracy versus Representative Democracy.
Cost and Benefits for the Citizenry!


|- First Prize EUR 4,000 -|

|- Second Prize EUR 3,000 -|

|- Third Prize EUR 2,000 -|

Although, democracy is fundamentally a method for preserving individual liberty and civil rights, this almost narcotic term has become so powerful today that all essential limitations on governmental power are breaking down before it. By deteriorating into a scheme of legitimizing the regime of coalitions of organized interests, representative democracies gradually transform into oligarchies. While it is assumed that governments always have the people’s best interests in mind, for the most part they seem to act in their own behalf. In direct democratic systems, however citizens have more controlling devices at their disposal and can propose, decide, or profoundly modify their governing laws, and even secede from the republic. Are direct democracies more cost effective and beneficial for the citizenry?


Direct Democracy versus Representative Democracy.
Cost and Benefits for the Citizenry!


ECAEF invites papers on this topic which meet the following requirements:

1: Entries may be submitted by individuals of up to 30 years (in 2016).

2: Entries may not exceed 12 pages; 1.5 spacing; left/right margins no less then 1 inch; full bibliography and a 1/2 page summary (abstract) must be included.

3: Entries must be submitted in English in electronic form (PDF) to krl@ecaef.li and must include an abbreviated CV, featuring DoB, education, and current position

4: Entries must be received on or before November 11, 2016.

5. It is mandatory that all prize winners participate in the award ceremony in Vaduz Prizes are not transferable and will be awarded on the basis of originality, grasp of subject, and the logical consistence of the argument.

Essays will be judged by an international jury and the winners will be invited to present their papers at a special event in Vaduz, Principality of Liechtenstein, on February 6, 2017. First Prize €4,000 – Second Prize €3,000 – Third Prize €2,000.

In defense of referenda

GIS statement by Prince Michael of Liechtenstein

Many well-meaning people around the world – especially those in the media and politics – have been shocked by three referenda that have not brought the results they had hoped for. The series started with Brexit. A slight majority in the United Kingdom voted, against the recommendation of their government and advice of European and world leaders, to exit the European Union.

In the second referendum, Hungarians voted to amend their constitution to block EU immigration settlement plans, against some rather strong requests from other European governments. The pressure included threats: Luxembourg Foreign Minister Jean Asselborn said Hungary should be “excluded” from the bloc. The government-sponsored proposal was overwhelmingly accepted by those who voted. However, the turnout of just 40 percent made the result void under Hungary’s constitution.

The third plebiscite resulted in the people of Colombia rejecting – by a tiny majority – a peace agreement that the government negotiated with FARC rebels.

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All three referenda were initiated by governments. The UK government wanted confirmation that the country should remain in the EU, while the Colombian government wanted its peace agreement sanctioned. Both failed.
Hungary’s case was different. The widely desired outcomes were for the proposals from the UK and Colombian governments to be approved, but for the Hungarian government’s proposal to be rejected. Just the contrary took place, although the Hungarian government failed to mobilize enough voters.
This has led many to question both the legitimacy of referenda in democracies and the system of direct democracy as such. Also, doubt has been cast on the people’s judgment when it comes to major issues.
It is true, as critics suggest, that in these three cases the governments’ main motive may have been to transfer responsibility for such decisions onto the people. However, the critics of referenda miss that the idea of direct democracy is not for governments to initiate such votes. Plebiscites usually bring excellent results if they are brought about by groups of concerned citizens. The problem in most Western democracies is that citizens are frustrated – and they are using these votes to voice their dissatisfaction.
A system of strong local autonomy and direct democracy using referenda initiated by citizens brings superior outcomes and normally shows the people’s sound judgment. Obviously, there must be a certain hurdle for such initiatives, such as a petition with a large number of authenticated signatures.
Switzerland has such a system, and it produces plenty of sensible decisions. For example, the Swiss voted by a big majority not to reduce time spent at work. They also rejected an initiative to increase the Swiss National Bank’s mandatory gold reserves.
In the United States, referenda do not play a role at the federal level. This reflects the fear of populism held by some of the framers of the constitution. They are also less necessary, because the main purpose of the constitution was to create a system of checks and balances and to provide for the protection of the freedom of the individual against the state.

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In defense of referenda


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Vera Smith Lutz: Hausfrau, Ökonomin, Freigeist

Vera Smith Lutz; die Hayek-Schülerin fürchtete den Gestaltungsspielraum der Politik … Ein Beitrag von eigentümlich frei*, 24. September 2016

zentralbanken-ueberfluessigIn einem Free-Banking-System überflüssig: Zentralbanken Bildquelle: shutterstock

Friedrich Lutz. Dieser deutsche Ökonom leitete das Schweizerische Institut für Auslandsforschung. Er war Berater des Bundesministeriums für Wirtschaft. Er war Gründer und späterer Präsident der Mont Pelerin Society. Also: Ein bekannter Ökonom von Weltruf. Als er an die Universität Princeton berufen wurde, erkundigte er sich, ob seine Frau dort auch lehren konnte. Die Antwort: Sie durfte nicht einmal das Universitätsgebäude betreten.

Vera Smith Lutz (1912-1976) war nicht irgendjemand. Sie war eine direkte Schülerin von Friedrich August von Hayek in der London School of Economics. Bei ihm erarbeitete sie eine Dissertation im Jahr 1936: „The rationale of central banking“. Mit diesem Werk lieferte sie der modernen „Free Banking“-Bewegung ihre wissenschaftliche Grundlage.

Freie Banken kontra Zentralbanken

„Free Banking“ sieht Banken als ganz normale Unternehmen an. Und wie andere Unternehmen sollen sie lediglich den üblichen Vertragsregelungen unterliegen. Also: keine „Bailouts“, Mindestsicherungen oder garantierte Sparguthaben. Vera zeigte, wie eine solche Ordnung nicht nur effizienter als die granulare Bankenregulierung ist. Sie ist auch viel besser geeignet, die Risiken eines jeden Geldsystems zu verteilen und abzudämpfen.
Eine Konsequenz dieser Sicht ist, jede Bank sei für ihr eigenes Geld zuständig. Der Wettbewerb unter den Banken sei auch einer unter den jeweiligen Bankwährungen. Wie bei den anderen Geschäftszweigen würde das Zusammenspiel der Akteure im Marktprozess entscheiden, was eine gute, zuverlässige Bank und was ein risikoreiches Institut ist.
Eine zweite Konsequenz dieser Sicht ist: Es braucht keine Zentralbank. Das ist nach Vera Lutz ein wichtiger Schritt in Richtung Effizienz. Denn sie zeigt auf, wie Zentralbanken unabhängig von allen Unabhängigkeitsbekundungen vor allem politische Akteure sind. Zentralbanken sind zunächst um das Wohl des Staates bekümmert. Ihre Gewinne werden vom Staat privatisiert, ihre Verluste werden dem Volk überwälzt.

Wissenschaft kontra Diskriminierung

Ihr Zugang zu Princeton wurde nicht wegen des „Free Banking“ untersagt. Als Frau hatte sie da nichts zu wollen, so die damalige Befindlichkeit. Als Schülerin eines sehr obskuren Ökonomen aus Wien und London, Hayek, auch nicht. Dabei war sie kein Leichtgewicht. Denn vor Princeton arbeitete sie als Wissenschaftlerin und für den Völkerbund. Ihre Antwort? Sie setzte ihre wissenschaftliche Karriere fort – außerhalb staatlicher Universitäten.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog das Ehepaar nach Zürich. Für Vera war es selbstverständlich, weiterhin am akademischen Leben teilzuhaben. Zusammen mit ihrem Ehemann schrieb sie Bücher wie „Monetary and Foreign Exchange Policy in ltaly“ (1950) und „The Theory of Investment of the Firm“ (1951). Sie übersetzte auch die Werke Röpkes und anderer ins Englische.
Doch vor allem ihre eigenen Arbeiten sind bemerkenswert. In „Italy, a Study in Economic Development“ (1962) identifizierte sie die italienische Wirtschaftspolitik als schlicht realitätsfremd. Großer Sozialstaat und große Bürokratie führen entweder in den Kommunismus oder ins Chaos, so Lutz. In „Central Planning for the Market Economy: An Analysis of the French Theory and Experience“ (1969) stellt sie klipp und klar fest: „Es gibt nichts, was wir von Frankreich lernen können.“

Abwägung kontra Extremismus

Als Fremde in Zürich traute sich Vera Lutz sogar, zur Einwanderung ausländischer Arbeitskräfte in die Schweiz zu schreiben. Anfangs stand sie der ungebremsten Zuwanderung sehr offen gegenüber. Natürlich. Ökonomin wünscht sich nicht den freien Verkehr von Produktionsfaktoren? Dann erkannte sie ein Problem. Je größer die Nominallohnunterschiede (!) zwischen den angestammten und den zugewanderten Arbeitskräften sind, desto mehr Druck entsteht auf politischer Ebene.
Für Vera Lutz war es dabei unerheblich, ob sich dieser Druck in Fremdenfeindlichkeit oder in Tarifverträgen (in der Schweiz heißen sie Gesamtarbeitsverträge) manifestierte. Sie erkannte in allen Formen des politischen Drucks massive Marktverzerrungen. Also stand sie vor der Frage: Marktverzerrung durch restriktive Zuwanderung oder Marktverzerrung durch politische Antworten auf die Zuwanderung? Sie meinte, die Transaktionskosten einer restriktiven Zuwanderung seien tiefer und rechtssicherer als die Kosten des politischen Drucks. Doch sie stellte auch fest: „Wissen kann ich das nicht. Aber ich fürchte um das Schlimmste, wenn man der Politik zu viel Gestaltungsspielraum gibt.“
Schlechte Bankenregulierung, fehgeleitete Industriepolitik und Verzerrungen des Arbeitsmarktes: Alle Probleme, denen sich Vera Smith Lutz widmete, sind von ungebrochener Aktualität. Auch ihre Antwort ist es: „Man muss die Logik der Freiheit finden – und abwägen.“


eigentümlich frei (ef) ist eine seit 1998 erscheinende politische Monatsschrift mit zehn Ausgaben pro Jahr. Ihre Positionen bezeichnet Herausgeber und Chefredakteur André F. Lichtschlag als individualistisch, kapitalistisch und libertär.

Das Janusgesicht der europäischen Integration

Liberales Institut, Zürich  |  LI-Paper • September 2016

Das Janusgesicht der europäischen Integration

von Pascal Salin 

Es ist unbestritten, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten und Austauschbeziehungen der Menschheit in den vergangenen Jahrzehnten eine Internationalisierung erfahren haben. Die Globalisierung ist zweifellos ein wichtiger Charakterzug unserer Zeit. Sie ist weitgehend das Ergebnis diverser Anstrengungen, den Handel zu liberalisieren – sei es durch den multilateralen Ansatz des GATT und später der WTO, durch bilaterale Liberalisierungsabkommen, die immer häufiger angewandt werden, oder durch regionale Integrationspolitiken, insbesondere in Europa. Darüber hinaus hat auch die technische Entwicklung in den Bereichen Verkehr und Information zur Internationalisierung beigetragen. Nicht immer werden diese wichtigen Veränderungen richtig verstanden und akzeptiert. So betrachten viele in Europa die Globalisierung als schädlich, weil sie aufgrund angeblicher Konkurrenz aus Niedriglohnländern zum Verlust von Arbeitsplätzen in entwickelten Ländern führe, oder auch, weil sie eine „Standardisierung“ der Lebensstile und Kulturen (was manche geradezu eine „Amerikanisierung“ nennen) herbeiführe. Angesichts solcher vermeintlicher Gefahren wird dann bemängelt, dass die Globalisierung der wirtschaftlichen Aktivitäten nicht durch eine „Globalisierung“ der Wirtschaftspolitiken flankiert würde, das heisst durch eine Koordination oder gar eine Harmonisierung dieser Politiken. Doch diese Einschätzung beruht auf einem fundamentalen Irrtum.
Da sich die globale politische Kooperation tatsächlich als schwierig erweist, erscheint die regionale Wirtschaftsintegration gegenüber der Globalisierung vorteilhaft. Auf regionaler Ebene sei es eher möglich, „organisierte Märkte“ (sprich: regulierte Märkte) zu errichten. Erstaunlich ist dabei, dass die meisten Menschen – insbesondere die Politiker – eine äusserst unscharfe Vorstellung davon haben, was eine Integration eigentlich ausmacht. Dennoch wird ihre Umsetzung als absolute Notwendigkeit und einziges Mittel betrachtet, den ökonomischen Herausforderungen unserer Zeit Herr zu werden. Nicht selten dient die europäische Integration den Regierungen auch schlicht als ein Alibi: Einerseits wird behauptet – nach meiner Auffassung zu Unrecht –, dass die Zugehörigkeit zur Eurozone den Ländern verunmögliche, die Geld- oder Wechselkurspolitik zu betreiben, die ihnen eine Lösung ihrer ökonomischen Probleme erlauben würde. Gleichzeitig wird aber andererseits behauptet, dass dieses oder jenes Problem ohne „europäische Antwort“, das heisst ohne die Ausarbeitung von gemeinsamen Politiken und zentralisierten Entscheidungen, nicht gelöst werden könne …

Weiterlesen -> LI-Paper von Pascal Salin (PDF)

The End of Milton Friedman’s Monetarism

by Dr. Emanuele Canegrati and Dr. Keith Weiner*

According to the latest data released by the European Central Bank on September 2, the outstanding amount of the central bank’s outright operations touched nearly €1.3T, with the lion’s share going to the public sector purchase program (nearly €1T). Table 1 shows the outstanding amount for every instrument used by the ECB (source: ECB website).

Instrument:  Reference date – Outstanding amount
Covered bond purchase programme:  2 Sep. 2016 – 16,412 mn
Securities market programme:  2 Sep. 2016 – 108,404 mn
Covered bond purchase programme 2:  2 Sep. 2016 – 7,442 mn
Covered bond purchase programme 3:  2 Sep. 2016 – 190,735 mn
Asset-backed securities purchase programme: 2 Sep. 2016 – 20,142 mn
Public sector purchase programme:  2 Sep. 2016 – 1,001,947 mn
Corporate sector purchase programme:  2 Sep. 2016 – 20,497 mn

In governor Draghi’s view, the biggest injection of euros in the ECB history, associated with the negative interest rate policy undertaken by the central bank, should have brought Eurozone inflation back to the ECB 2% policy target. Many times, Draghi’s rhetoric inflamed investors. “We have shown we are not short on ammunition”, he swore last March, when the ECB cut the deposit rate by 10 basis points to a historic low of -0.4% and stepped up the pace of its quantitative easing program from €60bn to €80bn a month. Results? Quite disappointing.
The latest figures released by Frankfurt showed that the Eurozone inflation rate was only equal to +0.2% in August, unchanged from July and at only 1/10 of ECB target rate. A failure for the central bank. Figure 1 shows the monthly increase of ECB balance sheet (assets for Euro Area) compared to the Eurozone Harmonized Index of Consumer Prices (HICP) over time. Looking at these two trends, one may hardly say that a positive correlation exists.
Let’s consider another example: the quantitative easing program by the U.S. Federal Reserve. Since 2008, there has been a massive increase in the money supply. M0 has increased from about $875B to $4.07T in 2014 (all time high); M1 surged from $1.4T to $3.2T in July 2016 (all time high), or 2X and M2 sky rocked from $7.8T to $12.9 in July 2016 (all time high), or about 1.5X. But prices haven’t followed the same trend. The Bloomberg Commodity Index fell from about 175 to 83 on September 6, while the rate of inflation, as calculated using the Consumer Price Index, published monthly by the Bureau of Labor Statistics, was +0.8% in July 2016 and the average rate for 2015 was a meager +0.1%.
Finally, Japan. Last August Bank of Japan Governor Haruhiko Kuroda stated the bank will approve more quantitative easing or lower negative interest rates “without hesitation,” and that he felt that between quantitative easing and negative interest rates, the bank has an “extremely powerful policy scheme” and “will act decisively as we move on” in order to raise inflation to 2% policy target. And yet, notwithstanding the ¥80T ($733B) in government bond purchases per year, the Japanese inflation rate was -0.4% last July and the Tokyo’s secular decline in prices is far from being abandoned.
This international evidence is useful to demonstrate, amongst other things, the fallacy of the monetarist’s quantitative theory of money, which hypothesizes the existence of a positive (linear) relation between money supply growth and prices. According to this theory, if money supply increases by 1% prices should increase by approximately the same percentage, as monetarists believe that the excess of money supply in the economic system transforms to rising prices. “Inflation is always and everywhere a monetary phenomenon in the sense that it is and can be produced only by a more rapid increase in the quantity of money than in output”, wrote Milton Friedman, one of the biggest promoters of monetarism, in The Counter-Revolution in Monetary Theory (1970).
Contrary to Milton Friedman’s prediction, ECB and FED excessive expansion of the money supply did not drive prices up. Evidence also showed that the current deflationary spiral cannot be attributed to the reverse effect of a failure of central banks to increase the money supply during a liquidity crunch. Would Milton Friedman ever have written his theory in modern times with these data available? We can only wonder. Friedman had insisted upon the strong relationship between changes in the monetary aggregates and movements in the overall level of prices by observing statistics during the heyday of monetarism for many economies and for many time periods. And, for many years, evidence seemed to be by his side. But, after the Great Financial Crisis, the situation and data have changed and Friedman’s theory seems not to hold anymore.
Having not much faith in monetarism, Friederich von Hayek maintained that monetary expansions disrupt the market process, causing resources to be misallocated. It is not difficult to find evidence of Hayek’s prediction in the ECB’s quantitative easing program. The recent commitment by Frankfurt to extend the buying program to corporate bonds generated a rapid increase in the issuance of these securities. In just the month of August, traditionally a very calm one, the total issuance was €49.7B (€833.4B year-to-date). U.S. corporates switched to euro-denominated issuance, with very high-yield issuers amongst the most active in this rush, taking advantage from the higher risk appetite by investors for risky assets. Exactly what von Hayek defined with the term “malinvestments”, or investments undertaken by investors as a consequence of artificially low interest rates decided by central banks. The origin of bubble and financial crisis.


*Dr. Emanuele Canegrati is a PhD at Catholic University of Milan, economist at Department of Treasury, Head Market Analyst at BlackPearlFX and Fellow of the Liechtenstein Academy Foundation.

Dr. Keith Weiner is president of the Gold Standard Institute USA in Phoenix, AZ, and CEO of gold investment company Monetary Metals. He speaks and writes about free markets, money, credit, and gold.

Cheap money policy does not fool citizens

GIS Statement by Prince Michael von Liechtenstein

The socialist idea of a planned economy is gradually being made a reality by the monetary policies of central banks, such as the United States Federal Reserve and the European Central Bank. The idea is also promoted by a considerable number of western economists and politicians. The conventional wisdom within that group is that economies are driven mainly by consumption. They blissfully ignore the importance of investment and savings – even of the kinds that help people set money aside for retirement.
The purported logic behind the banks’ current monetary policy is that extremely low to negative interest rates will discourage savings and boost consumption, fanning economic growth. This is superficial, short-term thinking from ideologically misguided people.
The policy, if successfully applied, would lead to an increase of the indebtedness of households in the affected countries. Indebted peoples tend to be less free than societies with savings, which give individuals freedom and independence. One is tempted to start suspecting that a hidden agenda might play a role here – a politically motivated desire to push private households deeper into debt in order to gain better control of consumption and to be able to centralize investments by institutions. This would amount to a triumph of economic planners over markets.

yellen-draghi-2016

Fortunately, people have not been responding as expected. Citizens understand mathematics and they know that they need a financial cushion in hard times, and for retirement. They are aware that low to negative interest rates are eroding their financial reserves and the value of their nest eggs and retirement entitlements. Those negative effects are exacerbated by planned inflation. Inflation is biting already, but that is obscured by statistics that do not reflect the purchasing structure of a typical middle class household. Rightfully, people worry of being impoverished in their old age.
And they are acting on their concerns. Demonstrably, people in the countries with extremely low to negative interest rates have been saving more. They are bucking the trend that many politicians and central banks are irresponsibly trying to spawn.
The savings rate (the ratio of the disposable income that private households put aside as reserves) increased in Sweden from some 5 percent in 2006 to more than 16 percent in 2016. In Denmark during the same period, it shot up from a negative rate to more than 8 percent, and it has remained stable in Germany at around 10 percent. Even the U.S., normally not a savings champion, has seen a stable savings rate of some 5 percent. Switzerland, on the other hand, long a nation of big savers, increased its savings rate during that decade from about 15 percent to some 20 percent.
A danger exists that once the misguided monetary policy fails, as it must, some of the money-hungry governments will then try to confiscate large chunks of these savings. They also may be wiped out by inflation as soon as the huge money supplies created by central banks hit the economies.

Read the original GIS statement here ->
Cheap money policy does not fool citizens


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Consequences of faulty central bank policies

Essay by Dr. Tillmann C. Lauk; presentated at the ECAEF Workshop, in Bratislava on September 8, 2016 

Since the GFC1 of 2008 all central banks of the Triade are pursuing the same monetary policies. All central banks of the advanced-/over-indebted economies stick to this recipe. The main tools are QE2, ZIRP3 and NIRP4 and possibly in the future „helicopter money“ and a ban of cash. All tools have in common that they are highly repressive, malicious for the economy (mal investments), they stealthy expropriate savers, and massively hurt retirees. What the tool-kit of central banks is targeting at:

• Quantitative Easing means buying assets from the commercial banking system which in return gives cash to the private banking sector. The money required for those purchases is simply „printed out of thin air“.

• 1st Rationale: increase credit to the economy in order to stimulate aggregate demand = what is supposed to spur productive investment and employment.

• 2nd rationale: create a wealth effect through raising asset prices = equities and other (financial) assets.

• 3rd rationale: through this increase of the money supply try to create controlled inflation and to devalue currencies in the hope to stimulate exports.

• 4th rationale: ZIRP or even NIRP aim at (a) bringing down the debt service obligations of the ever increasing sovereign debt and (b) forcing savers to spend.

Now, let’s check whether data support that statement …

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