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Austrian School of Economics

Hardy Bouillon, Wählerische Selektionen

hardy bouillon wahlerische selektionenNeu erschienen in unserer ECAEF-Buchreihe “Studien zur Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung”: Wählerische Selektionen von Hardy Bouillon.
Das Buch ist eine Einführung in die Theorie negativer Selektion. In ihr geht Hardy Bouillon einer Denkfigur nach, die ihn zu den Hauptvertretern der Austrian School of Economics führt; aber nicht nur zu diesen, sondern auch zu anderen bedeutenden Denkern, die bis auf wenige Ausnahmen dem Klassischen Liberalismus zuzurechnen sind. Auf seinem Weg gelangt er zu einer neuen Interpretation der Selektionsprozesse in Natur und Gesellschaft.

“Wählerische Selektionen” verknüpft ideenhistorische Forschungen mit philosophischen Fragestellungen, welche dem besseren Verständnis des Phänomens der Selektion gelten. Im Mittelpunkt der Abhandlung stehen die Theorie negativer Selektion und deren geistige Vorläufer. Das Buch  ist eine Mischung aus rund 200 Seiten Ideengeschichte, 100 Seiten Spieltheorie und 50 Seiten Handlungstheorie. Die entsprechenden Kapitel erfüllen naturgemäß unterschiedliche Aufgaben.

Zum Inhalt des Buches

Aus Sicht des Autors erfordert die Theorie negativer Selektion die Aufgabe manch lieb gewordener Sichtweisen und den Bruch mit dem gängigen Paradigma zum Verhältnis von Evolution und Selektion. In einer ausführlichen Einleitung (Kapitel 1) werden das Grundthema und die notwendigen begrifflichen Unterscheidungen „angestimmt“ und dargelegt, welche Kriterien die anschließenden Ausflüge in die Ideengeschichte ausgelöst haben (Kapitel 2).
Diese Ausflüge führen in die Ideenwelten von Hume, Darwin, Menger, Böhm-Bawerk, Mises, Popper und Hayek – um die wichtigsten zu nennen. Sie dienen der kritischen Würdigung der Vorläuferideen, die dem Autor den Weg zur Theorie negativer Selektion maßgeblich bahnten. Viele der genannten Autoren bieten teils übereinstimmende bzw. komplementäre und teils konträre Denkfiguren, die im Vorfeld der Theorie negativer Selektion eine Rolle spielen.

So kann man bei Hume eine Reihe von Beispielen ausmachen, die helfen, das rivale Verhältnis handlungskonstitutiver Kategorien zu illustrieren; z.B. das Verhältnis zwischen Beweggründen, Gemüt und Umständen oder das Verhältnis zwischen den Leidenschaften.
Darwin hingegen gibt ein gutes Beispiel für die nach wie vor dominierende Auffassung und deren Nachteile ab, die entstehen, wenn man negative Selektionen als Produkte und nicht als Prozesse versteht. (Im vorliegenden Buch werden negative Selektionen ausschließlich als Prozesse verstanden.) Er gibt aber auch ein gutes Beispiel für die Schwierigkeiten ab, die entstehen, wenn man Selektionen mithilfe der mutmaßlichen Vorteilhaftigkeit des Ergebnisses zu erklären versucht und nicht, wie in diesem Buch, mit der mangelnden Nachteilhaftigkeit.

Der Blick auf Menger und Böhm-Bawerk hat den für die Theorie negativer Selektion nicht hoch genug einzuschätzenden Vorteil, das Prinzip der Konkurrenzgemengelage erläutern zu können, das jeder negativen Selektion zugrunde liegt. Er hat zudem den Vorteil, den Prototypen einer einfachen allgemeinen Handlungstheorie sichtbar werden zu lassen. Der Blick auf Mises macht deutlich, dass es notwendig ist, diesen Prototypen weiterzuentwickeln, lässt aber auch erkennen, dass die von Mises vorgeschlagene Praxeologie nicht jene Weiterentwicklung ist, die im Rahmen der Theorie negativer Selektion geboten zu scheint.

Das Unterkapitel zu Popper zeigt indes, wie Interaktionen zwischen positiven und negativen Selektionen gedacht werden können. Es zeigt auch – wie das Unterkapitel zu Darwin –, dass nach wie vor die Auffassung dominiert, negative Selektionen als Produkte und nicht als Prozesse zu verstehen, und dass die Verwechslung von Prozess und Produkt Anlass zu Fehldeutungen bietet. So wird z.B. in Poppers Wissenschaftstheorie in der Regel ein Paradebeispiel für die Theorie negativer Selektion gesehen. Diese Sichtweise hat ihre Berechtigung, wenn man die Produktperspektive einnimmt und auf die Eliminierung falsifizierter Theorien verweist. Aus der Prozessperspektive heraus betrachtet haben wir es jedoch mit einem Beispiel zu tun, das als eine positive Selektion zu deuten ist. Schließlich ist Poppers Methodologie eine erdachte Entscheidungsmethode mit klar umrissenen Kriterien, die festlegen, wann Theorien als falsifiziert auszusehen sind.

Das Unterkapitel zu Hayek legt offen, dass die Sensory Order als die wichtigste Vorstufe zur Theorie negativer Selektion anzusehen ist. Leider war es Hayek nicht vergönnt, seine darin geäußerte Auffassung weiterzuentwickeln; sehr zu seinem Leidwesen, weil dieselbe, wie er es formulierte, „the foundation of all my thinking“ war. Die Hoffnung, mithilfe seines Freundes Popper, den von beiden übereinstimmend als ihre gemeinsame Grundposition bezeichneten „Negativismus“ vorantreiben zu können, scheiterte an Poppers mangelndem Interesse. Zu diesem Schluss führt das Unterkapitel, das dem Briefwechsel von Popper und Hayek gilt.
Kapitel 3 nimmt eine Sonderrolle ein. Es beschäftigt sich mit dem Zahlenrätsel Sudoku. Insofern betreibt es „Spieltheorie“ im weiten Sinne. Der Grund, warum diesem Zahlenrätsel ein so umfangreiches Kapitel gewidmet wurde, liegt in der Anschaulichkeit, mit der die Charakteristik negativer Selektionen erläutert werden kann. Er liegt ferner in der Unbestechlichkeit, die jeder Methode eigen ist, die das zu Zeigende allein mittels logisch-mathematischer Schlussfolgerungen ableitet.

Kapitel 4 dient dem Ziel, die über die Vorkapitel verteilten Gedankenstränge hinsichtlich einer einfachen allgemeinen Handlungstheorie (EAH) zu bündeln, systematisch zusammenzuführen und anhand eines anschaulichen Beispiels zu illustrieren. Es zeigt, wie das menschliche Handeln im Rahmen der Theorie negativer Selektion als ein Prozess konsekutiver und sequentieller Bedürfnisbefriedigung gedeutet werden kann und wie man die EAH in eine empirisch überprüfbare Theorie überführen kann.

Hardy Bouillon Waehlerische Selektionen

ECAEF Studien zur Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, Bd. 11
Hardy Bouillon
Waehlerische Selektionen
Einführung in die Theorie negativer Selektionen
ISBN: 978-3-942239-19-6
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Wählerische Selektionen –
Leitgedanken des Buches

Der Autor geht – wie Hayek auch – davon aus, dass die wahrnehmbare Welt aus Ereignissen besteht, und nicht aus Objekten; dass wir Phänomene erkennen, und nicht Dinge. Er nimmt – wie Hayek auch – ferner an, dass die Phänomene der Welt das Ergebnis von Selektionsprozessen sind.

Eine zentrale These des Buches ist, dass derlei Selektionsprozesse zwei Grundformen annehmen können: Sie können entweder in Form einer positiven Selektion auftreten oder in der einer negativen Selektion. Das Ziel des Buches ist, diese beiden Formen zu charakterisieren und darzulegen, dass die negative Selektion der positiven Selektion (entwicklungsgeschichtlich) vorausgeht.
Eine einfache Form, die beiden o.g. Grundtypen der Selektion zu unterscheiden, bietet folgende Distinktion: Ein Ereignis erfolgt im Rahmen einer positiven Selektion, wenn es aufgrund der Selektion eintreten muss und aufgrund der Selektionskriterien an keiner anderen Stelle erfolgen kann. Ein Ereignis erfolgt im Rahmen einer negativen Selektion, wenn aufgrund der Selektion irgendein Ereignis eintreten muss und aufgrund der Selektionskriterien kein optionales Ereignis eintreten kann.

Beispiele positiver Selektionen kennen wir zuhauf. Für sie ist typisch, dass es einen oder mehrere Urheber bzw. Ursachen gibt, die konstitutiv sind. Typisch ist auch, dass die Selektionskriterien entweder offenliegen oder zumindest rekonstruierbar oder gar identifizierbar sind. Charakteristisch ist außerdem, dass die Selektionskriterien das Ergebnis eindeutig bestimmen.
Wenn man davon ausgeht, dass alle (wahrnehmbaren) Ereignisse der Welt Ergebnisse von Selektionsprozessen sind, dann ist klar, dass nicht alle Selektionsprozesse im Sinne menschlich intendierter positiver Selektionen ablaufen können; allein schon deshalb nicht, weil viele dieser Prozesse vor unserer Zeit stattgefunden haben.
Zur Charakterisierung aller nicht-intendierten positiven Selektionen verbleiben somit nur zwei Denkfiguren. Die eine geht davon aus, dass jede positive Selektion einen anderen Urheber als den Menschen hat. Sie ist mit den gängigen Schöpfungsideen vereinbar, die eine übernatürliche Instanz als Urheber aller Entwicklungsprozesse vermuten.

Die andere Denkfigur geht davon aus, dass es Selektionsprozesse gibt, die gar keinen schöpferischen Urheber voraussetzen und daher auch nicht „positiv“ zu nennen sind. Sie steht eher der Evolutionstheorie nahe, die keine übernatürliche Instanz als Urheber aller Entwicklungsprozesse vermutet.
In unserem Buch spielt die erste der beiden verbleibenden Denkfiguren keine Rolle; ganz einfach deshalb nicht, weil sie nicht zur Theorie negativer Selektion führt. Bei der zweiten Denkfigur liegen die Dinge anders. Sie führt zu dieser Theorie. Um dies zu tun, muss sie allerdings einige Fragen klären. Sie muss (1) klären, was mit einer negativen Selektion gemeint ist. Sie muss (2) offenlegen, unter welchen Bedingungen ein einzelnes Ereignis im Rahmen einer negativen Selektion zustande kommen kann. Und sie muss (3) zeigen, unter welchen Bedingungen mehrere einzelne bzw. komplexe Ereignisse im Rahmen einer negativen Selektion zustande kommen können.

Der ersten Aufgabe wird man sehr gut mithilfe des Zahlenrätsels „Sudoku“ (Kap. 3) gerecht. Sudoku illustriert gleichermaßen, was es heißt, ein Ereignis (hier eine Ziffer) positiv zu bestimmen, und was es bedeutet, ein Ereignis (eine Ziffer) negativ zu bestimmen. Im einen wie im anderen Fall stellen die Ausgangsziffern die konstitutiven Bedingungen zur Ermittlung weiterer Ziffern dar. Die Art und Weise, in der sie das Ergebnis verursachen, ist jedoch verschieden. Im Falle einer positiven Bestimmung muss die gesuchte Ziffer x Feld y einnehmen, weil sie regelgemäß sonst nirgends hin kann, aber irgendwo hin muss. Im Fall einer negativen Bestimmung muss die gesuchte Ziffer x Feld y einnehmen, weil regelgemäß keine andere optionale Ziffer dort sein kann, aber irgendeine Ziffer dort sein muss.

Auch der dritten Aufgabe wird man mithilfe von Sudoku sehr gut gerecht. Sudoku illustriert sogenannte Dominoeffekte, bei denen eine negative Selektion die Folgeselektion einer vorangegangenen negativen Selektion bildet. Sudoku zeigt, welche Bedingungen solchen Dominoeffekte zuträglich, und welche ihnen abträglich sind.
Sudoku kann zwar auch herangezogen werden, um die zweite Aufgabe in Angriff zu nehmen. Es zeigt z.B., dass ein Ereignis im Rahmen negativer Selektion erst eintritt, wenn ein bestimmter Schwellenwert erreicht wird. Es zeigt auch, dass dieser Schwellenwert von einer oder mehreren Kategorien ausgelöst werden kann und von den Eigenschaften der Kategorien abhängt.
Der eigentliche Auslöser zur Lösung dieser zweiten Aufgabe bildeten allerdings die Ausführungen, die Menger und Böhm-Bawerk vorlegten, um die Grenznutzentheorie zu erklären. Auch die Anschaulichkeit dessen, was Sudoku erklärt, gewinnt, wenn man auf Menger und Böhm-Bawerk zurückgreift. Im Rahmen der Grenznutzlehre zeigt sich, dass die Auswahl einer menschlichen Handlung zur Befriedigung eines gegebenen Bedürfnisses nicht nur von dem Bedürfnis als solchem und dem Rang, den es in der Hierarchie der Bedürfnisse einer Person hat, abhängt, sondern auch von der akuten Intensität, mit der das Bedürfnis zur fraglichen Zeit empfunden wird.

Illustrieren wir das Gesagte an einem einfachen Beispiel. Die Selektion einer Handlung hängt zunächst davon ab, dass die auslösende Ursache einen gewissen Schwellenwert überschritten hat. Dieser Schwellenwert kann mittels einer Dimension erreicht werden. (Wir essen erst, sobald wir hungrig genug sind.) Er kann aber auch erreicht werden, indem zwei oder mehrere Dimensionen zusammenwirken. (Wir essen, auch wenn wir nicht sehr hungrig sind, weil der Kellner uns ein Tablett mit leckeren Canapés anbietet.) Ob mit Erreichen des Schwellenwerts die bedürfnisbefriedigende Handlung vollzogen wird, hängt auch von der Konkurrenz ab, in der die Bedürfnisbefriedigung mit anderen Bedürfnisbefriedigungen steht. (Wir greifen lieber zu einem Gläschen Sekt, das uns die ebenfalls vorbeikommende Kellnerin reicht.)
Im Buch wird dafür plädiert, dem Regelfall einer negativen Selektion mindestens drei Kategorien zu unterstellen. Diese drei Kategorien erhalten die Namen Ordinalität, Intensität und Opportunität. Die Namensgebung wurde in Anlehnung an die Ausgangsüberlegungen der Grenznutzentheorie getroffen. Gemeint sind der ordinale Rang eines Bedürfnisses in der Bedürfnishierarchie, die Intensität, mit der das Bedürfnis akut empfunden wird, und die Gelegenheit (die Opportunität), ein geeignetes Mittel zur Bedürfnisbefriedigung zu haben.

Der Vorschlag zur begrifflichen Verallgemeinerung macht es möglich, (1) den Weg zu einer einfachen allgemeinen Handlungstheorie einzuschlagen. Er eröffnet (2) die Möglichkeit zu einer allgemeineren Darstellung der Theorie negativer Selektion.
(Ad 1) Bezogen auf die im Buch vorgeschlagene einfache allgemeine Handlungstheorie kann man sagen: Eine menschliche Handlung wird ausgewählt, wenn eine menschliche Handlung stattfinden muss, aber keine optionale Handlung infrage kommt. Welche Handlung als Selektionsergebnis infrage kommt, wird durch die Gemengelage der Konkurrenzverhältnisse bestimmt, die innerhalb und zwischen jenen Kategorien bestehen, die als konstitutive Bedingungen der Handlung im Spiel sind. Aufgabe einer empirisch ausgerichteten Handlungstheorie muss es folglich sein, die Gemengelage der Konkurrenzverhältnisse im betrachteten Fall zu identifizieren.
(Ad 2) Mithilfe einer allgemeineren Darstellung der Theorie negativer Selektion kann man die Theorie auch auf andere Anwendungsgebiete auszuweiten, die nichts mit menschlichen Handlungen und deren Auswahl zu tun haben. Die allgemeinere Darstellung besagt, dass für negative Selektionen die Gemengelage der Konkurrenzverhältnisse, die zwischen und in den konstitutiven Kategorien bestehen, entscheidend ist. Diese Gemengelage stellt die Bedingung, ob ein Ereignis im Sinne einer negativen Selektion ausgewählt wird oder nicht.

Bedeutung und Nutzen des Buches

Bedeutung und Nutzen des Buches liegen (1) im wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn. Das gilt sowohl in ideenhistorischer als auch in philosophischer Hinsicht. Bedeutung und Nutzen des Buches liegen (2) im Herausstellen des außergewöhnlichen Beitrages, den Friedrich August von Hayek zur Theorie negativer Selektion geleistet hat. Sie liegen (3) in der systematischen Ausarbeitung einer einfachen allgemeinen Handlungstheorie (EAH), die an Überlegungen zentraler Figuren der Österreichischen Schule der Nationalökonomie anknüpft und über diese hinausführt.
Das Buch wendet sich nicht nur an jene, die Interesse an Hayek und anderen Vertretern der Österreichischen Schule der Nationalökonomie haben, sondern auch an jene, die sich mit Fragen der Genese im allgemeinen und Fragen des Verhältnisses von Evolution und Selektion im Besonderen befassen; sei es im Bereich der reinen Abstraktion oder im Felde passender Anwendungsfragen.
Der Autor geht davon aus, dass seine Thesen für all jene von Interesse sind, die wissen wollen, welchen Beitrag Hayek zur Theorie negativer Selektion geleistet hat. Insofern dürften für Hayek-Forscher sowie alle am Hayekschen Gedankengut Interessierten in erster Linie die Unterkapitel zu Hayek (2.6, 2.7) von Interesse sein. Die Bedeutung Hayeks für die Theorie negativer Selektion erschließt sich allerdings erst, wenn die genannten Unterkapitel im Zusammenhang mit den übrigen Teilen des 2. Kapitels gelesen werden.

Für die Gruppe der an Hayek Interessierten dürfte aber auch die erwähnte einfache allgemeine Handlungstheorie (EAH) von großem Interesse sein. Diese Theorie ist zwar in erster Linie auf die Überlegungen von Menger und Böhm-Bawerk zurückzuführen, und in gewisser Weise auch auf Ideen von Mises und Popper, aber ohne das Zutun Hayeks wäre sie wohl kaum zustande gekommen.
Die einfache allgemeine Handlungstheorie (EAH) besagt, dass alle menschlichen Handlungen konsekutiv und sequentiell ablaufen. D.h., ist eine Handlung im Gange, so ist sie das für eine bestimmte Sequenz und wird, sobald sie abgeschlossen ist, von einer anderen Handlung abgelöst. Dauer und Abfolge der Handlungen werden nach dem Prinzip negativer Selektion bestimmt. D.h., die im Gang befindliche Handlung ist jene, die dasjenige Bedürfnis befriedigt, das in der Konkurrenzgemengelage der handlungskonstitutiven Kategorien vorn liegt. Lässt im Zuge der Befriedigung die Intensität des Bedürfnisses nach, gewinnt eine alternative Bedürfnisbefriedigung im Selektionsprozess die Oberhand und löst damit die Anschlusshandlung aus. Diese wird wiederum solange ausgeführt, bis sie nach dem soeben geschilderten Muster von der nächsten Handlung abgelöst wird.

Vereinfacht gesprochen: Der Mensch handelt, weil er aufgrund seiner Konstitution handeln muss. Welche Handlung er akut ausführt, hängt von dem Bedürfnis ab, das er im Konkurrenzgemenge vorn liegt und von der Handlung befriedigt wird.


*Hardy Bouillon (*1960) studierte Philosophie und Kunstgeschichte in Albuquerque, Oxford und Trier, wo er heute als Außerplanmäßiger Professor lehrt. Gastprofessuren führten ihn nach Duisburg-Essen, Frankfurt, Prag, Salzburg, Wien und Zagreb. Zu seinen wichtigsten Publikationen zählen Ordnung, Evolution und Erkenntnis (1991), Freiheit, Liberalismus und Wohlfahrtsstaat (1997) und Wirtschaft, Ethik und Gerechtigkeit (2010). Bouillon gab zudem zahlreiche Sammelbände heraus, stellte Breviere zu Popper und Kant zusammen und verfasste viele Artikel in führenden Zeitungen, wie etwa FAZ oder NZZ. Hardy Bouillon gilt als einer der führenden liberalen Sozialphilosophen und ist seit 2017 Fellow an der Liechtenstein Academy.

Wer traut sich, Marx endlich vom Sockel zu stoßen?

von Karl-Peter Schwarz,
erstmals erschienen in Die Presse, 3. Mai 2018

In Wien gibt es immer noch einen Karl-Marx-Hof. Aus Respekt vor den hundert Millionen Opfern des Marxismus sollte er in Böhm-Bawerk-Hof umbenannt werden.

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Erinnern Sie sich an Yannis Varoufakis, den exzentrischen griechischen Marxisten, der 2015 die Verhandlungen mit den Euro-Finanzministern aufmischte? Varoufakis hatte leider recht, als er prophezeite, dass die Griechen ihre Schulden niemals begleichen würden. Im Vorwort zu einer eben erschienenen englischen Ausgabe des “Manifests der kommunistischen Partei” (1848) stellte er jetzt fest, dass zwar die kommunistischen Parteien verschwunden seien, aber nicht der „Geist des Kommunismus”. Und auch damit hat er leider recht.

Es reicht, einen Blick auf die Marx-Würdigungen zu werfen, die im Vorfeld seines 200. Geburtstags (5. Mai 1818) erschienen sind. Die New York Times, die zu einer Art US-Prawda verkommen ist, entblödete sich nicht, ihm einen Kommentar unter dem Titel „Happy Birthday, Karl Marx. You were right!“ zu widmen. Was auch immer der reale Sozialismus in seinem Namen angerichtet hat – mehr als hundert Millionen Tote, Kriege und Bürgerkriege, Genozide, ökonomische, soziale und kulturelle Verwüstungen – für all das könne dieser große Philosoph, Ökonom und Menschenfreund nicht verantwortlich gemacht werden. Ganz nach dem Motto: Er hatte ja so recht, aber leider wurden seine Ideen bisher so schlecht umgesetzt.

Das Problem beginnt damit, dass seine Kapitalismus-Diagnose auf falschen Voraussetzungen beruht. Sie steht und fällt mit einer Wertlehre, der zufolge der Tauschwert einer Ware von der abstrakten Arbeit bestimmt wird, die dafür aufgewendet wurde. Die logische Inkonsistenz dieser Theorie wurde vor mehr als 120 Jahren von Eugen von Böhm-Bawerk, einem der Väter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, hieb- und stichfest nachgewiesen („Zum Abschluss des Marxschen Systems“, 1896). Nicht die Aneignung eines fiktiven Mehrwerts der Lohnarbeit durch die Kapitalisten schafft Kapital, wie Marx behauptete, sondern die subjektive Wahl der Marktteilnehmer, weniger zu konsumieren und mehr zu sparen. Die Arbeiterklasse ist entgegen seinen Erwartungen nicht nur nicht verelendet, sondern es geht ihr besser als je zuvor. Nichts liegt ihr ferner, als eine Revolution anzuzetteln. Der Kapitalismus scheitert nicht an seinen Widersprüchen, sondern erfreut sich bester Gesundheit und erzeugt, wenn man ihn nur lässt, Arbeit und Wohlstand für alle, gerade auch in der angeblich ausgebeuteten Dritten Welt.

Marx war ein durch und durch totalitärer Denker. Seine Rezepte sind kriminell. Der Kommunismus, der es irgendwann allen ermöglichen würde, „heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben“, setzt nämlich die „Diktatur des Proletariats“ voraus, einen totalen Staat, der „gewaltsam die alten Produktionsverhältnisse aufhebt“ und die bürgerliche Ordnung vernichtet, einschließlich der bürgerlichen Freiheiten. Marx erwartete sich von der Diktatur des Proletariats eine gewaltige Steigerung des Wohlstands und in der Folge ein allmähliches Absterben des Staates bis hin zur klassenlosen Gesellschaft. Tatsächlich versagte bisher jedes sozialistische Regime schon daran, die Bevölkerung ausreichend mit den nötigsten Konsumgütern zu versorgen, weil eine ökonomische Nutzung der Ressourcen die Preisbildung erfordert, die die Planwirtschaft außer Kraft setzt. Venezuela schafft es nicht einmal mehr, Klopapier herzustellen. Nordkorea ist ein riesiges Arbeitslager. Die verelendeten Massen werden mit Gewalt niedergehalten. Der Staat stirbt nicht ab, er wird immer brutaler.

In Trier wird am 5. Mai eine Marxstatue enthüllt, ein Geschenk aus China. Kommissionspräsident Juncker will Marx in seiner Geburtsstadt würdigen, weil er die Geschichte „auf die eine oder andere Weise geprägt hat“. Das hat er gewiss. Wie Lenin, Stalin, Mao und alle anderen kommunistischen Massenmörder, aber natürlich auch Adolf Hitler.

Why ‘GMO’ is a meaningless term and how to fix that

By Henry I. Miller* and Dr. Frank Young**
Fox News -> Opinions, March 29, 2018

There’s a saying in French, plus ça change, plus c’est la même chose, the more things change, the more they stay the same. We were reminded of that on the 30th anniversary of an op-ed about genetic engineering that we published in the Wall Street Journal when one of us (Dr. Young) headed the U.S. Food & Drug Administration and the other (Dr. Miller) was his special assistant. The article began this way:

Defining the terms “biotechnology” and “genetic engineering” isn’t an easy task, since the terms don’t represent natural groupings of processes or products. They connote something different to individual commentators, journalists, organizations, congressional staffers and members of the public. The terms are ambiguous, the source of much confusion and little advantage, and we would do well to return to more specific and descriptive terms.

Why GMO is a meaningless term and how to fix that

Those vague, problematic terms have now morphed into “genetic modification” and “genetically modified organisms,” or “GMOs,” but our observations remain equally valid. Imprecise, confusing terminology still leads to fuzzy thinking about alterations of the genomes of plants, animals and microorganisms. And that has given rise to unwarranted, draconian regulation of this non-category that has been costly in terms of foregone advances in many sectors of R&D worldwide …

Read the full article here ->
Why GMO is a meaningless term


* Henry I. Miller, a physician, molecular biologist and former flu virus researcher, is the Robert Wesson fellow in scientific philosophy and public policy at Stanford University’s Hoover Institution. He was the founding director of the Food and Drug Administration’s Office of Biotechnology. Twitter: @henryimiller

** Dr. Frank Young, a physician and molecular biologist, has held a number of senior academic and government positions; he headed the FDA from 1984 to 1989.”

Is the world safe from major war?

GIS Statement by Prince Michael of Liechtenstein

The Munich Security Conference (MSC) stands among the world’s oldest and most important fora for security discussion, with the attendance of top-level decision makers from key countries around the globe, nongovernment organizations, industry, academia and media. The latest edition of the MSC was gloomy, mirroring the current international situation.

gis world safe major war

The February 2018 conference, named “To the Brink and Back,” brought to the fore irreconcilable differences among the world powers. Every discussion pointed to further conflict. Leaders hurled accusations at each other in the most aggressive way. They all did it: Americans and Russians, Israelis and Iranians, to name just a few. In the past, the participants at least pretended that the world might become a safer place as a result of their efforts. In 2018, bad news prevailed.

Overwhelmed leaders

The MSC head, Ambassador Wolfgang Ischinger, observed in his concluding remarks that while some great ideas, good insights, and bold visions had been presented during the event’s two and a half days, not enough “concrete steps” to “implement good visions” and “prevent the bad perspectives” were being taken by world leaders. Coming from one of the world’s most experienced diplomats, this was an alarming observation.

Why is such darkness setting around us?

Surely, there are positive developments in today’s world. Great strides have been made in eradicating extreme poverty and hunger, especially in Asia and Latin America. Illiteracy, holding back half of the global population only 50 years ago, today stands at some 15 percent. This enormous progress has been achieved through entrepreneurship, technological innovation, higher productivity, market economies and global trade.

And yet, these benevolent mechanisms are increasingly under attack from politicians and special interest groups. Policies are evolving in ways that are detrimental to further development. The old populist canard of a “zero-sum game” is again gaining traction with claims that one person’s gain must be someone else’s loss. The possibility that everybody gains from technological progress, innovation and higher productivity is ignored. The purported solution – a remedy which failed repeatedly in the past – is to fight poverty and economic inequality with government-enforced redistribution.

Assault on trade

The rising wave of protectionism is curbing trade, but the even worse consequence hides in limiting competition, which leads to lower productivity and less incentive to innovate. Different excuses are used to justify such policies. Most commonly, foreign producers are vilified. In the United States, which has a long tradition of shielding its market, the justification is the protection of jobs. The European Union, always quick to criticize U.S. trade practices, is even more restrictive, using the pretense of consumer protection. The big emerging economies, such as China and India, are playing a two-faced game: they erect walls around their domestic markets while loudly presenting themselves as free-trade champions (and of course harping about the policies of U.S. President Donald Trump).

Research by Gowling WLG, an international law firm, shows that the world’s top 60 economies have adopted as many as 7,000 protectionist measures since the financial crisis of 2008. From 2009 to 2016, the EU introduced 5,657 restrictive trade policies, and only 4,594 that liberalized trade. The numbers show a thickening protectionist jungle handicapping global trade flows.

Realistically speaking, trade conflicts have always existed and even “free trade zones” are not completely void of protectionist elements. Even such banner trade-liberation initiatives as the Trans-Pacific Partnership (TPP) and the Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) would have discriminated against third-party countries. Still, these projects would have lifted the markets and helped the participants. What we are seeing instead is a strong increase in protectionism.

Looming financial disaster

Staggering sovereign deficits are another alarming symptom of the crisis we are in. These deficits necessitate excessive borrowing by governments and, in consequence, lead to monetary policies that are bound to cast doubt on the inherent value of all major currencies. Such overspending, to the debit of the future, cannot continue indefinitely – the scheme works only as long as societies continue to trust their institutions. And this may end abruptly, stalling the wealth-producing engine.

The result would be a drastic increase in poverty, mainly in areas with low to negative demographic growth, and new pressure on the present governance structures, especially in developed, democratic nations. These structures’ basic soundness would be questioned. Breaches of legal and constitutional principles are already taking place, even in Western democracies, allegedly because governments have no other choice. If things do not change, such violations will only become more frequent. The consequences would be felt most dramatically in the countries with aging populations, as their retirement systems are largely underfunded. Even the best economists cannot come up with satisfying solutions to such formidable challenges.

This financial predicament, created by the governments themselves, puts a huge strain on politics. Leaders are too focused on managing the intertwined economic and financial crises at home to pay sufficient attention to issues of global security. Moreover, countries’ foreign and security policies are increasingly shaped by internal considerations.

Economy and war

History teaches us that unsolved economic problems often lead to wars. There are at least several prominent exceptions to the theory that democracies do not start wars in general, and especially not with each other. Unfortunately, leading political parties in the West have already resorted to subverting the basic principles of democracy to remain in power. Instead of the democratic “end of history,” predicted after the collapse of Soviet communism, democracies appear to be in decline. Sinking in self-made economic and political quicksands, they now resort to ever greater protectionism and nationalism.  All this is laying the groundwork for war. Wars tend to fix economic misalignments in a terrible way.

The danger is not fully appreciated because foreign policy strategists tend to ignore the importance of the economy, while the economists are not sufficiently versed in foreign and security policy issues. Good geopolitics brings together all these elements.

While governments are busy struggling with their self-inflicted problems, the geopolitical framework of security structures, shaped after World War II, is undergoing a tectonic change. The economic and social problems discussed above are only adding to these tensions.

In 1945, the U.S. found itself the predominant financial power with the dollar as a global currency. Politically, a bipolar system dominated by the U.S. and the Soviet Union emerged, with two worlds apart political, ideological and economic systems. After the Soviet system cratered in the late 1980s, the U.S. and a handful of other highly developed, democratic nations seemed destined to continue in the role of a benevolent Western hegemon bringing well-being to the rest of the world.

Fault lines

After the turn of the millennium, however, new powers, China in particular, began to challenge the Western system, especially the financial, geopolitical and military dominance of the U.S. The financial crisis of 2008 cast huge doubt on the West’s superiority in economic and monetary matters …

Read the full article here ->
Economic inequality bad thing


*GIS is a global intelligence service providing independent, analytical, fact-based reports from a team of experts around the world. We also provide bespoke geopolitical consultancy services to businesses to support their international investment decisions. Our clients have access to expert insights in the fields of geopolitics, economics, defense, security and energy. Our experts provide scenarios on significant geopolitical events and trends. They use their knowledge to analyze the big picture and provide valuable recommendations of what is likely to happen next, in a way which informs long-term decision-making. Our experts play active roles in top universities, think-tanks, intelligence services, business and as government advisors. They have a unique blend of backgrounds and experience to deliver the narrative and understanding of global developments. They will help you develop a complete understanding of international affairs because they identify the key players, their motivations and what really matters in a changing world. Our experts examine the challenges and opportunities in economies old and new, identify emerging politicians and analyze and appraise new threats in a fast-changing world. They offer new ideas, fresh perspectives and rigorous study.

XIV. International Gottfried von Haberler Conference

Gottfried-von-Haberler Conference 2018
“If anything is certain, it is that I myself am not a Marxist.”  Karl Marx

Karl Marx:
Born 1818 and Still Going Strong?

(Karl Marx: Mythos und Realität)

The XIV. International Gottfried von Haberler Conference will take place on May 25, 2018 in Vaduz, at University of Liechtenstein. Topic: “Karl Marx: Born 1818 and Still Going Strong?” – German: “Karl Marx: Mythos und Realität”. The event will be organized and hosted by ECAEF – European Center of Austrian Economics Foundation. Support of the University of Liechtenstein and multiple local and international sponsors is gratefully acknowledged.

By invitation only

Admission:
General: CHF 100 / 100 Euro; Students: CHF 50 / 50 Euro

Academic Director:
Kurt R. Leube
Tel.: +1 650 248 4955 and +43 676 9428980; email: krleube at gmail com

Administration and Media Contacts:
Rosmarie Lutziger
Tel. +423 235 1570, email: rosmarie.lutziger at lgt com

Media Matters:
Karin Brigl
Tel. +423 235 2344, email: karin.brigl lgt com

Conference Schedule on May 25, 2018
9:00-9:30 Registration/Fee
9:30-9:45 Welcome and Opening by H.S.H. Prince Michael of Liechtenstein

Session I: 
On the Origin and the Development of Karl Marx’ Ideas.
9:45-10:00 Chair: Karl-Peter Schwarz (A)
10:00-10:30 “Freiheit durch Sozialismus? Der Mythos Karl Marx”
Hardy Bouillon (D)
10:30-10:45 Discussion
10:45-11:15 Coffee break
11:15-11:45 “A Spectre haunts Europe …”: The ‘Communist Manifesto’ after 170 Years”
Pedro Schwartz (ES)
11:45-12:00 Discussion

12:00-13:45 Buffet Luncheon for all participants at conference site

Session II: 
On Marx’ Economics: “… a most ingeniously conceived structure, … but – a House of Cards.”
13:45-14:00 Chair: Henrique Schneider (CH)
14:00-14:30 “Der moderne Sozialismus und die Kritik der österr. Schule” Michael Wohlgemuth (D)
14:30-14:45 Discussion
14:45-15:15 “Liberalismus oder Sozialismus als Zukunftsfrage” Philipp Batthyany (CH)
15:15-15:30 Discussion
15:30- 16:00 Coffee break

Session III: 
Marxism as a Dogma: Complete with Prophet, Sacred Texts and Promises shrouded in Mystery.
16:00-16:15 Chair: Peter Fischer (CH)
16:15-16:45 “A not-so ‘Shining Path’: Just one Case in Point of a Failed Idea ending in Terror”
Enrique Ghersi (Peru)
16:45-17:00 Discussion
17:00-17:30 “Is a Spectre Still Haunting Central Europe? Reflections of an Eyewitness.”
Timothy Garton Ash (UK)
17:30-18:00 Discussion (topical and general)
18:00-18:10 Farewell address: H.S.H Prince Michael of Liechtenstein.
18:20-18:30 Transportation by bus to Vaduz Castle
18:30-19:45 Cocktail Reception at Vaduz Castle.

Relevant literature will be offered for sale by www.buchausgabe.de