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Austrian Economics

Big Data und die linken Träume der Planwirtschaft

Kommentar von Hubert Milz
zu einem NZZ-Artikel vom 14. August 2019

Vor einigen Tagen erschien in der Neuen Zürcher Zeitung der Artikel Macht uns der Computer zu Kommunisten? – Big Data lässt den linken Traum der Planwirtschaft wiederaufleben. Ernstzunehmende Vision oder marxistischer Köhlerglaube? Der Artikel macht deutlich, dass die „Jünger der Planung“ davon träumen, dass sie mittels der modernen Computer- und Informationstechnik die relevanten Informationen generieren können, um den Markt zu steuern – „Der Zugang zu allen möglichen Daten erlaube es, die unsichtbare Hand des Markts zu finden.“

Nach meinem Empfinden wird bei einer derartigen „Big Data Planwirtschaft“ das neoklassische Modell nach Walras unterstellt. Durch „Big Data“ soll das Walras-Modell der „Allgemeinen Gleichgewichtstheorie der Neoklassik“ endlich in der Realität ankommen. Dieses Modell ist bis heute das grundlegende Modell der mathematischen Analysemethodik im Mainstream der Neoklassik. In diesem Modell werden die Gleichgewichtspreise und die entsprechenden Gleichgewichtsmengen über ein Gleichungssystem simultan bestimmt – „Güter“ werden durch „Güter“ getauscht. Da das Gleichungssystem simultan gestaltet ist, laufen alle Prozesse unmittelbar und zeitgleich ab – ein allwissender Auktionator sorgt für diesen reibungslosen und zeitgleichen Ablauf. Ergo ist die Zeit im Grunde wegdefiniert und somit können auch unmittelbar Güter gegen Güter getauscht werden – ohne Geld. Und dieser allwissende Auktionator ist ohne Umstände mit dem Zentralplaner austauschbar – zumindest in diesem Modell.

Kritik: Das Modell der „Allgemeinen Gleichgewichtstheorie der Neoklassik“ entspricht nicht der realen Welt. Den allwissenden Auktionator gibt es nicht: Menschen haben nur begrenztes Wissen, ebenfalls die zentralen Planer. Und die Realität ist nicht „statisch“ wie im Modell der „Allgemeinen Gleichgewichtstheorie der Neoklassik“ – die reale Welt kennt die Zeit und ist somit eine „dynamische“ Welt.

Neoklassiker fuhren und fahren schon immer auf der Idee ab, mittels eines Supercomputers alle Pläne, Wünsche, Präferenzen usw. aller Menschen zu sammeln. Mittels des Supercomputers (= des allwissenden Auktionators) soll dann das Modell der „Allgemeinen Gleichgewichtstheorie“ durchgespielt werden und ein jeder Mensch wird gemäß optimaler Allokation der Güter beglückt werden.

Insbesondere marxistische Anhänger der ökonomischen Neoklassik träumten davon. Einer dieser marxistischen Neoklassiker – Oskar Lange – wird im Artikel explizit genannt. Doch auch nicht-marxistische Neoklassiker teilten derartige Träume. So schrieb bspw. die Neoklassikerin Christina Kruse 1988 in ihrer Dissertation, dass das Theoriegebäude der „Allgemeinen Gleichgewichtstheorie der Neoklassik“ auch auf ein sozialistisches Gemeinwesen anwendbar ist, so dass damit durchaus eine optimale Zentralplanung der Ressourcenverwendung möglich sei.

Informationen und Wissen

In dem Artikel werden die Thesen Hayeks zur wichtigen Rolle der Informationen im Marktprozess erwähnt – aber nicht korrekt erwähnt! Hayek sprach keineswegs nur von „Echtzeitinformationen“, sondern vielmehr – ich spitze jetzt ein wenig zu – davon, dass mir der Markt heute sagt, wie ich gestern hätte handeln sollen und mir wiederum morgen sagt, wie ich hätte heute handeln sollen.

Dies ist ein elementarer Unterschied zu der Floskel „Echtzeitinformationen“ des Artikels. Für Hayek waren die Preise die Informationsträger, die Preise senden die Signale aus, aufgrund welcher die Menschen unternehmerisch handeln – auch der private Haushalt handelt in diesem Sinne unternehmerisch; somit ist das „Preissystem“ ein „Signalsystem für jeden Haushalt und jede Unternehmung“.

Durch das ständige Handeln der Menschen am Markt wiederum verändern sich auch ständig die Rahmenbedingungen des Marktes, dadurch werden ständig veränderte Preissignale gesendet, so dass – dies hat Israel M. Kirzner hervorragend herausgearbeitet – ein „allgemeines Gleichgewicht“ à la Walras in der realen Welt ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Außerdem stellte Hayek klar, dass der zentrale Planer, auch wenn dieser über ein Supergehirn oder einen Supercomputer verfügen sollte, dieser keineswegs alle Informationen und alles Wissen sammeln könne, weil Menschen über implizites Wissen verfügen. Wissen, welches sie bei einer Befragung, bei einem Ausfüllen eines Fragebogens usw. unwissentlich unterschlagen werden, weil ihnen dieses Wissen gar nicht bewusst ist (vielleicht auch als unwichtig oder selbstverständlich erscheint).

Doch gerade dieses implizite Wissen, welches auch unbewusst ins Handeln einfließt, hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das menschliche Handeln und damit auf die Signale des Preissystems (also auf die gesendeten Informationen). Besonders in diesem impliziten Wissen des menschlichen Handels finden sich – so Hayek – wichtige Informationen für das Preissystem.

Außerdem, ich übernehme hier eine Formulierung von Thomas Lackmann: Menschen, die wissen, dass sie beobachtet werden, verhalten sich anders als die in freier Wildbahn. Will sagen, dass Menschen, wegen des institutionellen Zwangs, bei der Weitergabe von Informationen zurückhaltend sind und/oder die übermittelten Informationen den von ihnen unterstellten Erwartungen des Datensammlers anpassen werden. (z. B. der Regierung) versucht zu antizipieren und folglich daran die Weitergabe der Informationen anpasst.

Was sind implizite Information oder was ist unbewusstes Wissen?

Mit dem „Arrow-Theorem“, dem Allgemeinen Unmöglichkeitstheorem der Sozialwahltheorie, lässt sich einfach darlegen, was mit impliziten Informationen und unbewusstem Wissen gemeint ist.

Dieses Theorem wurde vor vielen Jahren von einem meiner Lehrer anhand eines einfachen Beispiels griffig erklärt. Man stelle sich vor irgendjemand ist irgendwo eingeladen. Der Gastgeber fragt diesen Gast, was er trinken wolle – Weinbrand, Gin oder Whisky. Der Gast antwortet, dies sei ihm gleich. Worauf der Gastgeber auf den Getränkewagen weist – der Gast solle sich bedienen. Der Gast greift direkt und ohne lange zu überlegen zur Gin-Flasche, diese ist jedoch leer; so dass der Gast spontan zur Whisky-Flache greift, die aber auch leer ist.
Folglich gilt, obwohl der Gast auf die Frage die drei Getränke als „gleichwertig“ bezeichnete, seine spontane Handlung zeigt, dass er dem Gin die erste Präferenz widmet, den Whisky an zweiter Stelle setzt und erst an dritter Position folgt der Weinbrand. Diese wertende Rangfolge floss als Antwort, als Information nicht in die Befragung durch den Gastgeber ein – unbewusstes Wissen wurde dem Gastgeber (= dem zentralen Planer) vorenthalten.

Das Beispiel mag profan klingen, doch der Alltag ist meistenteils profan und es sind unzählige – jeder sollte einmal überlegen – derartiger profaner Kleinigkeiten zu finden, die dem Zentralplaner unbewusst vorenthalten werden.

Folglich wird durch die mangelhafte Information auch zentrale Planung mittels eines Super-Super-Computers scheitern: „Big Data Planwirtschaft“ und das walrasianische Modell der „Allgemeinen Gleichgewichtstheorie der Neoklassik“ werden auch mit einem Super-Super-Computer scheitern, die „unsichtbare Hand“ wird nicht sichtbar werden!

Das Walras-Modell und die Realität

Regelmäßig unterstellen die mathematisch ausgerichteten Modellierer des Modells zumindest implizit, dass es neben Indifferenzkurven stabile Nachfrage- und Angebotskurven gibt.

Indifferenzkurven sollen vermitteln, dass Menschen irgendwelche Güter als gleichwertig ansehen. Derart gleichwertige Güter würden zwischen den Menschen gehandelt und getauscht – es wird das „Prinzip der Gleichwertigkeit der getauschten Güter“ unterstellt.
Euer Ehren! Einspruch: Wenn die Güter nur gleichwertig wären, würden Tausch und Handel brach liegen; denn bei „Gleichwertigkeit der Güter“ liegt kein Grund zum Tauschhandel vor. Buridans Esel lässt grüßen: „Ein Esel steht zwischen zwei gleich großen und gleich weit entfernten Heuhaufen. Er verhungert schließlich, weil er sich nicht entscheiden kann, welchen er zuerst fressen soll.“    
Menschen tauschen Güter, weil sie ganz subjektiv – und eben nicht kardinal messbar – das begehrte Gut eben höher einschätzen als das Gut, welches sie im Tausch abgeben wollen und beide Tauschpartner haben einen subjektiven Vorteil durch die Tauschaktion. Dadurch entstand Handel, daraus entstand Arbeitsteilung, dadurch erst stieg die materielle Wohlfahrt an – Wandel durch Handel; dass das Tauschmedium Geld normalerweise der Vermittler zwischen den begehrten Gütern ist, spielt für das Verständnis des Prinzips des Tauschens keine Rolle. Ein profanes Beispiel: Ein Buch wird zum Preis von 10 EURO zum Tausch angeboten. Demjenigen, der das Buch zu diesem Preis kauft, ist das Buch im Moment des Kaufes mehr wert als diese 10 EURO – umgekehrt gibt der Verkäufer das Buch nur ab, weil dieser den Wert des Buches unter 10 EURO veranschlagt.

Die Unterstellung von stabilen Nachfragekurven besteht den Realitätstest ebenfalls nicht. Warum? Selbst, wenn ein „Jemand“ – bevor die Einkaufstour startet – eine Einkaufliste (z. B. mit zwölf Produkten) streng und akkurat nach seinen Präferenzen erstellt, kann und wird sich das Nachfrageverhalten unmittelbar während des Einkaufens ändern.
Beispiel: Während der Einkaufstour sieht unser „Jemand“ das Gut „X“, welches unser „Jemand“ mittelfristig – aber wegen des bisher hohen Preises nicht sofort – erwerben möchte. Nun ist dieses Gut „X“ aus irgendeinem Grunde (vielleicht eine Werbemaßnahme) kurzzeitig um 40% preisgünstiger im Angebot als üblicherweise, so dass dieses Gut „X“ an die erste Stelle der Präferenzliste des „Jemands“ aufrückt. Der ganze Einkaufsplan, vorher akkurat geplant, wird nun obsolet: Die Einkaufsliste ändert sich – und dadurch ändert sich während der Einkaufstour des „Jemands“ die Nachfragekurve. Und es gibt täglich Millionen solcher „Jemands“! Das Preissystem sendet ständig neue Signale aus.

Unternehmer werden unmittelbar flexibel auf die neuen Signale – wie gerade im Einkaufsbeispiel beschrieben – reagieren und das Angebot so schnell als möglich den neuen Signalen anpassen. Betriebsverwalter natürlich nicht, die werden verzögert und vielleicht sogar verspätet reagieren. Folglich gilt, dass es auch keine stabilen Angebotskurven gibt – höchstens kurzfristig sind die Angebotskurven scheinbar stabil, es kommt eben darauf an, wie schnell sich Unternehmer den geänderten Signalen anpassen können.

Aus dem Gesagten, aus der Kritik folgt nicht, dass die Analyse und Modellierung von „Angebot und Nachfrage“ überflüssig oder grundfalsch ist. Nein, das „Modell der Preisbildung“ mittels „Angebots- und Nachfragekurve“ (oder Angebots- und Nachfragefunktionen) sollte eben nur als das genommen werden, was es ist: Nämlich ein Erklärungskonzept aggregierten menschlichen Verhaltens und eine methodologische Funktion der Wirtschaftswissenschaften, es dient nur dazu, elementare wirtschaftliche Zusammenhänge theoretisch durchsichtig und ohne praktische Unzulänglichkeiten zu beschreiben.
Das Wirtschaftsgeschehen ist ein komplexes System – und komplexe System haben „einfach“ erklärt zu werden – und hier hat das „Modell der Preisbildung“ mittels „Angebots- und Nachfragekurve“ die dienende Funktion das einfache Werkzeug der Analyse zu stellen, mehr nicht.
Ein Überdehnen des Modells, ja sogar eine Gleichsetzung des Modells mit der realen Welt ist ein Irrweg.

Fazit: Planwirtschaft wird auch mit „Big Data“ misslingen!

Macht uns der Computer zu Kommunisten?

Big Data lässt den linken Traum der Planwirtschaft wiederaufleben

Beitrag von Adrian Lobe
(erschienen am 24. August 2019 in
Neue Zürcher Zeitung)

Warum ist der real existierende Sozialismus gescheitert? Weil der Staat zu wenig Informationen hatte, um den Markt zu steuern, sagt der chinesische Unternehmer Jack Ma. Das sei heute anders. Mit Daten lasse sich jeder Markt beherrschen.

Selbst Schokoladenkekse kann man nur verkaufen, wenn die Leute sie essen wollen. Also muss es darum gehen, möglichst genau zu wissen, wo wie viele Leute Kekse mögen. (Bild: Jason Alden / Bloomberg)

In Venezuela zeigt sich derzeit die Hybris der Planwirtschaft: leergefegte Supermarktregale, lange Schlangen an den Tankstellen, eine Hyperinflation von über 130 000 Prozent. Lebensmittel, Hygieneartikel und selbst der Strom werden rationiert. Es fehlt an allem: Nahrungsmittel, Toilettenpapier, Antibiotika, Bettlaken. Coca-Cola hat 2016 seine Produktion gestoppt, weil es keinen Zucker mehr gab. Die Menschen haben aufgrund der Mangelernährung 2016 im Durchschnitt neun Kilo abgenommen. Das Malaise der venezolanischen Volkswirtschaft hat fast schon Lehrbuchcharakter.

Die Klassiker der liberalen Ökonomie – Friedrich August von Hayek zum Beispiel – brachten gegen die Planwirtschaft vor allem einen steuerungstheoretischen Einwand vor: Der Planer verfügt nie über bessere Echtzeitinformationen als der Markt. Der Staat weiss nicht, wie viele Fahrzeuge, Toaster und Türgriffe produziert werden müssen, damit der gegenwärtige Bedarf gedeckt ist.

Man müsste Millionen von Gleichungen lösen, um ein makroökonomisches Gleichgewicht zu erhalten. Eine zentrale Planungsbehörde könne nie das gesamte Wissen über die Gesellschaft aggregieren, geschweige denn die Nachfrage nach bestimmten Gütern berechnen. Doch durch die Fortschritte der Informationstechnologie könnte dieses Wissensproblem gelöst werden …

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Macht uns der Computer zu Kommunisten?

Anthony de Jasay verstorben

Der klassische Liberalismus hat einen grossen Denker verloren. Anthony de Jasay ist gestern nach schwerer Krankheit im Alter von 94 Jahren in der Normandie verstorben.

Zum Tod von Anthony de Jasay (1925-2019)

Ein Nachruf von Kurt R. Leube (ECAEF, Vaduz)

“A first step to an adequate understanding of the state is to think about an environment without one.”  Anthony de Jasay

1925 bei Aba, einer kleineren Siedlung in der Nähe von Szekesfehervar in den ungarischen Landadel geboren, studierte Anthony de Jasay Landwirtschaftsökonomie an der Universität Budapest. Unmittelbar nach der kommunistischen Machtübernahme in Ungarn floh er 1948 zunächst ins österreichische Burgenland und schlug sich dann in den grauen Nachkriegsjahren, meist in und um Salzburg zwei Jahre lang mit Gelegenheitsarbeiten mehr schlecht als recht durch. 1950 gelang ihm schliesslich die Auswanderung in den Westen Australiens nach Perth, wo er an der dortigen Universität (University of Western Australia) das Studium der Wirtschaftswissenschaften beginnen konnte. Der Gewinn eines Hackett-Studentenstipendiums ermöglichte es ihm 1955, seine Studien an der Oxford University fortzusetzen.

Anthony de Jasay 1925 2019
Anthony de Jasay 1925 – 2019

Der Klarheit seines Denkens und seines Ausdrucks war es zu verdanken, dass er am dortigen Nuffield College schon bald zum Research Fellow gewählt und ihm eine Forschungsposition für die nächsten 7 Jahre garantiert wurde. Während dieser Zeit entstanden eine ganze Reihe theoretischer Arbeiten, die in den wichtigen akademischen Zeitschriften der Disziplin erschienen. Von der eher konservativen Atmosphäre Oxfords unbefriedigt, entschloss sich de Jasay die Universitätslaufbahn aufzugeben und begann 1972 in Paris zunächst als unselbstständiger Investmentbanker im Bankwesen zu arbeiten. Schon nach kurzer Zeit gelang es ihm sich selbstständig zu machen und war in eigener Verantwortung bald so erfolgreich, dass er sich ab 1979 in die Abgeschiedenheit der Normandie zurückziehen konnte. Dort lebte er seit 40 Jahren als “Privatgelehrter” mit seiner Frau Isabelle und widmete sich, trotz seines schweren Augenleidens, das in den letzten 10 Jahren zu seiner fast vollständigen Erblindung führte, fast ausschliesslich seiner Arbeit an den Problemen der Sozial- und der politischen Philosophie.

Auf Grundlage einer soliden Erkenntnistheorie ging es Anthony de Jasay dabei im Wesentlichen darum, den politischen und wirtschaftlichen Liberalismus neu zu formulieren. Für ihn ist das Individuum prinzipiell in seinem Handeln frei, solange es keine begründbaren Einwände gibt. De Jasays Sozialordnung beruht somit auf privatem Eigentum, auf freiwilligen Vertragsbeziehungen, der individuellen Verantwortung und auf der persönlichen Reputation, die sich aus dem gegenseitig begründeten Vertrauen ergibt. Mit scharfer Logik weist er damit die Denkfehler jener politisch zündenden Philosophien nach, die den Staat als allwissende und notwendige Instanz zur Durchsetzung eines vagen “öffentlichen Interesses”, einer undefinierten “sozialen Gerechtigkeit”, oder gar vermeintlich “gerechtfertigter Bedürfnisse” sehen.

Obwohl das fortschreitende Nachlasssen seiner Sehkraft sein Arbeitstempo stark beeinträchtigte, hat uns de Jasay neben ungezählten Essays rund ein Dutzend grosser, richtungsweisender Bücher hinterlassen. Viele seiner Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Zu seinen wichtigsten Büchern zählen u.a. “The State” (1985), “Choice, Contract, Consent” (1991), “Against Politics” (1997), “Justice and its Surroundings” (2002) oder “Political Economy, Precisely. Essays on Policy that Does not Work, and Market that Do” (2009).

Wenn auch vom internationalen akademischen Establishment meist schändlich zur Seite gedrängt, zählte Anthony de Jasay doch zu den innovativsten, interessantesten und konsequentesten Denkern der Gegenwart. Er gehörte zu jener kleinen Gruppe grosser Philosophen, die sich kaum je selbst zitierten oder ihre Einsichten in neuen Texten wiederholten. Die innere Konsistenz seiner Ideen, die zwingende Logik und ehrliche Wissenschaftlichkeit, aber auch die Klarheit seines Ausdrucks sind unerreicht. De Jasay’s elegante Haltung, sein liebenswertes Wesen, und sein feiner Humor sind Legion. Als Mensch kam er dem Ideal des ‘gentleman’ gewiss so nahe, als es Menschlichkeit erlaubt.

In der ECAEF-Buchreihe sind unter dem Titel “Liberale Vernunft, Soziale Verwirrung” ein grosser Teil seiner deutsch erschienenen Essays vereint. Diese Sammlung wurde ihm 2008 in Freundschaft und Dankbarkeit gewidmet.

Free Market Environmentalism

A video clip summarizing Terry L. Anderson’s* new book with the same title

Most environmental problems result from the tragedy of the commons. The typical response to environmental issues is to turn to government regulation. In contrast, free market environmentalism embraces the lessons of markets by defining and enforcing property rights to prevent over-consumption or other negative outcomes. Through free market environmentalism, the government and markets can work together to create effective solutions for sustainability …

Terry L. Anderson
on Free Market Environmentalism

For more information, visit PolicyEd.org here ->
https://www.policyed.org/


*Terry L. Anderson is a Senior Fellow at Stanford University’s Hoover Institution and a Fellow of the Liechtenstein Academy (LI). We gratefully appreciate his permission to post it here.

Kapitalismus, die große Verbesserung

Henrique Schneider: Kapitalismus, die große Verbesserung. Bildquelle: Shutterstock
Henrique Schneider: Kapitalismus, die große Verbesserung.  Bildquelle: Shutterstock

von Henrique Schneider*

Der Kapitalismus ist umstritten. Nicht nur Linke lehnen ihn ab. Auch unter Liberalen stößt der Begriff nicht auf uneingeschränkte Zustimmung. Dabei ist seine Bilanz gar nicht so schlecht.

Joseph Schumpeter würdigte in seinem im Jahr 1942 erschienenen Buch “Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie” zwar die Leistungen des Kapitalismus. Doch er sah inhärente Selbstzerstörungskräfte am Werk: Großunternehmen, schöpferische Zerstörung und die Kumpanei mit der Politik würden in den Sozialismus führen. Sein Verdikt mutet fast schon fatalistisch an: Der Sozialismus ist das “natürliche Erbe” des Kapitalismus …

Lesen die den gesamten Beitrag hier ->
“eigentümlich frei” – 4. Januar 2019


*Henrique Schneider ist Volkswirt, Ressortleiter im Schweizerischen Gewerbeverband und in der Erwachsenenbildung tätig.