Hardy Bouillon, Wählerische Selektionen

hardy bouillon wahlerische selektionenNeu erschienen in unserer ECAEF-Buchreihe “Studien zur Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung”: Wählerische Selektionen von Hardy Bouillon.
Das Buch ist eine Einführung in die Theorie negativer Selektion. In ihr geht Hardy Bouillon einer Denkfigur nach, die ihn zu den Hauptvertretern der Austrian School of Economics führt; aber nicht nur zu diesen, sondern auch zu anderen bedeutenden Denkern, die bis auf wenige Ausnahmen dem Klassischen Liberalismus zuzurechnen sind. Auf seinem Weg gelangt er zu einer neuen Interpretation der Selektionsprozesse in Natur und Gesellschaft.

“Wählerische Selektionen” verknüpft ideenhistorische Forschungen mit philosophischen Fragestellungen, welche dem besseren Verständnis des Phänomens der Selektion gelten. Im Mittelpunkt der Abhandlung stehen die Theorie negativer Selektion und deren geistige Vorläufer. Das Buch  ist eine Mischung aus rund 200 Seiten Ideengeschichte, 100 Seiten Spieltheorie und 50 Seiten Handlungstheorie. Die entsprechenden Kapitel erfüllen naturgemäß unterschiedliche Aufgaben.

Zum Inhalt des Buches

Aus Sicht des Autors erfordert die Theorie negativer Selektion die Aufgabe manch lieb gewordener Sichtweisen und den Bruch mit dem gängigen Paradigma zum Verhältnis von Evolution und Selektion. In einer ausführlichen Einleitung (Kapitel 1) werden das Grundthema und die notwendigen begrifflichen Unterscheidungen „angestimmt“ und dargelegt, welche Kriterien die anschließenden Ausflüge in die Ideengeschichte ausgelöst haben (Kapitel 2).
Diese Ausflüge führen in die Ideenwelten von Hume, Darwin, Menger, Böhm-Bawerk, Mises, Popper und Hayek – um die wichtigsten zu nennen. Sie dienen der kritischen Würdigung der Vorläuferideen, die dem Autor den Weg zur Theorie negativer Selektion maßgeblich bahnten. Viele der genannten Autoren bieten teils übereinstimmende bzw. komplementäre und teils konträre Denkfiguren, die im Vorfeld der Theorie negativer Selektion eine Rolle spielen.

So kann man bei Hume eine Reihe von Beispielen ausmachen, die helfen, das rivale Verhältnis handlungskonstitutiver Kategorien zu illustrieren; z.B. das Verhältnis zwischen Beweggründen, Gemüt und Umständen oder das Verhältnis zwischen den Leidenschaften.
Darwin hingegen gibt ein gutes Beispiel für die nach wie vor dominierende Auffassung und deren Nachteile ab, die entstehen, wenn man negative Selektionen als Produkte und nicht als Prozesse versteht. (Im vorliegenden Buch werden negative Selektionen ausschließlich als Prozesse verstanden.) Er gibt aber auch ein gutes Beispiel für die Schwierigkeiten ab, die entstehen, wenn man Selektionen mithilfe der mutmaßlichen Vorteilhaftigkeit des Ergebnisses zu erklären versucht und nicht, wie in diesem Buch, mit der mangelnden Nachteilhaftigkeit.

Der Blick auf Menger und Böhm-Bawerk hat den für die Theorie negativer Selektion nicht hoch genug einzuschätzenden Vorteil, das Prinzip der Konkurrenzgemengelage erläutern zu können, das jeder negativen Selektion zugrunde liegt. Er hat zudem den Vorteil, den Prototypen einer einfachen allgemeinen Handlungstheorie sichtbar werden zu lassen. Der Blick auf Mises macht deutlich, dass es notwendig ist, diesen Prototypen weiterzuentwickeln, lässt aber auch erkennen, dass die von Mises vorgeschlagene Praxeologie nicht jene Weiterentwicklung ist, die im Rahmen der Theorie negativer Selektion geboten zu scheint.

Das Unterkapitel zu Popper zeigt indes, wie Interaktionen zwischen positiven und negativen Selektionen gedacht werden können. Es zeigt auch – wie das Unterkapitel zu Darwin –, dass nach wie vor die Auffassung dominiert, negative Selektionen als Produkte und nicht als Prozesse zu verstehen, und dass die Verwechslung von Prozess und Produkt Anlass zu Fehldeutungen bietet. So wird z.B. in Poppers Wissenschaftstheorie in der Regel ein Paradebeispiel für die Theorie negativer Selektion gesehen. Diese Sichtweise hat ihre Berechtigung, wenn man die Produktperspektive einnimmt und auf die Eliminierung falsifizierter Theorien verweist. Aus der Prozessperspektive heraus betrachtet haben wir es jedoch mit einem Beispiel zu tun, das als eine positive Selektion zu deuten ist. Schließlich ist Poppers Methodologie eine erdachte Entscheidungsmethode mit klar umrissenen Kriterien, die festlegen, wann Theorien als falsifiziert auszusehen sind.

Das Unterkapitel zu Hayek legt offen, dass die Sensory Order als die wichtigste Vorstufe zur Theorie negativer Selektion anzusehen ist. Leider war es Hayek nicht vergönnt, seine darin geäußerte Auffassung weiterzuentwickeln; sehr zu seinem Leidwesen, weil dieselbe, wie er es formulierte, „the foundation of all my thinking“ war. Die Hoffnung, mithilfe seines Freundes Popper, den von beiden übereinstimmend als ihre gemeinsame Grundposition bezeichneten „Negativismus“ vorantreiben zu können, scheiterte an Poppers mangelndem Interesse. Zu diesem Schluss führt das Unterkapitel, das dem Briefwechsel von Popper und Hayek gilt.
Kapitel 3 nimmt eine Sonderrolle ein. Es beschäftigt sich mit dem Zahlenrätsel Sudoku. Insofern betreibt es „Spieltheorie“ im weiten Sinne. Der Grund, warum diesem Zahlenrätsel ein so umfangreiches Kapitel gewidmet wurde, liegt in der Anschaulichkeit, mit der die Charakteristik negativer Selektionen erläutert werden kann. Er liegt ferner in der Unbestechlichkeit, die jeder Methode eigen ist, die das zu Zeigende allein mittels logisch-mathematischer Schlussfolgerungen ableitet.

Kapitel 4 dient dem Ziel, die über die Vorkapitel verteilten Gedankenstränge hinsichtlich einer einfachen allgemeinen Handlungstheorie (EAH) zu bündeln, systematisch zusammenzuführen und anhand eines anschaulichen Beispiels zu illustrieren. Es zeigt, wie das menschliche Handeln im Rahmen der Theorie negativer Selektion als ein Prozess konsekutiver und sequentieller Bedürfnisbefriedigung gedeutet werden kann und wie man die EAH in eine empirisch überprüfbare Theorie überführen kann.

Hardy Bouillon Waehlerische Selektionen

ECAEF Studien zur Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, Bd. 11
Hardy Bouillon
Waehlerische Selektionen
Einführung in die Theorie negativer Selektionen
ISBN: 978-3-942239-19-6
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Wählerische Selektionen –
Leitgedanken des Buches

Der Autor geht – wie Hayek auch – davon aus, dass die wahrnehmbare Welt aus Ereignissen besteht, und nicht aus Objekten; dass wir Phänomene erkennen, und nicht Dinge. Er nimmt – wie Hayek auch – ferner an, dass die Phänomene der Welt das Ergebnis von Selektionsprozessen sind.

Eine zentrale These des Buches ist, dass derlei Selektionsprozesse zwei Grundformen annehmen können: Sie können entweder in Form einer positiven Selektion auftreten oder in der einer negativen Selektion. Das Ziel des Buches ist, diese beiden Formen zu charakterisieren und darzulegen, dass die negative Selektion der positiven Selektion (entwicklungsgeschichtlich) vorausgeht.
Eine einfache Form, die beiden o.g. Grundtypen der Selektion zu unterscheiden, bietet folgende Distinktion: Ein Ereignis erfolgt im Rahmen einer positiven Selektion, wenn es aufgrund der Selektion eintreten muss und aufgrund der Selektionskriterien an keiner anderen Stelle erfolgen kann. Ein Ereignis erfolgt im Rahmen einer negativen Selektion, wenn aufgrund der Selektion irgendein Ereignis eintreten muss und aufgrund der Selektionskriterien kein optionales Ereignis eintreten kann.

Beispiele positiver Selektionen kennen wir zuhauf. Für sie ist typisch, dass es einen oder mehrere Urheber bzw. Ursachen gibt, die konstitutiv sind. Typisch ist auch, dass die Selektionskriterien entweder offenliegen oder zumindest rekonstruierbar oder gar identifizierbar sind. Charakteristisch ist außerdem, dass die Selektionskriterien das Ergebnis eindeutig bestimmen.
Wenn man davon ausgeht, dass alle (wahrnehmbaren) Ereignisse der Welt Ergebnisse von Selektionsprozessen sind, dann ist klar, dass nicht alle Selektionsprozesse im Sinne menschlich intendierter positiver Selektionen ablaufen können; allein schon deshalb nicht, weil viele dieser Prozesse vor unserer Zeit stattgefunden haben.
Zur Charakterisierung aller nicht-intendierten positiven Selektionen verbleiben somit nur zwei Denkfiguren. Die eine geht davon aus, dass jede positive Selektion einen anderen Urheber als den Menschen hat. Sie ist mit den gängigen Schöpfungsideen vereinbar, die eine übernatürliche Instanz als Urheber aller Entwicklungsprozesse vermuten.

Die andere Denkfigur geht davon aus, dass es Selektionsprozesse gibt, die gar keinen schöpferischen Urheber voraussetzen und daher auch nicht „positiv“ zu nennen sind. Sie steht eher der Evolutionstheorie nahe, die keine übernatürliche Instanz als Urheber aller Entwicklungsprozesse vermutet.
In unserem Buch spielt die erste der beiden verbleibenden Denkfiguren keine Rolle; ganz einfach deshalb nicht, weil sie nicht zur Theorie negativer Selektion führt. Bei der zweiten Denkfigur liegen die Dinge anders. Sie führt zu dieser Theorie. Um dies zu tun, muss sie allerdings einige Fragen klären. Sie muss (1) klären, was mit einer negativen Selektion gemeint ist. Sie muss (2) offenlegen, unter welchen Bedingungen ein einzelnes Ereignis im Rahmen einer negativen Selektion zustande kommen kann. Und sie muss (3) zeigen, unter welchen Bedingungen mehrere einzelne bzw. komplexe Ereignisse im Rahmen einer negativen Selektion zustande kommen können.

Der ersten Aufgabe wird man sehr gut mithilfe des Zahlenrätsels „Sudoku“ (Kap. 3) gerecht. Sudoku illustriert gleichermaßen, was es heißt, ein Ereignis (hier eine Ziffer) positiv zu bestimmen, und was es bedeutet, ein Ereignis (eine Ziffer) negativ zu bestimmen. Im einen wie im anderen Fall stellen die Ausgangsziffern die konstitutiven Bedingungen zur Ermittlung weiterer Ziffern dar. Die Art und Weise, in der sie das Ergebnis verursachen, ist jedoch verschieden. Im Falle einer positiven Bestimmung muss die gesuchte Ziffer x Feld y einnehmen, weil sie regelgemäß sonst nirgends hin kann, aber irgendwo hin muss. Im Fall einer negativen Bestimmung muss die gesuchte Ziffer x Feld y einnehmen, weil regelgemäß keine andere optionale Ziffer dort sein kann, aber irgendeine Ziffer dort sein muss.

Auch der dritten Aufgabe wird man mithilfe von Sudoku sehr gut gerecht. Sudoku illustriert sogenannte Dominoeffekte, bei denen eine negative Selektion die Folgeselektion einer vorangegangenen negativen Selektion bildet. Sudoku zeigt, welche Bedingungen solchen Dominoeffekte zuträglich, und welche ihnen abträglich sind.
Sudoku kann zwar auch herangezogen werden, um die zweite Aufgabe in Angriff zu nehmen. Es zeigt z.B., dass ein Ereignis im Rahmen negativer Selektion erst eintritt, wenn ein bestimmter Schwellenwert erreicht wird. Es zeigt auch, dass dieser Schwellenwert von einer oder mehreren Kategorien ausgelöst werden kann und von den Eigenschaften der Kategorien abhängt.
Der eigentliche Auslöser zur Lösung dieser zweiten Aufgabe bildeten allerdings die Ausführungen, die Menger und Böhm-Bawerk vorlegten, um die Grenznutzentheorie zu erklären. Auch die Anschaulichkeit dessen, was Sudoku erklärt, gewinnt, wenn man auf Menger und Böhm-Bawerk zurückgreift. Im Rahmen der Grenznutzlehre zeigt sich, dass die Auswahl einer menschlichen Handlung zur Befriedigung eines gegebenen Bedürfnisses nicht nur von dem Bedürfnis als solchem und dem Rang, den es in der Hierarchie der Bedürfnisse einer Person hat, abhängt, sondern auch von der akuten Intensität, mit der das Bedürfnis zur fraglichen Zeit empfunden wird.

Illustrieren wir das Gesagte an einem einfachen Beispiel. Die Selektion einer Handlung hängt zunächst davon ab, dass die auslösende Ursache einen gewissen Schwellenwert überschritten hat. Dieser Schwellenwert kann mittels einer Dimension erreicht werden. (Wir essen erst, sobald wir hungrig genug sind.) Er kann aber auch erreicht werden, indem zwei oder mehrere Dimensionen zusammenwirken. (Wir essen, auch wenn wir nicht sehr hungrig sind, weil der Kellner uns ein Tablett mit leckeren Canapés anbietet.) Ob mit Erreichen des Schwellenwerts die bedürfnisbefriedigende Handlung vollzogen wird, hängt auch von der Konkurrenz ab, in der die Bedürfnisbefriedigung mit anderen Bedürfnisbefriedigungen steht. (Wir greifen lieber zu einem Gläschen Sekt, das uns die ebenfalls vorbeikommende Kellnerin reicht.)
Im Buch wird dafür plädiert, dem Regelfall einer negativen Selektion mindestens drei Kategorien zu unterstellen. Diese drei Kategorien erhalten die Namen Ordinalität, Intensität und Opportunität. Die Namensgebung wurde in Anlehnung an die Ausgangsüberlegungen der Grenznutzentheorie getroffen. Gemeint sind der ordinale Rang eines Bedürfnisses in der Bedürfnishierarchie, die Intensität, mit der das Bedürfnis akut empfunden wird, und die Gelegenheit (die Opportunität), ein geeignetes Mittel zur Bedürfnisbefriedigung zu haben.

Der Vorschlag zur begrifflichen Verallgemeinerung macht es möglich, (1) den Weg zu einer einfachen allgemeinen Handlungstheorie einzuschlagen. Er eröffnet (2) die Möglichkeit zu einer allgemeineren Darstellung der Theorie negativer Selektion.
(Ad 1) Bezogen auf die im Buch vorgeschlagene einfache allgemeine Handlungstheorie kann man sagen: Eine menschliche Handlung wird ausgewählt, wenn eine menschliche Handlung stattfinden muss, aber keine optionale Handlung infrage kommt. Welche Handlung als Selektionsergebnis infrage kommt, wird durch die Gemengelage der Konkurrenzverhältnisse bestimmt, die innerhalb und zwischen jenen Kategorien bestehen, die als konstitutive Bedingungen der Handlung im Spiel sind. Aufgabe einer empirisch ausgerichteten Handlungstheorie muss es folglich sein, die Gemengelage der Konkurrenzverhältnisse im betrachteten Fall zu identifizieren.
(Ad 2) Mithilfe einer allgemeineren Darstellung der Theorie negativer Selektion kann man die Theorie auch auf andere Anwendungsgebiete auszuweiten, die nichts mit menschlichen Handlungen und deren Auswahl zu tun haben. Die allgemeinere Darstellung besagt, dass für negative Selektionen die Gemengelage der Konkurrenzverhältnisse, die zwischen und in den konstitutiven Kategorien bestehen, entscheidend ist. Diese Gemengelage stellt die Bedingung, ob ein Ereignis im Sinne einer negativen Selektion ausgewählt wird oder nicht.

Bedeutung und Nutzen des Buches

Bedeutung und Nutzen des Buches liegen (1) im wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn. Das gilt sowohl in ideenhistorischer als auch in philosophischer Hinsicht. Bedeutung und Nutzen des Buches liegen (2) im Herausstellen des außergewöhnlichen Beitrages, den Friedrich August von Hayek zur Theorie negativer Selektion geleistet hat. Sie liegen (3) in der systematischen Ausarbeitung einer einfachen allgemeinen Handlungstheorie (EAH), die an Überlegungen zentraler Figuren der Österreichischen Schule der Nationalökonomie anknüpft und über diese hinausführt.
Das Buch wendet sich nicht nur an jene, die Interesse an Hayek und anderen Vertretern der Österreichischen Schule der Nationalökonomie haben, sondern auch an jene, die sich mit Fragen der Genese im allgemeinen und Fragen des Verhältnisses von Evolution und Selektion im Besonderen befassen; sei es im Bereich der reinen Abstraktion oder im Felde passender Anwendungsfragen.
Der Autor geht davon aus, dass seine Thesen für all jene von Interesse sind, die wissen wollen, welchen Beitrag Hayek zur Theorie negativer Selektion geleistet hat. Insofern dürften für Hayek-Forscher sowie alle am Hayekschen Gedankengut Interessierten in erster Linie die Unterkapitel zu Hayek (2.6, 2.7) von Interesse sein. Die Bedeutung Hayeks für die Theorie negativer Selektion erschließt sich allerdings erst, wenn die genannten Unterkapitel im Zusammenhang mit den übrigen Teilen des 2. Kapitels gelesen werden.

Für die Gruppe der an Hayek Interessierten dürfte aber auch die erwähnte einfache allgemeine Handlungstheorie (EAH) von großem Interesse sein. Diese Theorie ist zwar in erster Linie auf die Überlegungen von Menger und Böhm-Bawerk zurückzuführen, und in gewisser Weise auch auf Ideen von Mises und Popper, aber ohne das Zutun Hayeks wäre sie wohl kaum zustande gekommen.
Die einfache allgemeine Handlungstheorie (EAH) besagt, dass alle menschlichen Handlungen konsekutiv und sequentiell ablaufen. D.h., ist eine Handlung im Gange, so ist sie das für eine bestimmte Sequenz und wird, sobald sie abgeschlossen ist, von einer anderen Handlung abgelöst. Dauer und Abfolge der Handlungen werden nach dem Prinzip negativer Selektion bestimmt. D.h., die im Gang befindliche Handlung ist jene, die dasjenige Bedürfnis befriedigt, das in der Konkurrenzgemengelage der handlungskonstitutiven Kategorien vorn liegt. Lässt im Zuge der Befriedigung die Intensität des Bedürfnisses nach, gewinnt eine alternative Bedürfnisbefriedigung im Selektionsprozess die Oberhand und löst damit die Anschlusshandlung aus. Diese wird wiederum solange ausgeführt, bis sie nach dem soeben geschilderten Muster von der nächsten Handlung abgelöst wird.

Vereinfacht gesprochen: Der Mensch handelt, weil er aufgrund seiner Konstitution handeln muss. Welche Handlung er akut ausführt, hängt von dem Bedürfnis ab, das er im Konkurrenzgemenge vorn liegt und von der Handlung befriedigt wird.


*Hardy Bouillon (*1960) studierte Philosophie und Kunstgeschichte in Albuquerque, Oxford und Trier, wo er heute als Außerplanmäßiger Professor lehrt. Gastprofessuren führten ihn nach Duisburg-Essen, Frankfurt, Prag, Salzburg, Wien und Zagreb. Zu seinen wichtigsten Publikationen zählen Ordnung, Evolution und Erkenntnis (1991), Freiheit, Liberalismus und Wohlfahrtsstaat (1997) und Wirtschaft, Ethik und Gerechtigkeit (2010). Bouillon gab zudem zahlreiche Sammelbände heraus, stellte Breviere zu Popper und Kant zusammen und verfasste viele Artikel in führenden Zeitungen, wie etwa FAZ oder NZZ. Hardy Bouillon gilt als einer der führenden liberalen Sozialphilosophen und ist seit 2017 Fellow an der Liechtenstein Academy.