Comeback des Sozialismus: 1989 und die neue Lust am Untergang

Der folgende Beitrag wurde dem Schweizer Wirtschaftsbrief*, Ausgabe 11/2019, entnommen.

DDR 1989 Berlin Mauerfall Schweizer Wirtschaftsbrief 11/2019
DDR 1989: Berlin Mauerfall – Schweizer Wirtschaftsbrief 11/2019

UdSSR, DDR, China, Kuba, Venezuela – alle Sozialismusversuche restlos gescheitert. Alle – ausnahmslos. 100 Millionen Opfer, Gulag, Mauer, Stacheldraht, Umerziehung. Hunger, Mangel, Not. Die Bilanz der Erben von Karl Marx ist verheerend. Aber dennoch feiern die Ideen von Marx und Engels ein Comeback. Warum?

Unter dem Titel «1989 und die neue Lust am Untergang» luden jetzt die Friedrich August von Hayek-Gesellschaft, der Freie Verband deutscher Zahnärzte, das Liberale Institut Schweiz, das Hayek-Institut Wien, die Ludwig-Erhard-Stiftung, das Forum Freie Gesellschaft und das Institut für Unternehmerische Freiheit 30 Jahre nach dem Fall der Mauer zu einer Bestandsaufnahme in Sachen Freiheit ein.

1989 schien der zusammengebrochene Sozialismus grandios gescheitert zu sein. Mancherorts wurde das Ende der Geschichte ausgerufen. Sozialismus und Kommunismus schienen auf der Müllhalde der Geschichte entsorgt zu sein. Und jetzt dieses Comeback in Form von Verstaatlichungsphantasien wie bei Juso-Chef Kevin Kühnert, Hochschulprofessoren wie Piketty, die Spitzensteuersätze von 70% fordern, rote und linke Politiker, die Wohnungseigentümer enteignen wollen. Der Sozialismus sei immer und überall gescheitert. Aber seine Anhänger würden es aus ideologischer Verblendung immer wieder neu versuchen.

Stefan Kooths, der neue Vorsitzende der Hayek-Gesellschaft, die an den liberalen Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften erinnert, der 1944 sein Werk “Der Weg in die Knechtschaft” veröffentlichte (das er den Sozialisten in allen Parteien widmete), sprach über die “Lehren von 1989”. Dazu zeigt er Bilder von verkommenen Häusern und Strassenzügen aus dem Ost-Berlin der Vorwendezeit. Diese Art von “Ruinen schaffen ohne Waffen” könne zurückkommen. Bestes Zitat von Kooths: „Im Kapitalismus kann man mit Kapitalismus-Kritik sogar reich werden. Im Sozialismus landet man mit Sozialismus-Kritik bestenfalls im Gefängnis.“

Unter der Leitung von Roger Köppel, früher Chefredakteur von Springers Welt, bis vor kurzem für die Schweizerische Volkspartei (SVP) Mitglied des Schweizer Parlaments in Bern und Verleger der Weltwoche in Zürich, beleuchteten Rainer Zitelmann, Gerd Habermann und Bertram Steiner alte und Varianten des Antikapitalismus. Zitelmann, Buchautor und Reichtumsforscher, verglich die Einstellung der Bevölkerung zu Reichtum in mehreren Ländern. Die Deutschen blicken offenbar weit verbreitet mit Neid auf die “Reichen”. Ähnliches hatte ja schon der Soziologe Schelsky in der 70er Jahren beschrieben. Dabei wies Zitelmann besonders darauf hin, dass es Anti-Kapitalismus gleichermassen von “rechts” wie von “links” gäbe. Nationalsozialismus ist nun einemal nationaler Sozialismus.

Gerd Habermann von der Hayek-Stiftung analysiert seit vielen Jahren die negativen Folgen des Wohlfahrtstaates, der Erfolgreiche abstrafe und jetzt neue Anhänger suche mit der Forderung nach dem bedingungslosen Grundeinkommen (BGE). Obwohl der Wohlfahrtsstaat längst pleite wäre, würde er noch weiterbestehen, solange die Leistungsträger ihn nanzierten.

Der Zahnarzt Bertram Steiner, der nach der Wende Zahnärzte in der Ex-DDR in die Zukunft der freien Berufe begleitete, schilderte sein damaliges Ungehagen über den Übergang vom planwirtschaftlichen organisaierten Gesundheitswesen der DDR in ein ebenfalls weitgehend planwirtschaftlich organisiertes Gesundheitswesen des Westens …

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Schweizer Wirtschaftsbrief 11/2019 (PDF)


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