Graham Brookes on Biotech Crops

Interview with Graham Brookes* (Agricultural Economist, PG Economics Ltd). Recorded at the 15th Gottfried-von-Haberler Conference 2019 in Vaduz.

 Summary of Graham Brookes’ talk at the G. von Haberler Conference:
“Biotech crops, environmental impact and climate change”

This presentation summarises an assessment of the environmental impacts associated with using crop biotechnology in global agriculture. It focuses on the environmental impacts associated with changes in pesticide use and greenhouse gas emissions arising from the use of GM crops since their first widespread commercial use over 20 years ago. The adoption of GM insect resistant and herbicide tolerant technology has reduced pesticide spraying by 671.4 million kg (8.2%) and, as a result, decreased the environmental impact associated with herbicide and insecticide use on these crops (as measured by the indicator, the Environmental Impact Quotient (EIQ)) by 18.4%. The technology has also facilitated important cuts in fuel use and tillage changes, resulting in a significant reduction in the release of greenhouse gas emissions from the GM cropping area. In 2016, this was equivalent to removing 16.7 million cars from the roads. By delivering improved pest and weed control, the technology has enabled many farmers to increase crop yields and as a result, crop biotechnology has been responsible for the additional production of 213 million tons of soybeans, 405 million tons of maize, 27.5 million tons of cotton lint and 11.6 million tons of canola between 1996 and 2016. This has allowed farmers to grow more without needing to use additional land, reducing pressure on typically high bio-diverse land to be converted for agricultural production.

Recording of Graham Brookes’ talk: 

*Graham Brookes is an agricultural economist with PG Economics Ltd, UK, which specialises in examining the economic and environmental impact of new technology use in agriculture. Graham has authored 15 papers, published in peer reviewed scientific and economic journals on the economic and environmental impact of GM crops around the world. He held this talk at the 15th International Gottfried-von-Haberler Conference which took place on May 17, 2019 in Vaduz, at University of Liechtenstein. Conference Topic: “When Naive Presumptions prompt Hasty Judgments: On the Benefits and Problems of Genetic Engineering” (German: “Wenn Vermutungen zum Urteil werden: Die Gentechnologie am Pranger”). The event was organized and hosted by ECAEF – European Center of Austrian Economics Foundation.

How Regulation Has Destroyed Entire Sectors of Biotechnology

Interview with Henry I. Miller (M.S., M.D. Senior Fellow, Pacific Research Institute San Francisco, California). Recorded at the 15th Gottfried-von-Haberler Conference 2019 in Vaduz.

 Summary of Henry I. Miller’s talk at the G. von Haberler Conference:
“Tales of Woe: How Regulation Has Destroyed Entire Sectors of Biotechnology”

Modern biotechnology, also known as “genetic engineering (GE)” or “genetic modification (GM),” has in less than four decades produced monumental scientific, economic, and humanitarian advances in medicine and agriculture.  But over-regulation and the aggressive antagonism of self-interested activists have prevented it from realizing anything close to its potential.  Indeed, entire sectors of genetic engineering have been decimated, including GE animals, bioremediation (the cleanup of toxic wastes), development of bio-rational pesticides, prevention of frost damage to crops, and prevention of insect-borne diseases.
Ill-founded concerns about the risks of molecular techniques for genetic modification gave rise to regulation triggered simply by the “process,” or technique, rather than the “product,” i.e., the characteristics of the modified organism. This was an unfortunate precedent, whose legacy plagues regulation worldwide today.
Had they not been stymied by wrong-headed, unscientific regulation, many sectors of biotechnology had the potential to create the Next Big Thing. If we are to unleash the ingenuity of scientists in academia and industry in future, we will need enlightened public policy that takes into consideration the centuries-long seamless continuum in the technologies for genetic improvement of all manner of organisms. This must include sweeping regulatory reform to craft regulation that is scientifically defensible and risk-based.

Recording of Henry I. Miller’s talk: 

*Henry I. Miller held his talk at the 15th International Gottfried-von-Haberler Conference which took place on May 17, 2019 in Vaduz, at University of Liechtenstein. Conference Topic: “When Naive Presumptions prompt Hasty Judgments: On the Benefits and Problems of Genetic Engineering” (German: “Wenn Vermutungen zum Urteil werden: Die Gentechnologie am Pranger”). The event was organized and hosted by ECAEF – European Center of Austrian Economics Foundation.

Wir brauchen eine Haftpflicht für Politiker

WirtschaftsWoche-Redakteur Michael Verfürden in Interview mit dem Juristen und Autor Carlos A. Gebauer

Wie bewegt man Politiker zu ergebnis-orientierterem Handeln? Der Jurist Carlos A. Gebauer meint: Mit Haftungsrecht. Bild: Getty Images, Marcel Stahn.

Politiker sind nur durch ihr Gewissen gebunden. Der Jurist und Autor Carlos A. Gebauer will das ändern. Seine Forderung: Politiker sollen wie Manager für ihre Fehler verantwortlich gemacht werden.

WirtschaftsWoche: Herr Gebauer, in Deutschland haben zuletzt der Youtuber Rezo und die Schülerdemos ‘Fridays for Future’ den Wahlkampf bestimmt. Was sagt das über die Politik?

Carlos A. Gebauer: Politiker treffen heute Entscheidungen, für die sie selbst persönlich nicht haften. Die aktuellen Debatten zeigen aber, dass die Bürger damit unzufrieden sind. Im Endeffekt fordern sowohl die demonstrierenden Schüler als auch etwa die Gelbwesten in Frankreich verantwortliche Entscheidungen. Die bekommt man als Wähler nicht, indem man Politikern faktisch Blankochecks ausstellt – sondern indem man die Entscheidungsträger für ihr Tun auch persönlich verantwortlich hält.

WirtschaftsWoche: Das heißt?

Carlos A. Gebauer: In unserem gesellschaftlichen Ordnungssystem gilt allerorten: Wer für einen anderen arbeitet, haftet diesem anderen für die Güte seiner Arbeit. Nur Politiker brauchen das nicht. Bürger müssen deren Fehler hinnehmen. Deshalb brauchen wir eine rechtliche Modernisierung in Gestalt einer Haftpflicht für Politiker. Die Wähler können ihre Vertreter selbst in Haftung nehmen – in der Wahlkabine. Das beseitigt aber nicht das prinzipielle Problem. An die Stelle des Abgewählten tritt nur ein anderer, der bis zum Ende der Legislaturperiode auch wieder keine Verantwortung übernehmen muss.

WirtschaftsWoche: Was würde eine Politiker-Haftpflicht ändern?

Carlos A. Gebauer:  Wer Haftpflicht hört, denkt meist an Schadensersatz. Haftungsverpflichtung bedeutet aber vor allem, präventiv an der Motivation der Vertreter anzusetzen. Wer weiß, dass er haften könnte, verhält sich von vornherein vorsichtiger. Das ist bekanntlich elementares und effizientes Qualitätsmanagement.

WirtschaftsWoche: Naja, Politik ist meist eine Frage von Ideologie.

Carlos A. Gebauer: Ideologische Fragen sind nicht justiziabel. Es geht darum, Politiker für von ihnen verursachte Schäden verantwortlich zu halten.

WirtschaftsWoche: Und wer bestimmt, was ein Schaden ist?

Carlos A. Gebauer: Die Rechtsordnung hat dieses Problem bereits beschrieben und ihre Antwort darauf steht zum Beispiel recht präzise in Paragraf 93 des deutschen Aktiengesetzes, der die Sorgfaltspflichten und persönlichen Verantwortlichkeiten von Vorstandsmitgliedern regelt.

WirtschaftsWoche: Wirtschaft ist nicht Politik.

Carlos A. Gebauer: Die Lage ist aber vergleichbar und analogiefähig. Beide Vertretungsorgane stehen vor derselben Herausforderung: Sie müssen Entscheidungen für eine Zukunft treffen, die sie nicht kennen können. Ein Vorstand muss im Nachhinein erklären, darlegen und notfalls beweisen können, dass er mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmannes gehandelt hat. Dass er alle verfügbaren Informationen berücksichtigt und wenn nötig Sachverständige zurate gezogen hat. Warum sollten wir von Politikern weniger Qualität verlangen? Schwierige Zeiten können mutige und schnelle Entscheidungen erfordern. Mutige Entscheidungen müssen erst recht verantwortlich getroffen werden. Wir brauchen Mut zur richtigen Entscheidung, nicht ein rechtliches Vakuum für Übermut.

WirtschaftsWoche: Wer geht noch in die Politik, wenn er Milliardenentscheidungen selbst verantworten muss?

Carlos A. Gebauer: Darum geht es doch: Dass nur Entscheidungen getroffen werden, die verantwortbar sind. Und keine unübersehbaren, nur weil Politiker nicht dafür haften. Vor einigen Jahren haben TV- Reporter Abgeordnete befragt, die kurz zuvor im Plenum über Euro-Rettungspakete abgestimmt hatten. Sie sollten erklären, um welchen Zweck und wie viel Geld es ging. Keiner der Präsentierten konnte eine Antwort geben.

WirtschaftsWoche: Wäre es nicht sinnvoller, an der Vergütung anzusetzen?

Carlos A. Gebauer: Ich habe lange darüber nachgedacht, ob sinnvoll sein könnte, Politiker zum Zwecke einer vorsichtigeren Haushaltspolitik nur aus Haushaltsüberschüssen zu bezahlen. Das führt absehbar zu nichts, weil Politiker genug Möglichkeiten haben, stets mehr Geld einzunehmen. Das Haftungsrecht ist zur Sorgfaltssteigerung erfahrungsgemäß wirkungsvoller.

WirtschaftsWoche: Es könnte aber auch dazu führen, dass jedes Detail im Nachhinein diskutiert wird – beispielsweise welche Baumaterialen bei einem Projekt verwendet werden.

Carlos A. Gebauer: Das Entscheidende an Schadenersatzprozessen ist nicht zuletzt, dass unterlegene Kläger sie selbst bezahlen müssen. Wer vor Gericht Kritik anbringt, muss also in seinem eigenen Interesse sehr substantiiert darlegen können, warum er meint beweisen zu können, dass eine andere Entscheidung richtig gewesen wäre. Wer willkürlich klagt, macht das vielleicht ein oder zweimal. Aber anschließend kann er sich das nicht mehr leisten.

WirtschaftsWoche: Sie sind Mitglied der FDP. Die Liberalen kritisieren gerne die Stigmatisierung des Scheiterns und fordern eine neue Fehlerkultur. Wie passt das mit Ihrer Forderung zusammen?

Carlos A. Gebauer: Da sehe ich keinen Widerspruch. Wenn ich mich als Unternehmer betätige und scheitere, verliere ich mein eigenes Geld und hafte denen, die sich willentlich mit mir eingelassen haben. Der heutige Politiker hingegen haftet nicht mit seinem eigenen Geld, sondern nur mit dem fremder Leute. Da ist eine Modernisierung nötig.

Das Original finden sie auf wiwo.de ->
Haftpflicht für Politiker

Buchrezensionen von Eugen Böhm-Bawerk wiederentdeckt

Die ECAEF dankt Federico Salazar (Ludwig von Mises Institut Lima, Peru) für seine wertvolle Recherche im Zusammenhang mit der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Ihm ist es zu verdanken das zwei interessante Buchrezensionen von Eugen Ritter von Böhm-Bawerk* wiederentdeckt wurden. Sie können nachfolgend als PDF heruntergeladen werden.

We are grateful for the invaluable work and talent of Federico Salazar (L.v. Mises Institute Lima, Peru) for the permission to republish two unknown but very interesting book reviews by Eugen Ritter von Boehm-Bawerk (1851-1914), the leading figure of the 2. generation of the Austrian School.

Böhm-Bawerks Buchrezension über Heinrich Rickert “Zur Lehre von der Definition”, 1888, Freiburg i. Br., Mohr-Verlag

Eugen Boehm-Bawerk
Boehm-Bawerk-Rickert.pdf (558 kb)

Böhm-Bawerks Buchrezension über Lujo Brentano “Die klassische Nationalökonomie”, 1888, Leipzig, Duncker u. Humblot

Boehm-Bawerk-Brentano.pdf (742kb)

*Eugen Boehm von Bawerk (1851-1914) war ein führender Vertreter Österreichischen Schule der Nationalökonomie.

Die Psychologie des grünen Erfolgs

Das folgende Dossier erschien am 30. Mai 2019 im Online-Magazin Publico, in der Rubrik “Politik & Gesellschaft”.

Die Psychologie des grünen Erfolgs / Alexander Wendt
Die Psychologie des grünen Erfolgs / Alexander Wendt

Warum schafft es die Partei, zu einer Kraft aufzusteigen, die tatsächlich den nächsten Kanzler stellen könnte? Auch deshalb, weil sie politische Techniken beherrscht, die ihre Konkurrenten noch nicht einmal erkennen.

Die Psychologie des grünen Erfolgs

von Dirk Schwarzenberg und Alexander Wendt

Das Wahlergebnis der Grünen in Deutschland lässt sich nicht verstehen ohne drei Begriffe, die in der US-amerikanischen Politik seit Jahrzehnten eingeführt, hierzulande allerdings – zumindest zwei von ihnen – als Begriff noch weitgehend unbekannt sind. Als Technik selbst allerdings nicht.

Die Grünen und ihr organisatorische wie mediales Umfeld bedienen seit etwa einem Jahr dreier Instrumente in Perfektion, während die anderen Parteien die Praxis noch nicht einmal begreifen: Astroturfing, Framing und gezielte Beeinflussung des Overton Windows.

Um mit dem ersten zu beginnen: Bei Astroturf handelte es sich ursprünglich um einen Begriff für Kunstrasen in Stadien. Schon in den 90er Jahren benutzten Politiker und Politanalysten das Wort für öffentlichkeitswirksame Aktionen, die koordiniert und gewissermaßen im Ganzen ausgerollt werden, aber den Eindruck einer spontanen, an vielen Stellen gleichzeitig entstehenden Aktivität erwecken sollen. Also das Gegenteil eines Kunstrasens, nämlich eine urwüchsige Graswurzelbewegung. Der Begriff geht wahrscheinlich auf den texanischen Senator Lloyd Bentsen zurück, der 1985 plötzlich sehr viele Briefe und Postkarten bekam, scheinbar von normalen, unabhängig voneinander agierenden Bürgern, die ihn beknieten, sich besser um die Interessen der Versicherungswirtschaft zu kümmern. “A fellow from Texas“, meinte Bentsen, „can tell the difference between grass roots and AstroTurf… this is generated mail.”

Mit simpler Briefpost betreibt heute niemand mehr Astroturfing. Die Instrumente sind unendlich wirkungsvoller, und die Praxis zielt auf die breite Öffentlichkeit: Mit vorgeblich von unten gewachsenen Bewegungen wie den „Schulstreiks für das Klima“, mit Youtube-Videos und mit Veröffentlichungswellen von Appellen.

Mit dem Begriff Framing immerhin kann spätestens seit dem „ARD-Framing-Manual“ der Publizistin Elisabeth Wehling schon eine etwas größere Öffentlichkeit in Deutschland etwas anfangen. Zur kurzen Erinnerung: Wehling, eine mit wohlklingendem eigenen Institut selbstnobilitierten Psychologin, hatte für die ARD 2017 ein so genanntes Framing-Manual verfasst, in dem sie dem Senderverbund riet, für eine höhere Akzeptanz des Gebührensystems moralisch aufgeladene Begriffe in Umlauf zu bringen. Etwa „Gemeinwohl-Funk“ für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Kritiker sollten folglich als Gemeinwohl-Feinde, Gebührenverweigerer als „vertragsbrüchig“ stigmatisiert werden.

Theoretiker und Praktiker des Framing (von Frame, Rahmen) erklären Sachverhalte als praktisch beliebig dekonstruierbar. Für sie gibt es keine Objektivität, selbst in der Naturwissenschaft nicht, sondern nur „Deutungsrahmen“, die, je nachdem, wie sie gesetzt werden, die öffentliche Diskussion leiten. Was ja auch zu einem gewissen Grad zutrifft. Es lenkt die Wahrnehmung vieler Medienkonsumenten erheblich, wenn etwa Demonstranten in Chemnitz als „Mob“ bezeichnet werden, gewalttätige Besetzer im Hambacher Forst dagegen als „Aktivisten“. Oder ob ein Medium von „Klimaentwicklung“ und „Klimawandel“ schreibt – oder von „Klimakrise“.

Beides, scheinbar spontane Bewegungen wie Begriffsprägung beeinflussen wiederum das Overton-Window. Den Begriff des „Wahrnehmungsfensters“ prägte der amerikanische Politikwissenschaftler Joseph P. Overton (1960 -2003). Nach seinem Modell existiert ein Fenster der Wahrnehmung für gesellschaftliche Themen, das jedenfalls für die große Bevölkerungsmehrheit definiert, was als akzeptabel, umkämpft und außenseiterisch gilt. Overton entwarf folgende Skala:
Geltende Politik, populäre Ansicht, zunehmende Vernunft, noch akzeptable Ansichten, Radikalität und „undenkbare“ Ansichten („Policy, Popular, Sensible, Acceptable, Radical, Unthinkable“).

Wie ein Blick in die Geschichte zeigt, ändert sich die Bewertung vieler Ansichten in diesem Fenster von Generation zu Generation, und zwar nicht selten grundlegend. Massenverfolgung, die im Dritten Reich oder in der stalinistischen Sowjetunion als „normal“ galt, gehört heute zu Recht zu den Schreckensvorstellungen. Aber auch etwas kleinere und abgegrenzte Themen gleiten auf die Skala. Zu DDR-Zeiten hatten sich beispielsweise mit der Stabilisierung der SED-Herrschaft die meisten im Land mit Enteignung und Kollektivierung abgefunden. Im Westen galt dieses Gesellschaftsmodell spätestens seit dem Erfolg des Wirtschaftswunders als undenkbar, mindestens als radikal.

Unmittelbar nach dem Zusammenbruch der DDR 1989 überlebten Enteignungsphantasien bestenfalls noch im härtesten SED- und DKP-Funktionärsmilieu. Heute gleitet die Wahrnehmung gerade wieder in Richtung „empfindlich“ bis „akzeptabel“, wenn etwa Kevin Kühnert Kollektivierungspläne für BMW entwirft, und der Grünenvorsitzende Robert Habeck meint, über die Enteignung von Immobilien sollte ruhig einmal nachgedacht werden. Begriffe und Themen driften nicht nur einfach in dem Wahrnehmungsfenster. Sie lassen sich mit Geschick und Anstrengung auch ganz gezielt verschieben.

Als klassisches Astroturf-und-Framing-Unternehmen dürfte das Unternehmen Greta einmal in Psychologielehrbücher eingehen. Der Blogger Don Alphonso hatte schon im März 2019 ein nicht für die Öffentlichkeit bestimmtes Strategiepapier veröffentlicht, das zeigt, wie straff und professionell die „Fridays for Future“-Bewegung tatsächlich organisiert wird – vor allem von den Grünen.

Bei deutschen Demo-Auftritten Thunbergs weichen zwei Personen der 16-Jährigen so gut wie nie von der Seite: Luisa Neubauer, eine Art Klimajugend-Beauftragte der Grünen, und Jakob Blasel, Greenpeace-Aktivist und Mitglied der Grünen Jugend. Zwei gutaussehende und mediengewandte junge Grüne, ein praktisch unkritisierbares Kind im Rang einer „Prophetin“ (Göring-Eckardt) – das Trio wirkt so smart zusammengecastet wie eine der notorischen Neunziger-Jahre-Boybands.
Zu den Schülerdemonstrationen kommt nicht nur eine fast durchgehend wohlwollende Begleitung durch die etablierten Medien, wo wiederum das Herz der Journalistenmehrheit für die Grünen schlägt. Dazu kommt, wie eine Recherche von Tichys Einblick zeigte, im Hintergrund eine NGO.

Wichtiger Verstärker für die Öffentlichkeit: das fast gleichzeitig entstandene Parallelnetzwerk der „Scientists for Future“, das für die nötige argumentative Unterfütterung sorgen soll und behauptet, „16 000 namhafte Wissenschaftler“ aus Deutschland, Österreichs und der Schweiz zu vertreten”. Als Initiatoren treten unter anderen der aktivistische Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung Hans-Joachim Schellnhuber auf, dessen Stellvertreter Johan Rockström sich gerade in einem Interview mit frei erfundenen Behauptungen und Zahlensalat („Ein Steak enthält 70 Liter Erdöl“) blamierte und seine Behauptungen zurücknehmen musste …

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