Andreas Marquart: Crashkurs Geld – Buchrezension

Crashkurs Geld – Wie Sie vermeintliche Experten und Besserwisser aus dem Konzept bringen und die Hintergründe verstehen; eine Buch-Rezension von Hubert Milz*

Staatliches Geldmonopol – ein Trojanisches Pferd

Autor Andreas Marquart, der eine Banklehre absolvierte und einige Jahre im Bankensektor tätig war, arbeitet als Vermögensberater und ist Vorstand des deutschen „Ludwig-von-Mises-Institut“.

Mit diesem „Crashkurs Geld“ legt der Autor eine Einführung in die „Theorie und Politik des Geldes und der Währungen“ vor – ein Kurs, der mit einfachen Worten allgemeinverständlich einen famosen Überblick in die komplexe Welt des Geldes liefert; – ein Einführung, die zudem ganz bewusst auf das fachchinesische Kauderwelsch und die scheinbar exakte Ideenwelt der mathematischen Modelle verzichtet. Staatlich bezahlte Ökonomen hingegen benutzen in der Regel auch und gerade in den einführenden Lehrbüchern zum Geldwesen jenes Fachchinesisch und jene scheinbar hochkomplizierten Mathematikmodelle. Dadurch werden die interessierten Laien von der Lektüre abgeschreckt. Ob dies vorsätzlich geschieht?

Hingegen ist diese Einführung von Andreas Marquart ganz speziell als Hinführung in die komplexe Welt des Rätsels „Geld“ für den ökonomischen Laien – den „Otto Normalverbraucher“ – geschrieben worden. Hier an dieser Stelle sei schon vorweggenommen, dass das durch den Autor anvisierte Ziel voll und ganz erreicht wird, und zwar derart, dass die Ängste des Autokönigs Henry Fords real werden könnten – Ford hatte nämlich befürchtet, dass es noch vor morgen früh eine Revolution gibt, falls die Menschen das staatliche Geldsystem jemals verstehen sollten!

Zunächst seien ein paar ideengeschichtliche Anmerkungen gestattet.
Andreas Marquarts „Crashkurs Geld“ wurzelt fest in der Lehre der „Wiener Schule der Volkswirtschaftslehre“, deren Begründer Carl Menger ist. Aus dieser Schule gingen ökonomische Meisterdenker hervor, wie z. B. Eugen von Böhm-Bawerk, Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek.
Auf der Grundlage der Kapitaltheorie Böhm-Bawerks und den Arbeiten zum Zins von Knut Wicksell entwickelte Ludwig von Mises die „Geld- und Konjunkturtheorie der Wiener Schule“, diese Theorie wurde dann durch Friedrich August von Hayek weiter ausgebaut. Und diese Geld- und Konjunkturtheorie liefert wesentliche Bausteine für den „Crashkurs Geld“.

Marquart zeigt, das „Geld“ nicht per Dekret durch Staat (= Regierungen) eingeführt wurde, sondern die Menschen haben „Geld“ durch das Tauschgeschehen – Ware gegen Ware – am Markt entdeckt => Geld wurde nicht erfunden. Die historische Rückschau zeigt, durch die Marktprozesse setzten sich in den meisten Kulturen regelmäßig die Edelmetalle (Gold und Silber) als allgemein akzeptierte Tauschware durch, da Edelmetalle wertbeständig, haltbar, gut aufzubewahren, leicht teilbar und zu transportieren sind. Folglich ist „Geld“ ursprünglich eine ganz normale Handelsware mit einem inneren Wert an und für sich gewesen.

Staatsoberhäupter erkannten schnell die Möglichkeiten, welche die Beherrschung des „Geldes“ bietet; wer das Geldwesen kontrolliert, der hat auch weitgehenden Einfluss auf die Gestaltung eines Gemeinwesens. Ergo wurde „Geld“ zu einer hoheitlichen Aufgabe, sprich es entstand das Geldmonopol des Staates.

Monopole gedeihen nur, wenn diese unter staatlichem Schutz stehen. Dass derartige Monopole stets zum Vorteil einer privilegierten Gruppe auf Kosten der Allgemeinheit operieren, ist leicht erkennbar beim Durchdenken von Zweck und Ziel eines Monopols. Diejenigen, die gerne empirische Beispiele hinzuziehen, finden diese Erkenntnis durch die Wirtschaftsgeschichte reichlich illustriert.
Warum also soll ein staatliches Monopol auf das „Geld“ eine Ausnahme machen? Wie Andreas Marquart kenntnisreich auffächert, das staatliche Geldmonopol ist keine Ausnahme von der Regel. Seit der Staat das Geldmonopol an sich gezogen hat, wird dieses zum Schaden der Allgemeinheit und zum Vorteil des Staates genutzt. In der Geldgeschichte finden sich zuhauf historische Zeugnisse des Münzbetrugs der Staaten zu Lasten der Bevölkerung.

In den Zeiten des Metallgeldes wurde meist durch staatliche Stellen der Münze Edelmetall entzogen, solche aufwendigen Spiele sind in Zeiten des Papiergeldes nicht mehr nötig. Die historische Rückschau zeigt viele Papiergeldversuche, die alle kläglich scheiterten – manche rasch, andere funktionierten scheinbar lange Zeit. Seit der Epoche der Weltkriege verdrängten die Staaten die Edelmetalle Zug um Zug aus dem Bargeldumlauf, so war schließlich ab 1944 (Bretton Woods System) nur noch der US-$ an das Gold gebunden. Die dem System angeschlossenen Zentralbanken konnten ihre US-$-Bestände bei US-Währungsbehörden in Gold – 35 US-$ je Feinunze Gold – einlösen. Doch damit war am 15.08.1971 Schluss! Präsident Nixon machte der letzten Bindung des Geldes an das Gold ein Ende, der letzte Goldanker wurde gekappt.
Seither ist alles Geld der Welt durch nichts Reales mehr gedeckt und die Manipulation des Geldes durch den Staat treibt ungeheure Blüten. Durch das staatliche Zentralbanksystem mit angeschlossenem Teilreservebankenkartell wurde die Geldmenge massiv erhöht. Ja, sogar vervielfacht, wie Marquart anhand der „Geldschöpfungsmöglichkeiten aus dem Nichts“ des Teilreservebankenkartells aufzeigt und, wie Marquart anhand des Cantillon-Effektes erläutert, schadet dieses „Geld aus dem Nichts“ insbesondere massiv den Menschen, die nur ein festes Einkommen beziehen.

Der „Cantillon-Effekt“ in Kurzform


-> Eine Geldmengenerhöhung zeitigt nicht nur quantitative Effekte im Preisgefüge zwischen Geldmenge und den Güter-/Faktormärkten; sondern der gesamte Prozess einer Geldmengenerhöhung und ihrer Wirkung auf die Endpreise der unterschiedlichsten Güter ist ein ziemlich differenzierter Ablauf.
-> Eine Geldmengenerhöhung führt bei einzelnen Bevölkerungsgruppen zu einem Mehr an Geld in der Kasse.
Zwei einfache Beispiele:
Übernehmen die Banken bspw. neue Staatsanleihen von der Regierung, dann erhält die Regierung Gutschriften aufs Girokonto und ist als erster Akteur im Besitz von neuem Geld.
Geben die Banken die Staatsanleihen an die Zentralbank ab, so erhalten die Banken Gutschriften auf ihre Konten bei der Zentralbank; hier sind also die Banken diejenigen, die als erste über das neue Geld verfügen können.
-> Jene Akteure und diesen nahestehenden Gruppen verfügen zuerst über das „Neue Geld“ und werden auf verschiedenen Güter-/Faktormärkten ihre Aktivitäten verstärken.
-> Auf jenen Märkten wirkten jene zusätzlichen Aktivitäten preistreibend auf das vorhandene Angebot. Und von diesen Märkten her sickert das „Neue Geld“ langsam, aber stetig durch das Wirtschaftsgeschehen.
Stufenartig lässt sich der Prozessablauf des „Neuen Geldes“ wie folgt darstellen:
=> Durch eine Geldmengenerhöhung ist mehr Geld in die Wirtschaft gelangt.
Einige Bevölkerungsteile sind die Nutznießer der Geldmengenerhöhung, weil jene zuerst über das „Neue Geld“ verfügen können.
=> Diese Nutznießer erhöhen ihre Nachfrage auf verschiedenen Güter-/Faktormärkten – und zum Teil werden jene noch zu den alten Preisen einkaufen können.
=> Die Angebotsseite auf jenen Güter-/Faktormärkten kann nicht so schnell auf die gestiegene Nachfrage reagieren, folglich steigen – bei zunächst unveränderter Gütermenge – bei den zusätzlich nachgefragten Gütern die Preise. Das Preisgefüge muss sich zunächst ändern.
=> Verschiedenste Marktakteure werden, wegen der gestiegenen Preise, höhere Gewinnmöglichkeiten auf jenen Güter-/Faktormärkten sehen und dort das Angebot so flott wie nur möglich auszuweiten versuchen.
=> Handelt es sich bei jenen Märkten um Gütermärkte, dann werden Unternehmer in diesen Produktionsbereichen investieren und dadurch selber zu zusätzlichen Nachfragern von Investitionsgütern.
=> Langfristig wird sich das gesamte Preisniveau erhöht haben.
=> Dabei wird sich das Preisgefüge dauerhaft geändert haben, da die Menschen normalerweise keine einheitliche Nachfragestruktur haben, auch nicht bei für alle Menschen gleichmäßig gestiegenem Einkommen.

Entscheidend ist dabei, dass diejenigen, die zuerst bzw. im Zeitablauf relativ schnell über „Neues Geld“ verfügen können, regelmäßig noch zu niedrigeren Preisen einkaufen können, als diejenigen, die feste Einkommen (wie Lohnempfänger und Rentner) beziehen. Die Bezieher von diesen Festeinkommen werden i. d. R. längst die „neuen, höheren Preise“ zu zahlen haben, bevor das „Neue Geld“ bei ihnen (z. B. als Folge von Lohnerhöhungen) angekommen ist – diese sind demnach die Geschädigten.
Daraus folgt, dass aus der – von staatlichen Stellen verursachten und gewollten – ständigen Inflationierung der Geldmenge eine Umverteilung des Volksvermögens zu Lasten der Bezieher von festen Einkommen resultiert.

Das Wachsen der Geldmenge wird von dem Staat dienenden Ökonomen oftmals damit begründet, dass eine wachsende Wirtschaft auch eine wachsende Geldmenge benötige.
Dass dies keine ökonomische Aussage und noch dazu eine Falschaussage ist, erklärt Marquart logisch mit einfachen Worten. Hier sei nun ganz speziell für die Freunde der Empirie ein Beispiel für die Richtigkeit von Marquarts Erklärung eingeschoben: Im 19. Jahrhundert war unter dem klassischen Goldstandard die Größe der Geldmenge streng an den Goldvorrat gekoppelt. Trotzdem zeichnete sich das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts durch ein immenses Realwirtschaftswachstum und enorme Steigerungen der Reallöhne aus, und dies geschah bei einer gleichzeitigen, stetigen und leichten Preisdeflation.

Auch Einwände, wie, dass die Zentralbanken der Preisstabilität verpflichtet sind, werden von Marquart kenntnisreich als falsch entlarvt. Marquart zeigt, dass sich unter dem Banner der Preisstabilität die Inflationisten jedweder Couleur versammeln. Die EZB versteht z. B. unter Preisstabilität eine Inflationsrate von 2% im Jahr.
Doch, was ist Inflation? Ursprünglich bedeutete Inflation die Aufblähung der ungedeckten Geldmenge, mit der Folge, dass im zeitlichen Abstand auch eine Preisinflation bei Gütern und Dienstleistungen folgte. Jedoch haben Staat und die vom Staat bezahlten Ökonomen es verstanden den Ausdruck „Inflation“ geschickt zu verdrehen. Inflation, so wird heute suggeriert und auch allgemein durch die Verbraucher akzeptiert, ist die Preissteigerungsrate der Güter und Dienstleistungen des gewöhnlichen Bedarfs der normalen Verbraucher. Berechnet wird diese Rate auf Grundlage eines – leicht zu manipulierenden – Warenkorbs. Die Preise für die Güter der Vermögenswerte – Rohstoffe, Immobilien, Wertpapiere – bleiben folglich außen vor, obwohl sich insbesondere auf diesen oft genug Exzesse in Sachen Preisinflation austoben. Aber selbst dann, wenn man die Preissteigerungsrate des Warenkorbs als Maß der Inflation akzeptiert, heißt dies, wenn die EZB ihr Inflationsziel von jährlich 2% realisiert, dass dann der Konsument in einem Vierteljahrhundert weit über 60% mehr für den Warenkorb als heute zu bezahlen hat.

Sehr treffend bezeichnet Marquart diese Art von staatlicher Geldpolitik als ein „trojanisches Pferd“ an und für sich. Frühere Generationen, die in den Zeiten lebten als die Geldentwertungspolitik der Staaten noch nicht so derart dreist und unverfroren wie heute war, konnten durch arbeiten und sparen nach einem Vierteljahrhundert ein Häusle bauen oder erwerben. Dies können die heute im Arbeitsleben stehenden Menschen vergessen, egal wie sie sich auch abrackern werden. Heute werden die Menschen durch die Inflationskultur der staatlichen Geldpolitik, besser Geldvernichtungspolitik, in den Konsum gedrängt. Nur, durch Konsumieren wird man nicht wohlhabend, wohlhabend wird man durch Konsumverzicht, also durch Sparen. Folglich ändert die staatliche Inflationskultur das Verhalten der Menschen. Sparen und auf lange Sicht zu wirtschaften, dies galt einst als weises Verhalten, wird jedoch heute durch die staatliche Inflationskultur zur Dummheit an und für sich!
Ersparnisse bilden auch die Grundlage für Investitionen im Produktionsbereich; abnehmende Ersparnisse bedingen geringere oder gar das Ausbleiben von Investitionen. Folglich wird ein Gemeinwesen insgesamt, weil die staatliche Inflationskultur die Menschen zu Konsumtrotteln formt, durch Güter- und Kapitalverzehr ärmer. Reich wird nur eine kleine, durch den Staat bevorzugt bediente, Clique!

Wie Hayek schon vor mehr als vier Jahrzehnten plädiert auch Marquart für eine „Entnationalisierung des Geldes“. Deswegen sollen „WIR“ (hier ist ein „wir“ tatsächlich einmal angebracht) den Regierungen (Staaten) das Geld- und Währungsmonopol entreißen. Das „Geld“ soll dem Markt, wo es auch entdeckt worden ist, zurückgegeben werden.
Am Markt würden dann verschiedene „Geldarten“ in Konkurrenz zueinander stehen, so dass sich das „bessere Geld“ etablieren kann. Und wie uns schon Franz Böhm lehrte: „Wettbewerb ist das genialste Entmachtungsinstrument der Geschichte“, so dass durch den Wettbewerb mittels Marktgeld derart unmoralische Exzesse, die dem staatlichen Geldmonopol inhärent sind, verunmöglicht werden.
Für Hayek war eindeutig klar, dass das staatliche Geld- und Währungsmonopol die Kultur des Westens zerstören wird. Hayek war damals in den 1970er Jahren eher pessimistisch; denn er schrieb damals [„Entnationalisierung des Geldes“ (1977, Mohr-Verlag)] als letzten Satz: „Aber die Zeit mag kurz sein“.
Seit dieser Satz geschrieben wurde sind mehr als vierzig Jahre vergangen, die Exzesse der staatlichen Geldpolitik haben seither enorm an Fahrt aufgenommen. Trotzdem scheint Andreas Marquart optimistischer zu sein als Hayek. Marquart hat also noch Hoffnung, dass die westliche Kultur zu retten ist, ansonsten hätte Andreas Marquart dieses Buch mit seinen Lösungsvorschlägen nicht einem breiten Publikum zu offerieren brauchen.
Also, dem Buch ist eine Leserschaft zu wünschen, die in die Millionen geht und Erkenntnisse und Anliegen des Buches übernimmt, da nur dann eine Art von Optimismus berechtigt scheint.


*Hubert Milz (D), Jahrgang 1956, hat als Diplom-Betriebswirt (FH) / Diplom-Ökonom rund 35 Jahre in der Energiewirtschaft gearbeitet und ist Mitglied der Hayek-Gesellschaft.